Dass es weiterhin eine grün-schwarze Regierung geben wird, überrascht die Bürgermeister nicht. Die Erwartungen an die künftige Landesregierung sind dennoch hoch.
Mit Spannung wurde der Wahlabend auch in den Rathäusern in Leonberg und Umgebung verfolgt. „Es war klar, dass es eng wird“, sagt Michael Makurath, der Bürgermeister von Ditzingen. Vor dem Hintergrund der Hochrechnungen am frühen Abend geht er bei dem sich abzeichnenden Ergebnis davon aus, dass es eine „nicht einfache Regierungsbildung werden“ wird, auch angesichts der Friktionen in der Schlussphase des Wahlkampfs.
Die Erfahrungen, die die Baden-Württemberger mit einer Koalition aus CDU und Grünen in der Vergangenheit gemacht hätten, seien wohl „nicht so schlecht gewesen“, dass sie sich davon hätten abschrecken lassen, erneut zu wählen. Der personalisierte Wahlkampf habe der SPD geschadet – „und so kam es wie es kommt“, sagt Makurath, der zwar parteilos ist, aber für die SPD in der Regionalversammlung Politik macht.
Makurath: Regierungsbildung wird „nicht einfach“
Für die engagierte junge FDP-Kandidatin im Wahlkreis Vaihingen tue ihm das Abschneiden der Liberalen leid. Die Wählerabwanderung hin zur AfD sei jedoch Folge der „Art der FDP, die Dinge anzusprechen“, meint der stellvertretende Präsident des baden-württembergischen Städtetags.
„Für mich macht es keinen großen Unterschied, wer Ministerpräsident wird. Entscheidend ist, dass CDU und Grüne rasch zusammenfinden und ins Handeln kommen“, sagt Tobias Degode gegen 18.30 Uhr mit Blick auf das Kopf-an-Kopf-Rennen beider Parteien. Der parteilose Oberbürgermeister von Leonberg setzt auf zügige Koalitionsverhandlungen und eine gemeinsame politische Linie – auch wenn es aus seiner Sicht derzeit so wirkt, als seien viele Gemeinsamkeiten zwischen CDU und Grünen bereits ausgeschöpft.
Degode hatte einen Vorsprung der CDU erwartet
„Die Bürger haben einen großen Anspruch darauf, dass Lösungen herbeigeführt werden, insbesondere was die wirtschaftliche Situation angeht“, betont Degode. In diesem Zusammenhang habe er einen Vorsprung der CDU erwartet, da viele Bürger der Partei in Wirtschaftsfragen mehr zutrauten. Für die kommende Landesregierung hofft Degode vor allem auf konkrete Maßnahmen statt Symbolpolitik.
Melanie Hettmer (parteilos), die Bürgermeisterin von Renningen, ist vom Wahlergebnis auf Landesebene nicht überrascht. „Man hat gemerkt, dass die Grünen auf Aufholjagd waren“, sagt die 48-Jährige. Sie erwartet, dass die bisherige Richtung der grün-schwarzen Regierung unter Winfried Kretschmann in etwa fortgesetzt werden. „Mit dem wahrscheinlichen neuen Ministerpräsidenten Cem Özdemir und neuen Ministern im Kabinett wird es sicher auch neue Impulse geben“, sagt Hettmer. Sehr überrascht habe sie das schlechte Ergebnis der SPD.
Weil der Stadts Bürgermeister Christian Walter hat klare Wünsche an die neue Landesregierung, egal wie diese sich künftig zusammensetzt: „Die Kommunen brauchen einen konsequenten Bürokratieabbau und verlässliche finanzielle Unterstützung – und zwar schnell“, sagt der 35-Jährige. „Wir brauchen starke und gut aufgestellte Städte. Nur dann haben wir auch ein starkes und zukunftsfähiges Land.“