Das ZDF strahlt an diesem Samstag die große Show zu „30 Jahre Andrea Berg“ aus. Felix Gauder ist der Tüftler ihres Sounds. Der Stuttgarter bringt auch viele andere Stars in die Charts. Mit „Ich würd’s wieder tun“ hat er’s am Freitag erneut auf Platz eins geschafft.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)

Wer in der Sitzecke des Studios von Felix Gauder Platz nimmt, hockt unter Platin. Das Nummer-eins-Album „Mosaik“, mit dem Andrea Berg 74 Wochen lang in den deutschen Charts blieb, etwa hängt hier. Entstanden sind große Teile daraus in einer Villa mit Aussicht – auf einer Höhe, die man in Stuttgart gern halb nennt.

Wo diese Halbhöhe liegt, von der die Ohrwürmer hochschießen (auch das neue Berg-Album „Ich würd’s wieder tun“ entstand vor allem hier), soll geheim bleiben. Der Hausherr, einer der erfolgreichsten Musikproduzenten in Deutschland, will nicht, dass Fans den Eingang für ihre Lieblinge belagern. Denn es kommen viele! Von Maite Kelly bis Semino Rossi, von Art Garfunkel jr bis DJ Bobo, von Nino de Angelo bis Bernhard Brink – die Stars vertrauen einem Mann, der durch und durch Stuttgarter ist, weil er mit seiner Bescheidenheit genau jenes Understatement verkörpert, das Menschen bei uns auszeichnet. Nach Glamour und Allüren sieht’s bei ihm nicht aus.

Zwar tauchen Stars auf, bei dem kumpelhaften Produzenten und Komponisten aber sind sie ganz normale Menschen. Vielleicht würden viele Fans ihre Idole nicht erkennen. Andrea Berg trägt auf dem Selfie, das hier entstanden ist, eine Brille, strahlt ungeschminkt mit DJ Bobo und Felix Gauder.

Felix Gauder saß bei der Aufzeichnung im ZDF-Übertragungswagen

Andrea Berg kommt regelmäßig ins Stuttgarter Musikstudio – aber auch der Produzent fährt immer wieder nach Asbach bei Backnang, in die Wahlheimat der 56-Jährigen. Zuletzt war er dort, um bei der Aufzeichnung der ZDF-Show zum 30-Jahr-Jubiläum der Sängerin darauf zu achten, dass ins Fernsehen nur der beste Sound gelangt. An beiden Tagen saß Gauder im Übertragungswagen vor einer riesigen Anzahl von Reglern, um die vielen Hits perfekt abzumischen. An diesem Samstag, 20.15 Uhr, wird die Sendung ausgestrahlt. Moderator ist Giovanni Zarrellla. Etliche Gäste sind dabei, die auch zum Portfolio von Gauder gehören. Als innerfamiliärer Höhepunkt gilt die vom ZDF angekündigte Live-Duett-Premiere von Andrea Berg und Vanessa Mai - Vanessa ist seit 2017 mit Andrea Bergs Stiefsohn Andreas Ferber verheiratet.

Als Andrea Berg vor 30 Jahren damit begann, auf Bühnen zu singen, war Gauder 20 Jahre alt und gerade dabei, den Computer zum Komponieren zu nutzen. Mit klassischer Klavierausbildung hat er begonnen. Mit 14 wurde es ihm zu langweilig, die Meister nachzuspielen. So kaufte sich der Waldorfschüler ein Keyboard und improvisierte.

Auch „Te quiero heißt ich liebe Dich“ von Semino Rossi stammt aus Stuttgart

Einst hat er harten Techno-Sound „entschärft“, so dass dieser radiotauglich wurde. Später hat er den Schlager moderner gemacht, mehr Popbeats reingebaut, von der Überlast an Kitsch befreit. Vielleicht macht gerade dies seinen Erfolg im Schlager aus: Dass er eben nicht vom Schlager kommt.

Zu seinen Erfolgen zählen momentan die deutschen Songs von Simon & Garfunkel, die Art Garfunkel jr, der Sohn, einspielt, etwa im Duett mit Opernstar René Kollo – und natürlich „Te quiero heißt ich liebe Dich“ von Semino Rossi. Auch die Songs von Harry Laffontien, dem ersten Sieger von „Deutschland sucht den Superstar“ ohne Dieter B ohlen, sind in Stuttgart entstanden. Seit sieben Jahren arbeitet Gauder mit Andrea Berg zusammen – und schwärmt für sie sowohl privat als auch geschäftlich. „Sie hat eine ganz starke Stimme“, sagt er, „es klingt im Studio so wie hinterher bei den Aufnahmen.“ Da müsse er nichts „aufmotzen“, oft seien die Stücke schon beim ersten Take im Kasten.

Hat er in all den Jahren die Hitformel gefunden? „Es gibt sie nicht“, lautet die Antwort, „ich kenn’ keinen Kollegen, der eine hat.“ Ständig sammelt der 50-Jährige Ideen, indem er aufs Handy Melodiebögen singt, die ihm beim Herumklimpern einfallen. „Manchmal schlummern diese Fragmente ewig auf meiner Festplatte“, sagt er, „manchmal dauert es bis zum fertigen Song-Layout eine Stunde.“ Die Grundidee seien meist wenige, vielleicht acht Takte. Und dann überlegt er: Welcher Song passt zu wem? Weil er einen so guten Namen in der Branche hat, rufen die Stars ihn immer wieder an. „Hey, Felix, hast du was für mich?“, fragen sie. Er hat garantiert was! Seit Freitagnachmittag steht fest: Auch das von ihm produzierte Album „Ich würd’s wieder tun“ von Andrea Berg hat’s auf Platz eins der Charts geschafft.

Gauder kann bald wieder was aufhängen.