Erfolgreicher Protest Weinstadts kleine Freibäder bleiben bestehen
Der Gemeinderat stimmt für den Weiterbetrieb der beiden Naherholungseinrichtungen in Weinstadt durch die neu gegründeten Freibadvereine.
Der Gemeinderat stimmt für den Weiterbetrieb der beiden Naherholungseinrichtungen in Weinstadt durch die neu gegründeten Freibadvereine.
Jubel brach aus, weil alle in der Jahnhalle in Endersbach versammelten Ratsmitglieder die Hände hoben. Geschlossen stimmten die Lokalpolitiker dafür, dass die städtischen Freibäder Beutelsbach und Strümpfelbach den örtlichen Freibadvereinen zum eigenverantwortlichen Weiterbetrieb überlassen werden.
Doch waren es längst nicht mehr so viele Besucher wie Ende Juni, als sich die Weinstädter Stadträte von protestierenden Bürgern umringt sahen. Die Bürgerinitiative S’Freibädle Beutelsbach hatte darauf gedrungen, ihren Vorschlag zu unterstützen, dass ein Verein den Freibadbetrieb in ihrem Ortsteil übernimmt und nicht zum Saisonende für immer dicht gemacht wird. Mehr als 700 Mitbürger unterzeichneten ihren Antrag, weitere gut 400 Personen traten ihrer Social-Media-Gruppe bei.
Auch für das Strümpfelbacher Freibad machten Bürger sich stark. Mit einem mehr als 900 Seiten starken Fragenkatalog opponierten sie gegen die beabsichtigte Schließung des Bads im Jahr 2027.
Der Protest zeigte offenbar Wirkung. Der Schließungsbeschluss wurde vertagt und somit der Verkauf der Grundstücke, um damit einen zentralen Freibadneubau zu finanzieren, mit dem die Stadtwerke Weinstadt das neu errichtete Hallenbad in Endersbach zum Kombibad erweitern sollten. Die Verwaltung hatte sich durch diesen Schachzug Synergieeffekte und steuerliche Vorteile versprochen für die Haushaltskonsolidierung. Gleichzeitig ein attraktiveres Angebot im Vergleich zu den in die Jahre gekommenen Bädern aus den 1930ern. Als Alternative hatte der Oberbürgermeister Michael Scharmann bereits damals den Freibadinitiativen angeboten, Konzepte zum Weiterbetrieb der Freibäder Beutelsbach und Strümpfelbach unter Vereinsregie auszuarbeiten.
Die Freibadinitiativen nahmen die Herausforderung an, in wenigen Wochen zu vollbringen, wofür die Stadtwerke zwei Jahre Zeit hatten. Mit dem Beschluss zum Hallenbadneubau 2023 hatten diese bereits den Auftrag erhalten, für die Freibäder ebenfalls eine Lösung zu suchen. So mag mancher daran gezweifelt haben, ob in der Kürze der Zeit – noch dazu während der Sommerreisezeit – tragbare Konzepte auf die Beine gestellt werden können, die wie vom OB gefordert ebenso „den Haushalt verlässlich und dauerhaft entlasten“.
Doch die mittlerweile zu Vereinen gewordenen Bürgerinitiativen brachten es zuwege, sodass dem OB nur blieb zu sagen: „Chapeau!“ Nach Rückfragen gebe es nun für den Weiterbetrieb des Freibads Beutelsbach ein Personalkonzept, so Scharmann. Konkret bedeutet das: Statt einer ehrenamtlichen Bäderleitung wie anfangs vorgesehen will S’Freibädle Beutelsbach nun ebenso wie der Freibadverein Strümpfelbach eine Kraft für Bäderbetriebe in Vollzeit anstellen, wie die Vorsitzende Julia Zeh unserer Zeitung bereits vor der Sitzung mitteilte: „Doppelter Boden hält besser, und unser Fokus ist die absolute Sicherheit unserer Badegäste!“ Damit entspreche man den Forderungen der Stadt und übertreffe die Mindestanforderungen der Regelwerke. „Durch die in unserem konservativen Finanzplan eingerechnete 40-prozentige Risikoabschmelzung für unvorhersehbare Ereignisse sind wir im Stande, die Mehrkosten für eine Fachkraft abzudecken und dennoch eine Überdeckung zu erzielen.“
Auch die Sprecher der Ratsfraktionen zollten den Freibadvereinen Respekt für die Konzepte und wünschten für den Weiterbetrieb alles Gute, Glück, Erfolg – und Durchhaltewillen.
Mit dem Beschluss für die Überlassung der Bäder sind die Neubaupläne der Stadtwerke in Endersbach nun zwar vom Tisch, ein geschlossenes Votum dagegen ist dieser aber nicht – zumal einige Stadträte sich für die Sitzung entschuldigt hatten. „Wir sind von dem Konzept nach wie vor überzeugt“, sagt Julian Künkele (SPD) zum zentralen Freibadneubau und merkte an, dass man nicht wisse, wofür sich die Mehrheit in Weinstadt aussprechen würde. Mit dieser Meinung steht er in seiner Fraktion nicht allein. „Viele sind auch dafür den Neubau. Dazu gehöre auch ich“, bezieht Tim Bergmüller Position und weist auf eine Umfrage des Jugendgemeinderats hin, bei der sich die Mehrheit – wenn auch knapp – für den Neubau ausgesprochen habe.
Auffallend bei den Statements der übrigen Fraktionsvertreter: eine vergleichende Bewertung zwischen Weiterbetrieb und Neubau gibt es nicht, dafür viel Lob für das Engagement der Vereine, an das man mit dem Überlassen der Freibäder nun aber große Erwartungen knüpft. „Die Arbeit geht jetzt erst los“, kommentiert Scharmann. Für die Verwaltung heißt dies, dass bis zur Gemeinderatssitzung im November ein Überlassungsvertrag ausgearbeitet werden muss.