Erfolgsbeteiligung bei Bosch, Daimler, Porsche und Co. Zulieferer zahlen keine üppigen Prämien

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Die Mitarbeiter der größeren Zulieferbetriebe erhalten zumeist Boni. Sie können aber von einem zusätzlichen Geldsegen wie bei Daimler, Porsche und anderen Autobauern nur träumen.

Auch die Beschäftigten des Getriebeherstellers  ZF in Friedrichshafen werden aller Wahrscheinlichkeit nach wieder eine Prämie bekommen. Foto: ZF
Auch die Beschäftigten des Getriebeherstellers ZF in Friedrichshafen werden aller Wahrscheinlichkeit nach wieder eine Prämie bekommen. Foto: ZF

Stuttgart - Daimler kann damit zwar den öffentlichen Ruf der Autobauer nicht aufpolieren – wohl aber erhält der Stuttgarter Konzern für seine Ankündigung den Beifall seiner Beschäftigten: 130 000 anspruchsberechtigte Tarifmitarbeiter in Deutschland erhalten mit ihrem Entgelt für April eine Erfolgsprämie von bis zu 5700 Euro – soviel wie nie zuvor, seit der Autobauer die Prämie zahlt.

Allerdings: Die Leiharbeiter gehen wieder einmal leer aus. Sie seien ja auch nicht bei Daimler angestellt, heißt es dazu. Holger Bonin, Professor am Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA), betont jedoch, dass sich die Aussichten auf Festanstellungen gebessert hätten angesichts der guten Wirtschaftslage. Daher sollten sich die Leiharbeiter darum bewerben, sagt Bonin. „Die Chance, einen solchen Arbeitsplatz zu bekommen ist noch größer als vor einem Jahr“, meint Bonin. Und Daimler selbst verweist darauf, dass seit 2005 mehr als 7600 gewerbliche Zeitarbeitnehmer übernommen worden seien.

Porsche dürfte Daimler übertreffen

Auch auf die Beschäftigten eines anderen Autobauers werden sich in diesem Jahr wohl wieder über eine satte Zusatzzahlung freuen können: Porsche sagt zwar noch nichts zur Höhe der Prämie, die für das vergangene Jahr ausgezahlt werden soll – doch der mächtige Betriebsratschef Uwe Hück nimmt im Zusammenhang mit der Erfolgsbeteiligung auch schon mal gerne das Wort „intergalaktisch“ in den Mund. In Anlehnung an den 911er Porsche erhielten die Beschäftigten im vergangenen Jahr 9111 Euro zusätzlich – wird hier nicht dramatisch gestrichen, dürfte Porsche auch dieses Jahr Daimler übertreffen.

Zulieferer auf anderer Galaxie

Schaut man sich dagegen die Prämien bei den Zulieferern der Autobauer an, kann der Endruck aufkommen, diese arbeiteten in einer anderer Galaxis als ihre Kunden. So zahlt etwa der Autozulieferer Eberspächer keine Erfolgsprämie. „Wir zahlen nach Tarif“, heißt es bei dem Esslinger Unternehmen. Dies bedeutet, es wird ein Urlaubsgeld in Höhe von 70 Prozent eines Monatsentgelts bezahlt. Zudem gibt es eine Sonderzahlung, umgangssprachlich auch als „Weihnachtsgeld“ bezeichnet. Diese ist nach der jeweiligen Betriebszugehörigkeit gestaffelt und kann beispielsweise im Tarifbezirk Nordwürttemberg/Nordbaden bis zu 55 Prozent eines Monatsgehalts erreichen – eine Erfolgsprämie käme zu diesen Zahlungen noch hinzu. Diese aber „ist eine rein freiwillige Leistung der Unternehmen und kann von der IG Metall nicht beeinflusst werden“, sagt eine Sprecherin der Gewerkschaft.

Die Prämie bei Bosch wird von dem Autozulieferer im April bekannt gegeben – einen ersten Anhaltspunkt für die Höhe könnte die Zahlung im vergangenen Jahr für die 2016 geleistete Arbeit sein. Dies waren 48 Prozent eines Monatsgehalts. Immerhin eine Steigerung, für 2015 hatte es nur 43,2 Prozent gegeben. Für Mitarbeiter der Tochtergesellschaften gebe es unterschiedliche Regelungen, erklärte ein Sprecher des Unternehmens. Der Lackieranlagenbauer Dürr aus Bietigheim-Bissingen wird dieses Jahr höchstwahrscheinlich wieder wie schon im Jahr zuvor eine Prämie von 2750 Euro zahlen,verweist aber darauf, dies lasse sich noch nicht hundertprozentig sagen, weil noch der Jahresabschluss für 2017 abgewartet werden müsse.

Belohnung für Engagement

Ähnliches gilt auch für den Autozulieferer ZF aus Friedrichshafen, der Ende März Genaueres bekannt geben wird. Wie schon in den vergangenen Jahren dürfte die Prämie bei rund 1000 Euro liegen – mal ist sie etwas höher, mal etwas geringer. Beim Filterhersteller Mann + Hummel in Ludwigsburg soll die Prämie im Mai ausgezahlt werden, die Höhe ist ein bestimmter Anteil eines Monatsgehalts, der vom Geschäftserfolg abhängig ist und in den vergangenen Jahren mindestens 1000 Euro betrug. Und wie es beim Stuttgarter Kolbenhersteller Mahle aussieht, werden die Beschäftigten wohl Ende April erfahren. Seit Jahren zahlt auch der Autozulieferer Boysen aus Altensteig im Schwarzwald eine Prämie. Nach dem Motto, tue Gutes und schweige darüber will der Abgasspezialist dazu aber keine näheren Angaben machen. Mit offener Kritik an den Erfolgsprämien der Autoindustrie halten sich die Zulieferer zwar traditionell zurück – schließlich will man es sich mit seinen Kunden nicht verderben. Hinter vorgehaltener Hand aber ist öfter zu hören, die Autobauer könnten auch deswegen so gut zahlen, weil sie bei den Zulieferern die Preise drückten. Michael Brecht, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Daimler, erklärt zur Erfolgsprämie des Autobauers, die Kolleginnen und Kollegen seien der Schlüssel zum Unternehmenserfolg. „Die Belegschaft hat im vergangenen Jahr unglaublich viel geleistet.“ Man dürfte wohl auch bei den Zulieferern keinen Betriebsrat finden, der meint, dort habe die Belegschaft weniger kräftig zugepackt.

Zweischneidiges Schwert

Nach Ansicht des Experten Bonin kann eine Erfolgsprämie aber durchaus ein zweischneidiges Schwert sein: Wird sie erhöht, gilt dies auch nach Außen als positives Signal, wird sie aber gesenkt, könnte der Eindruck entstehen, „das Unternehmen sei in Turbulenzen geraten“. Zudem stellten sich zwei entscheidende Fragen: „Was bleibt nach der Besteuerung übrig? Und wäre ein höheres Grundgehalt nicht besser?“