Erfolgreicher Mountainbiker Moritz Silberhorns „Geißcoup“

Konzentriert auf der Strecke: Moritz Silberhorn. Foto: Chilimotion

Mountainbiker Moritz Silberhorn vom TV Hegensberg hat mit dem Gewinn der deutschen Enduro-Meisterschaft überrascht, bleibt aber bescheiden.

Die Vorzeichen vor dem Rennwochenende schienen klar: Christian Textor, langjähriger Fahrer und mehrfacher Deutscher Meister, schien erneut auf dem Weg zu seinem sechsten Titel, dicht gefolgt von Lars Pfeifer, dem deutschen U-21-Meister. „Ich dachte, Podium ist drin. Platz eins und zwei werden die beiden aber unter sich ausmachen“, erklärt Moritz Silberhorn. Doch dann kam alles ganz anders: Silberhorn, der Fahrer des TV Hegensberg, holte bei der deutschen Enduro-Meisterschaft am Geißkopf im Bayerischen Wald den Titel. Es war ein unerwarteter wie großer Triumph des 21-Jährigen – und soll nicht der letzte sein. Vor den nächsten Rennen aber bleibt er realistisch und bescheiden.

 

Den Sieg bei Wind und Regen bescherte Silberhorn vor allem die finale Stage. Das erkannte auch Textor an. „Mo Silberhorn hat am Ende auf der letzten Stage gezeigt, dass er unter Druck noch mal richtig einen raushauen konnte und hat uns allen richtig gut eingeschenkt auf der Stage. Er hat sich den Sieg absolut verdient“, sagte er dem Portal „mtb-news.de“.

Enduro ist eine junge Disziplin des Mountainbikesports, die Elemente aus Cross-Country und Downhill verbindet. Gefahren wird auf sogenannten Stages: kurze, technisch anspruchsvolle Abfahrten, die auf Zeit gemessen werden. Dazwischen liegen Verbindungsstrecken, die die Fahrer meist selbst aus eigener Kraft absolvieren müssen – oft bergauf. Die Wettbewerbe bestehen zumeist aus mehreren Stages – gewertet wird am Ende die Summe aller Stage-Zeiten.

Silberhorn sitzt seit seinem 17. Lebensjahr auf dem Mountainbike. Sein Bruder Frederik hatte ihn zu einer Tour mitgenommen und der Sport hat ihm auf Anhieb Spaß gemacht. Seither fährt der Sohn der Esslinger Stadträtin Annette Silberhorn-Hemminger für den TV Hegensberg. Mittlerweile studiert er in Innsbruck Bauingenieurwesen – die Verbindung zum TVH ist allerdings bestehen geblieben: „Ich habe meine Lizenz immer noch über Hegensberg und wenn ich in der Heimat bin, schaue ich immer, dass ich im Verein vorbeigucke“, erklärt Silberhorn.

Erfolgreiche Rückkehr

Schon früh begann er, an offiziellen Rennen teilzunehmen und sich mit anderen Fahrern zu messen. Seinen erste Meisterschaft holte er an einem für ihn bedeutenden Ort: „Lustigerweise habe ich mein zweites Rennen überhaupt am Geißkopf gefahren. Dass ich jetzt dort die deutsche Meisterschaft gewinne, bedeutet mir viel.“

Die Radabteilung des TVH in Esslingen hat sich mit dem Esnos (Esslinger Nord-schleife) einen Namen gemacht. Nach dem Abriss des ursprünglichen, inoffiziellen Trails im Jahr 2014 setzten sich engagierte Mitglieder dafür ein, eine legale und nachhaltige Mountainbike-Strecke zu etablieren. In Zusammenarbeit mit der Stadt und dank der Unterstützung des Vereins entstand der Esnos-Flowtrail, der 2017 eröffnet wurde. Und auch die Nachwuchsförderung des TVH macht von sich reden. Beispielsweise bietet das Esnos-Rookie-Programm Kindern im Alter von neun bis 14 Jahren die Möglichkeit, von erfahrenen Athleten wie Silberhorn zu lernen: „Beim Rookie-Programm war ich auch schon öfters dabei und habe den Kindern ein bisschen was gezeigt.“

Unfälle gehören zum Enduro-Sport aber dazu. Am vergangene Wochenende beklagte Silberhorn bei einem Rennen im französischen Morillon zwei Stürze. „Ich bin zweimal über den Lenker gefallen und jetzt tut mir das Handgelenk weh. Ich hoffe, es ist nicht gebrochen – Bänder kann man ja ohne Stress tapen“, sagte er zunächst. Später kam eine Teil-Entwarnung: nichts gebrochen. Denn am kommenden Wochenende steht der nächste Word-Cup im französischen Les Gets an. Dort möchte sich Silberhorn wieder mit Textor, Pfeifer und Co. messen. Sicher ist seine Teilnahme allerdings nicht: „Aktuell ist es 70:30, dass ich mitfahre. Der Arzt hat gesagt, wenn ich Schmerzen habe, soll ich es lassen.“

Seine Chancen, schnell wieder auf das Podium zu fahren, sieht der Student verhalten optimistisch: „Wenn ich ehrlich bin, sind meine Chancen gleich Null. Top 30 ist das Ziel und auch das ist ein ambitioniertes Ziel.“ Im Gegensatz zur deutschen Meisterschaft jagen bei den World-Cups eben Fahrer aus der ganzen Welt die beste Zeit. Das Niveau ist international härter als daheim. Aber wer weiß, was für Silberhorn drinsteckt – auch mit seinem „Geißcoup“ überraschte der ambitionierte Esslinger und krönte sich zum Deutschen Meister.

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