Erhebliche Schäden Im Südwesten beginnt das Aufräumen nach dem Hochwasser

Von dpa 

Das Frühjahrs-Hochwasser im Südwesten geht zurück. Vielerorts hat das Aufräumen begonnen. Traurige Gewissheit ist inwischen: Ein Bauarbeiter kam in den Fluten ums Leben.

Auch der Landkreis Ludwigsburg wurde am Wochenende vom Hochwasser heimgesucht. Foto: Pascal Zepernick 86 Bilder
Auch der Landkreis Ludwigsburg wurde am Wochenende vom Hochwasser heimgesucht. Foto: Pascal Zepernick

Stuttgart - Langsam aber sicher geht das Hochwasser in Baden-Württemberg zurück. Allerdings blieb die Lage an Rhein und Main auch am Montag kritisch, wie die Hochwasser-Vorhersage-Zentrale (HVZ) mitteilte. Zwischen Mannheim und Karlsruhe wurden zum Schutz Polder geflutet. Besser sah es an der Donau aus. Der Strom führte am Montag weniger Wasser als zuletzt. Gebietsweise gab es immer noch Überschwemmungen. Entwarnung gaben die Meteorologen: Sie rechnen nicht mehr mit stärkeren Niederschlägen im Südwesten.

Mit Schätzungen zur Schadenshöhe hielt sich die Landesregierung am Montag noch zurück. Das Wasser sei ja noch nicht abgelaufen.

Traurige Gewissheit wurde am Montag, dass die Fluten im Land ein Todesopfer gefordert haben. Drei Tage nach seinem Sturz in die tosende Elsach ist die Leiche eines Bauarbeiters aus Bad Urach (Kreis Reutlingen) gefunden worden. Der Körper sei bei Metzingen im Bachbett der Erms gefunden worden - 13 Kilometer vom Unglücksort entfernt, teilte die Polizei mit. Der 46-Jährige wollte am Freitag eine Baustelle gegen das Hochwasser absichern. Dabei stürzte er wohl in die Wassermassen. Rettungsteams hatten nach ihm gesucht, ihr Einsatz war allerdings durch das Unwetter extrem erschwert worden.

Von einem ebenfalls 46-jährigen, der in Reutlingen wohl in die Echaz gesprungen war, um sich umzubringen, fehlt noch jede Spur. Die Polizei glaubt nicht, dass er noch lebt.

In Veringenstadt (Kreis Sigmaringen) begannen nach dem Jahrhunderthochwasser der Lauchert die Aufräumarbeiten. Weite Teile der historischen Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern hatten am Wochenende tief unter Wasser gestanden. Die Schäden seien enorm, sagte ein Sprecher des Landratsamts. „Jetzt werden die Keller ausgepumpt, und es wird aufgeräumt.“ Das ganze Ausmaß sei noch gar nicht zu überschauen. Unterdessen steuerte die Flutwelle der Lauchert auf Bingen zu, wo Einsatzkräfte Sandsäcke stapelten, um die Häuser zu schützen. Dort werde die Flut aber längst nicht das Ausmaß haben wie in Veringenstadt, sagte der Sprecher.

Auch im Kreis Tübingen ist von einem Jahrhunderthochwasser die Rede

Auch im Kreis Tübingen sprach das Landratsamt von einem Jahrhunderthochwasser. Wo das Wasser abfließt, würden die massiven Schäden durch die Flut deutlich. Vor allem rund um Rottenburg hatte der Neckar in mehreren Orten ganze Straßenzüge unter Wasser gesetzt. In Mössingen wurde nach einem Hangrutsch eine Wohnsiedlung evakuiert, 24 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. „Die Bedrohung ist akut“, sagte ein Polizeisprecher. Die Menschen dürfen im besten Fall Ende der Woche zurück in ihre Häuser. Auch bei Sipplingen am Bodensee musste ein Haus wegen eines Hangrutschs geräumt werden.

Rund um Albstadt (Zollernalbkreis) kamen Hänge am Albtrauf ins Rutschen. Für Spaziergänger bestehe Lebensgefahr, warnte die Stadt. Wege außerhalb von Ortschaften sollten unbedingt gemieden werden. Bei Mössingen (Kreis Tübingen) wurde die Talheimer Steige so stark unterspült, dass die Landstraße dort langfristig gesperrt bleibt.

Die Hohenzollerische Landesbahn hat die Bahnstrecke zwischen Sigmaringen und Gammertingen gesperrt, weil die Schienen unterspült seien. Es gebe zwar einen Notverkehr mit Bussen - doch die Plätze dort reichten für die vielen Fahrgäste kaum aus, sagte ein Sprecher. „Wer kann, sollte das Auto nehmen.“ Vermutlich am Mittwoch könnten wieder Züge fahren.