Stuttgart - „Trotz der Lieferengpässe bei Halbleiter-Komponenten“, wie das Unternehmen betont, hat der Auto- und Lkw-Bauer Daimler im zweiten Quartal ein „sehr gutes Ergebnis“ erzielt. Der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) betrug 5,185 Milliarden Euro, wie der Konzern in der Nacht zum Donnerstag mitteilte.
Analysten hatten in dem Quartal lediglich 4,1 Milliarden Euro erwartet. Bereinigt um Rechts- und Umbaukosten lag das Ebit bei 5,4 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte der Konzern wegen des Absatzeinbruchs in der Corona-Krise einen bereinigten operativen Verlust von gut 700 Millionen Euro ausgewiesen und unter dem Strich einen Milliardenverlust eingefahren.
„Deutlich über den Markterwartungen“
Allein die Auto- und Transportersparte Mercedes-Benz kam auf ein Ebit von 3,437 Milliarden Euro, was in der Mitteilung auf „überzeugende Produkte, einen günstigen Produktmix sowie anhaltende Kostendisziplin“ zurückgeführt wird – zudem auf die Durchsetzung höherer Preise am Markt. Analysten hatten nur mit etwas weniger als drei Milliarden Euro gerechnet. Tatsächlich verkaufte Mercedes-Benz zwischen April und Ende Juni jedoch weltweit 581 201 Pkw – ein Zuwachs von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im ersten Halbjahr waren es somit insgesamt 1,162 Millionen Einheiten (ein Plus von 24,3 Prozent).
Die vorläufigen Ergebnisse der einzelnen Sparten liegen der Mitteilung zufolge im zweiten Quartal „deutlich über den Markterwartungen“. Aus diesem Grund wurden sie auch vorzeitig veröffentlicht. Die vollständigen Zahlen und der Zwischenbericht sollen am 21. Juli präsentiert werden.
Mercedes-Benz wieder mit zweistelliger Marge
„Wir erzielen in allen Divisionen weiterhin eine starke finanzielle Performance, trotz der anhaltend geringen Verfügbarkeit von Halbleitern, die sich im zweiten Quartal belastend auf unsere Produktion und unseren Absatz ausgewirkt hat“, sagte Vorstandschef Ola Källenius. Aktuell bremst die Chip-Krise besonders den Standort Sindelfingen, wo die Produktion der Flaggschiffe S-Klasse und EQS sowie der E-Klasse behindert wird – was auch wieder zur Kurzarbeit führt.
Mercedes-Benz Cars & Vans habe das dritte Quartal in Folge eine zweistellige Marge erzielen und damit die Widerstandsfähigkeit seines Geschäfts unter Beweis stellen können, sagte Källenius. „Der Schlüssel zu unserem Erfolg ist unser starkes Angebot an hochattraktiven Fahrzeugen, die zunehmend elektrisch werden, kombiniert mit unserem unermüdlichen Fokus auf profitablem Wachstum und strenger Kostenkontrolle“, bekräftigte der Daimler-Chef auch sein Festhalten am strikten Sparkurs.
107 Millionen Euro an Kosten für Rechtsverfahren
Auf der Belastungsseite werden Kosten in Höhe von 107 Millionen Euro für Rechtsverfahren im Zusammenhang mit dem Dieselskandal angegeben – wobei die Reihe der Verfahren mit dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom Dienstag zum sogenannten Thermofenster für Daimler einen weiterhin eher günstigen Verlauf nahm. Ferner werden 59 Millionen Euro für Restrukturierungsmaßnahmen bei Mercedes angegeben.
Auch im Geschäft mit Lastwagen und Bussen blieb deutlich mehr hängen als vor einem Jahr. Das Ebit stieg auf 820 Millionen Euro und übertraf damit die Analystenprognosen um 140 Millionen Euro. Der Absatz von Daimler Trucks & Buses sei in fast allen Regionen auf Grund des verbesserten Marktumfelds gestiegen, was sich in einer höheren Profitabilität im zweiten Quartal widerspiegele, heißt es. Källenius will die Truck-Sparte abspalten und noch in diesem Jahr getrennt an die Börse steuern. Die Dienstleistungssparte Mobility trug 924 Millionen Euro zum Ergebnis bei – fast 270 Millionen Euro über den Analystenerwartungen.
Schon im ersten Quartal hatte Daimler mit einem deutlichen Gewinnsprung überrascht – der Reingewinn zwischen Januar und Ende März lag bei stattlichen 4,3 Milliarden Euro. Selbst in seinem Rekordjahr 2017 hatte Daimler zum Jahresstart nicht so gut abgeschnitten.