Erfolgreicher Auswanderer Ein deutscher Chocolatier macht in Ottawa eine süße Karriere

Heinrich Stubbe präsentiert Häuschen und Schneemänner aus Schoko. Foto: Gerd Braune
Heinrich Stubbe präsentiert Häuschen und Schneemänner aus Schoko. Foto: Gerd Braune

Der deutsche Chocolatier Heinrich Stubbe hat vor 25 Jahren in Ottawa einen Laden eröffnet, der Kunden aus ganz Kanada anzieht. Seit 1845 verkauft seine Familie Brot und Kuchen. Ein Image, mit dem sich gut werben lässt.

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Ottawa - Wenn sich am frühen Abend Dunkelheit auf Kanadas verschneite Hauptstadt Ottawa legt, leuchtet Heinrich Stubbes Konditorei hell. Im Schaufenster von Stubbe Chocolates steht ein kleines Dorf, ganz aus Schokolade. Auf Regalen sind Häuschen, Tannenbäume, Schlitten und – aus weißer Schokolade – eine Familie aus Schneemann, Schneefrau und zwei Schneekindern aufgebaut. Vor verspiegelten Wänden werden Trüffel, Marzipankartoffeln, Pralinen und Florentiner geschmackvoll präsentiert.

Inmitten der Pracht steht Heinrich Stubbe in seiner Konditorjacke. „Alles handgemacht“, sagt der 63-jährige Chocolatier. Er zeigt auf die durch eine Glasscheibe vom Verkaufsraum abgetrennte, nur wenige Quadratmeter große Schokoladenküche, in der zwei Mitarbeiterinnen gerade frische Masse in Formen für Tafeln gießen. Auf Backblechen liegen aufgereiht verschiedene Trüffelarten. Auf einem Blech warten Schneemänner und Nussknacker auf die Weiterverarbeitung. Zwei Kunststudentinnen helfen ihm beim Verzieren.

Er trägt auch Schwarz-Rot-Gold auf der Jacke

Auf Stubbes Jacke sind gut sichtbar auf Kragen, Brusttasche und Ärmel die rote Ahornflagge Kanadas, das Schwarz-Rot-Gold Deutschlands und die gelb-blau-rote Fahne Kolumbiens, Heimat seiner Partnerin Pilar, gestickt. In wenigen Monaten kann er sein 25-Jahr- Geschäftsjubiläum in Ottawa feiern. Im Oktober 1988 war er erstmals von Meppen im Emsland, wo seine Vorfahren 1845 eine Bäckerei gegründet hatten, nach Kanada gekommen, um die Erfolgschancen für ein Schokoladegeschäft auszuloten.

„Eigentlich hatte ich Toronto auf meinem Plan, aber die deutsch-kanadische Handelskammer in Toronto meinte, in der Hauptstadt mit ihrer diplomatischen Gemeinde hätte ich sicher gute Chancen.“ Er entschied sich für Ottawa. Am 9. Januar 1989 verließ er endgültig seine Heimatstadt, im März eröffnete er sein Geschäft in der Dalhousie Street.

Familientradition seit 1845

Für Meppen war es das Ende einer Familientradition. Rund 150 Jahre lang hatten die Stubbes hier Brot und Brötchen verkauft, dazu Kuchen und etwas Schokolade. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg fügten Josef Stubbe, der Vater von Heinrich, und dessen Bruder Hans der Bäckerei und Konditorei ein Café hinzu. „Als ich 1984 übernahm, wurde die Konditorei der Schwerpunkt. Ich habe mich vom Brot verabschiedet“, erzählt Stubbe. Fünf Jahre später verabschiedete er sich von Meppen und verkaufte den Betrieb.

Jetzt wirbt er in Ottawa mit „chocolates since 1845“. An drei kleinen Tischen in der Konditorei haben Kunden Platz genommen. Stubbe empfiehlt ihnen seine Neuheit, Nectar de Cacao. Wenig später bringt er die Tassen mit dampfender heißer Schokolade. „Gepresster Rohkakao mit etwa Rohrzucker gemischt“, gibt er sein Geheimnis preis. Dazu offeriert er in kleinen Schälchen etwas, das wie Schokobohnen aussieht. „Fermentierte Kakaobohnen, geliefert aus Kolumbien. Sie werden 35 Minuten bei geringer Hitze geröstet und dann mit Schokolade überzogen. Sie enthalten alle Antitoxine, die ein Körper zur Entgiftung braucht. Also reine Medizin“, sagt er.

Die Kakaobohnen bezieht er direkt von den Bauern

Die Kakaobohnen bezieht Stubbe direkt aus Kolumbien, wo er Mitglied in drei Kooperativen von Kakaobauern ist. Die Rohschokolade allerdings wird aus Belgien geliefert. Sechs Tonnen verarbeitet er pro Jahr, um daraus etwa 460 verschiedene Schokoladeprodukte herzustellen, darunter drei Dutzend Trüffelarten. 160 000 Trüffel verkauft er im Jahr. Hinzu kommen rund 500 Stollen sowie Baumkuchen, Basler Leckerli, Apfelstrudel, Kekse und Torten, bei Bedarf auch mehlfrei. „Kunden, die in Europa Apfelstrudel kennengelernt hatten, fragten mich, ob ich das auch machen könnte. Heute sind Strudel und Stollen ein wichtiger Teil unseres Sortiments.“

Die ersten Jahre waren nicht einfach in diesem Land, dem die Kaffeehaus-Tradition völlig fehlt. „Ich habe zunächst viel Geld verloren. Ich eröffnete im März , dann kam ein heißer Sommer, mit dem ich nicht gerechnet hatte“, erzählt Stubbe. Schokolade und Rücklagen schmolzen förmlich dahin. Erst im Herbst wurde es etwas besser. Der Durchbruch kam, als im Dezember das kanadische Fernsehen Stubbe in einer Show vorstellte. 1995 eröffnete er in Toronto ein Geschäft, das jetzt sein Sohn Daniel führt. Tochter Anne, die wie ihr Bruder in Deutschland das Konditorhandwerk erlernte, führte mit ihrem Vater mehrere Jahre das Geschäft in Ottawa, geht jetzt aber eigene Wege. Der jüngste Sohn, Julian, schlug eine andere Richtung ein. Er studiert Geografie in Berlin.




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