Sauberes Wasser wird auch durch den Klimawandel bundesweit langsam zum begehrten Gut. Insofern zeigt die von der Qualitätsgemeinschaft Biomineralwasser 2022 ins Leben gerufene Biowasseruhr Erfreuliches. „Mit jedem Hektar ökologisch bewirtschaftetem Boden spart die Gesellschaft rechnerisch bis zu 960 Euro Wasseraufbereitungskosten pro Jahr“, sagt Manfred Mödinger als Chef der Vereinigung. Vor Jahresfrist hatte die Biowasseruhr, die Daten rund um sauberes Wasser liefert, dafür noch 837 Euro ausgewiesen.
Der Experte erklärt die Steigerung mit zwei Faktoren. Einmal ist der Anteil von Bioanbauflächen in Deutschland leicht auf 11,2 Prozent gewachsen. Vor allem aber weiß man nun, wie viel mehr Regen Bioböden aufnehmen können und ins Grundwasser durchlassen.
Metastudie zu Ökoböden
Denn das auf ökologische Landwirtschaft spezialisierte Thünen-Institut hat für eine Metastudie knapp 30 andere Studien zu diesem Thema ausgewertet. Demnach haben Ökoböden im Vergleich zu konventionell bewirtschafteten Flächen eine um 137 Prozent höhere Regenaufnahme. Damit können Ökoböden fast das Zweieinhalbfache an Nass ins Grundwasser weiterleiten. „Mit ihrer mehr als doppelt so hohen Regenaufnahme wirken Ökoböden wie ein Schwamm“, erklärt Mödinger.
Das komme vor allem auch bei Starkregen zum Tragen, wie er in Zeiten des Klimawandels vermehrt fällt. Mehr pestizidfreie Bioflächen und deren deutlich bessere Wasserdurchlässigkeit führen dazu, dass 2022 Ökoböden für neue und saubere Grundwasserbildung im Umfang von 2,7 Milliarden Kubikmetern gesorgt haben, berechneten die Macher der Biowasseruhr. Vor Jahresfrist haben sie noch mit 2,3 Milliarden Kubikmetern kalkuliert.
Grundwasser in chemisch bedenklichem Zustand
Weil durch konventionell bewirtschaftete Böden mit Pestiziden und anderen Ackergiften verunreinigtes Wasser nach unten sickert, ist krisenverschärfend gut ein Drittel aller deutschen Grundwasservorkommen in chemisch bedenklichem Zustand. Das sagt das Umweltbundesamt.
Wasserversorger kostet die Wasserreinigung rund 65 Cent pro Liter. Nimmt man alle Daten zusammen, errechnen sich daraus aktuell fast tausend Euro an ersparten Wasseraufbereitungskosten pro Hektar Ökolandbau. „Die Biowasseruhr belegt, was gegen die Wasserkrise tatsächlich hilft, nämlich Ökolandbau“, betont Mödinger. Dazu komme Hochwasserschutz als Zusatzeffekt, weil Ökoböden mehr Starkregen aufnehmen können als konventionell bewirtschaftete.
Was das Grundwasser angeht, sei die Lage noch nicht dramatisch, aber doch bedenklich. „Unsere Grundwasserneubildung ist seit 20 Jahren rückläufig und hat seitdem allein in Süddeutschland um ein Fünftel abgenommen“, erklärt der Wasserexperte. Diese Aussage muss er mangels verlässlicher Zahlen für andere Regionen Deutschlands allerdings auf den Süden der Republik beschränken. Die amtliche Datenlage zum Grundwasser sei lückenhaft und teils mehrere Jahre alt.
Im Norden und Osten Deutschlands dürfte die Grundwasserlage dabei deutlich schlimmer sein als im Süden. Denn im Nordosten schlugen Trockenjahre zuletzt stärker durch. Fielen in Bayern und Baden-Württemberg 2022 zum Beispiel jeweils deutlich mehr als 800 Liter Regen pro Quadratmeter, war es in Brandenburg und Sachsen-Anhalt nur ungefähr die Hälfte.
Glyphosat ist ein Problem für die Böden
Der Klimawandel mit seinem Wechsel von Trockenheit und Starkregen, den vor allem konventionell bewirtschaftete Böden nicht mehr aufnehmen können, werde die Neubildung von Grundwasser in den nächsten Jahren weiter erschweren, warnt Mödinger. Weit gediehene Vorhaben in der EU, auch künftig den Einsatz des Herbizids Glyphosat zu erlauben, würden die Situation zusätzlich verschärfen. Denn das töte nicht nur alles Grün ab, sondern als Folge auch das Leben von Kleinlebewesen, die Böden auflockern. Mit Glyphosat behandelte Böden würden damit härter und könnten anders als lockere, weil lebendige Ökoböden weit weniger kostbaren Regen aufnehmen.
Einen Lichtblick bietet der Mineralwasserexperte Manfred Mödinger aber doch noch. „Schon 30 Prozent Ökolandbau würden rechnerisch reichen, um künftigem Grundwassermangel wirksam vorzubeugen“, sagt er. Eine solche Verdreifachung der Ökofläche strebt die Bundesregierung bis 2030 an.