Erfolgsbeteiligung Bei Zulieferern sind die Prämien geringer

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Die Mitarbeiter der Zulieferer müssen sich mit deutlich weniger Geld als bei den Fahrzeugbauern zufrieden geben. Doch eine nennenswerte Auszahlung erhalten auch sie.

Auch die Mitarbeiter im Motorenbau bei Daimler in Stuttgart-Untertürkheim können sich über die Zahlung einer  Erfolgsprämie freuen. Foto: Daimler 6 Bilder
Auch die Mitarbeiter im Motorenbau bei Daimler in Stuttgart-Untertürkheim können sich über die Zahlung einer Erfolgsprämie freuen. Foto: Daimler

Stuttgart - Uwe Hück, der sprachgewaltige Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Porsche, hat die Prämien, die der Sportwagenbauer seinen Mitarbeitern bezahlt, auch schon mal als „intergalaktisch“ bezeichnet. Diese seien deswegen so hoch, weil die Belegschaft auch eine „intergalaktische Leistung“ vollbringe. Vor einigen Jahren wurde der Bonus sogar schon mal als „genial-intergalaktisch“ bezeichnet. Doch ob auch dieses Jahr für die 2016 erbrachte Leistung wieder „intergalaktisch“ bezahlt wird, steht noch nicht fest – Ende März oder Anfang April soll die Höhe der Prämien bekannt gegeben werden.

Von „intergalaktischen“ Erfolgsbeteiligungen indes können die Mitarbeiter der Zulieferer für die Autoindustrie nur träumen. Dort wird deutlich weniger bezahlt als bei den Fahrzeugbauern. Zudem ist von Zulieferern auch immer wieder zu hören, die Autoindustrie drücke die Preise, entlohne aber ihre Mitarbeiter fürstlich. Daimler zahlt für das vergangene Jahr eine Prämie von 5400 Euro. Auch bei Porsche haben die Beschäftigten, vor deren Leistung Hück sich schon mal „verneigt“ hat, auch in diesem Mai wieder einen Wonnemonat zu erwarten. Dann kommt die Extrazahlung. Bei Volkswagen wird die Prämie üblicherweise im März überwiesen, sie hängt aber noch von den bis dahin wohl klareren Geschäftszahlen für das vergangene Jahr ab. Die VW-Tochter Audi will die Prämien im März bekannt geben.

Auch bei Dürr und Mann + Hummel gibt es Geld

Nicht ganz so schön wie für die Porsche-Mitarbeiter wird der Mai wahrscheinlich für die Beschäftigten des Autozulieferers Mann + Hummel ausfallen. Auch bei dem Ludwigsburger Unternehmen orientieren sich die Prämien an der Geschäftsentwicklung, gerechnet wird allerdings etwas anders: Statt eines Fixbetrags gab es in den vergangenen Jahren nach den Angaben eines Sprechers einen bestimmten Prozentsatz des Gehalts, mindestens aber 1000 Euro. Der Lackieranlagenbauer Dürr aus Bietigheim-Bissingen belohnt seine Mitarbeiter ebenfalls mit einer Erfolgsprämie. Noch im Frühjahr soll deren Höhe bekannt gegeben werden. „Die Tendenz geht in die Richtung des vergangenen Jahres“, sagt ein Sprecher des Unternehmens. Damals erhielten die Mitarbeiter für die in 2015 erbrachte Leistung 2750 Euro extra.

Auch am Bodensee fließt Geld in Prämienform. Beim Autozulieferer ZF orientiert sich die Höhe an einem mit den Beschäftigten vereinbarten Prozentsatz des Konzernergebnisses. Ausbezahlt wird die Prämie mit der Gehaltsabrechnung Ende April. In den vergangenen Jahren lag die Erfolgsbeteiligung der einzelnen Mitarbeiter bei rund 1000 Euro, mal waren es 100 bis 200 Euro mehr, mal etwas weniger. Obwohl die Prämie deutlich geringerer als beispielsweise bei Daimler sei, handele es sich doch um eine „für ein Zulieferunternehmen stattliche Höhe“, sagte ein Sprecher des Konzerns vom Bodensee.

Bosch gibt die Höhe der Prämie im April bekannt

Auch bei Bosch können sich die Mitarbeiter über eine Prämie freuen. Die jedes Jahr neu ausgehandelte Höhe wird im April bekannt gegeben. Für ihre Arbeit im Jahr 2015 erhielten die Beschäftigten im vergangenen Jahr durchschnittlich 43,2 Prozent eines Monatsgehalts. Für Mitarbeiter der Tochtergesellschaften würden teilweise ähnliche Regelungen gelten, manchmal gebe es aber auch spezielle Vereinbarungen an bestimmten Standorten, so ein Unternehmenssprecher. Nur eine ganz geringe Prämie wurde im vergangenen Jahr bei Mahle ausgeschüttet – und ob es dieses Jahr bei dem Kolbenhersteller einen Bonus geben wird, steht noch in den Sternen.

Zeitarbeiter gehen leer aus

Zeitarbeiter indes gehen leer aus. Sie seien schließlich auch nicht bei Daimler angestellt, meint ein Sprecher des Unternehmens. Immerhin aber habe Daimler seit 2005 rund 7000 Zeitarbeiter fest eingestellt. Holger Bonin, Professor beim Bonner Institut für Arbeitsmarktforschung (IZA), sieht für Leiharbeiter nicht unbedingt einen Grund zur Klage: Statt sich darüber zu ärgern, dass fest Angestellte eine Prämie bekämen, sollten sie besser selbst nach einer Festanstellung streben. In Zeiten eines fast leer gefegten Arbeitsmarktes seien die Chancen dafür gut, meint der Arbeitsmarktforscher. Ziel der Prämie sei eine möglichst hohe Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen. Bonin räumt allerdings ein, diese sei bei Festangestellten höher als bei Leiharbeitern. Die IG Metall Baden-Württemberg jedenfalls sieht keine großen Möglichkeiten, an der Unterschiedlichen Behandlung etwas zu ändern: „Wir verstehen, dass dies für Unmut bei den Beschäftigten sorgt, aber wir können die Firmen nur ermuntern, hier etwas zu ändern“, sagt eine Sprecherin.