Erich Schmeckenbecher spielt in Lorch Was alles den Bach hinunter gehen kann

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Der Zupfgeigenhansel Erich Schmeckenbecher gibt am Samstag in Lorch ein „Heimspiel“. Für dieses Jahr ist es wahrscheinlich das einzige Konzert des Liedermachers.

Blickt gern durch: der „Zupfgeigenhansel“ Erich Schmeckenbecher Foto: Gottfried Stoppel
Blickt gern durch: der „Zupfgeigenhansel“ Erich Schmeckenbecher Foto: Gottfried Stoppel

Lorch - Es wird wohl das einzige Konzert in diesem Jahr bleiben. Der Liedermacher Erich Schmeckenbecher wird am Samstag in der Stadthalle Lorch auftreten. Es ist sozusagen ein Heimspiel, denn der „Zupfgeigenhansel“ wohnt in Lorch, hoch droben im Ortsteil Unterkirneck. „Geboren bin ich in Bad Cannstatt“, sagt der 65-Jährige, der sich seit seinem Geburtstag verschmitzt als Rentner bezeichnet und als Lieblingsbeschäftigung Besuche im Baumarkt angibt. Anlässlich des Kulturprogramms Runder Kultur Tisch Lorch (Ostalbkreis) zur Remstalgartenschau hat er sich vom Impresario Ulrich Rund zu einer Unterbrechung der Heimwerkerei „breitschlagen lassen“.

Wider „Größsäuglinge“ und „Pragmanten“

Doch Erich Schmeckenbecher wäre nicht der Zupfgeigenhansel, wenn er dabei gänzlich unkritisch und mit verklärtem Blick das heimatliche Flusstal beschwören würde. „Lieder am Fluss – oder was im Laufe der Jahrzehnte so alles den Bach hinunter ging“ lautet der Titel des Konzerts, das dem Publikum den Hintersinn nicht mit erhobenem Zeigefinger vermittelt, sondern mit viel Humor und den typischen Wortspielen Erich Schmeckenbechers. Der narzisstische Egomanen gern Großsäuglinge nennt, als „Pragmanten“ jene, die alle Aspekte des Lebens kommerzialisieren wollen. Deshalb veröffentlichte er als Persiflage auf die Liedersammlung „Die Mundorgel“ 1992 „Die Arschgeige“.

Ein Begriff wie Musikindustrie ist für den bekennenden Romantiker ein absolutes Unwort. Dabei hat er zusammen mit seinem Duopartner Thomas Friz und später solo Millionen von Schallplatten verkauft. Ein großer Teil wurde im Studio des legendären Musikproduzenten Conny Plank – Kraftwerk, Kraan, Bläck Fööss, Eurythmics, Ultravox – in Neunkirchen-Wolperath bei Köln produziert. „Er war Produzent aus Leidenschaft und nicht nur das. Er hat für uns als Anfänger auch mit den Schallplattenfirmen die Verträge ausgehandelt“, sagt Erich Schmeckenbecher.

Einer der letzten aktiven Liedermacher

Alte Volkslieder sind Erich Schmeckenbechers Leidenschaft. Darin steckt für ihn die wahre Romantik. Kein wallender Nebel oder kitschige Idyllen, es geht darum, eine bessere Welt zu schaffen. „Volkslied heißt auch immer Volksleid“, ist er sich sicher. Romantiker sind für ihn das Gegenteil von Pragmanten. Auf mehreren Schallplatten findet man die Beweise seiner These, Lieder aus dem 19. Jahrhundert, welche die Ohnmacht der „kleinen Leute“ gegenüber der Obrigkeit zeigen.

„Mittlerweile bin ich einer der letzten Liedermacher, die noch auftreten“, sagt Erich Schmeckenbecher. Konstantin Wecker ist einer der wenigen aus den 70er-Jahren, die noch aktiv sind, jener Hochzeit der Liedermacher, zu denen Hannes Wader, Franz Josef Degenhardt, Wolf Biermann und Zupfgeigenhansel zählten.

Volkslieder und vertonte Klassiker

Zu seinem Repertoire zählen alte Volkslieder, die auch jenseits der Liedermacherszene bekannt sind wie „Im Krug zum Grünen Kranze“, „Frische Fahrt“, Es, es, es und es“ und „Wenn alle Brünnlein fließen“. „Dos Kelbl“ stammt aus einer Sammlung jiddischer Lieder, die von Zupfgeigenhansel aufgenommen wurden und ist einer breiteren Öffentlichkeit unter dem Titel „Donna, donnaj“ bekannt. Dazu kommen eigene Kompositionen wie „Aquarium“ und Vertonungen klassischer Gedichte von Heine, Goethe, Schiller, Eichendorff oder Novalis. Auf dem Konzert in Lorch werden auch ganz neue Stücke zu hören sein.