Erinnerung an Klaus Kinkel „Die Brandmauer nach rechts muss stehen“

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Winfried Kretschmann, grüner Ministerpräsident, würdigte bei einer Gedenkfeier den früheren FDP-Politiker Klaus Kinkel – und nutzte die Gelegenheit für einen Appell zur Verteidigung der liberalen Demokratie.

Winfried Kretschmann hielt die Gedenkrede auf den ehemaligen Außenminister und FDP-Vorsitzenden Klaus Kinkel. Foto: FDP BW
Winfried Kretschmann hielt die Gedenkrede auf den ehemaligen Außenminister und FDP-Vorsitzenden Klaus Kinkel. Foto: FDP BW

Stuttgart - Es war eine durchaus ungewöhnliche Geste, dass ein grüner Ministerpräsident als Hauptredner die Verdienste eines verstorbenen FDP-Politikers würdigte: Winfried Kretschmann hielt am Samstagmorgen auf der Burg Hohenzollern die zentrale Ansprache bei einer Gedenkfeier für den früheren Außenminister und FDP-Vorsitzenden Klaus Kinkel.

Als „eine der großen Persönlichkeiten unseres Landes“ bezeichnete der Regierungschef den vor einem Jahr gestorbenen Kinkel, der in Hechingen nahe der Hohenzollern-Burg seine Kindheit verbrachte. Der Liberale sei ein „Staatsdiener par excellence“ gewesen, ein „Hochkaräter“, der Deutschland an vielen staatlichen Schlüsselstellen geprägt habe. Der studierte Jurist Klaus Kinkel, der sich selber immer eher als Verwaltungsmann denn als Politiker sah, war Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND), Bundesjustizminister und Außenminister. Zwei Jahre lang, von 1993 bis 1995, führte er die FDP.

Lob für einen „Wühler und Schaffer“

Der heimatverbundene Schwabe sei ein „Wühler und Schaffer“ gewesen, sagte Kretschmann, ein überzeugter Europäer und überzeugender Repräsentant eines „mitfühlenden Liberalismus“. Besonders anerkennend äußerte sich der Ministerpräsident über Kinkels Reise- und Krisendiplomatie. Auf rund 500 Auslandsreisen habe es Kinkel in seiner Zeit als Außenminister gebracht. „Vor solchen Menschen habe ich unheimlich Respekt“, sagte Kretschmann. „Sie müssen mit Menschen verhandeln, mit denen man als normaler Mensch kein Bier trinken würde.“ Er sei froh, dass er als Ministerpräsident solche unangenehmen Gespräche mit Despoten und Diktatoren in der Regel nicht führen müsse.

Kretschmann nutzte die Erinnerungsstunde zu deutlichen Worten in Sachen Rechtspopulismus, dessen Aufstieg in Deutschland der Liberale Kinkel mit großer Sorge beobachtet habe. „Es war ein Fehler sich in Thüringen von der AfD wählen zu lassen“, sagte der Grünen zu den anwesenden aktiven FDP-Politikern, fügte dann jedoch in versöhnlichem Ton hinzu: „Aber es war auch gut und richtig, den Fehler schnell und konsequent zu korrigieren.“

Ausdrücklicher Dank an FDP-Fraktionschef Rülke

Ausdrücklich dankte Kretschmann dem FDP-Fraktionsvorsitzenden im Landtag, Hans-Ulrich Rülke, für dessen Engagement gegen rechts, insbesondere in seinen Reden im Parlament: „Danke, dass Sie da immer so klar sind.“ Die demokratischen Kräfte im Land müssten zusammenstehen und die Demokratie vor „völkischem Gedankengut“ schützen. „Die Brandmauer nach rechts muss stehen“, betonte der Regierungschef. Und in Baden-Württemberg tue sie das.

Wie zuvor FDP-Landeschef Michael Theurer würdigte Kretschmann die Menschlichkeit, Geradlinigkeit und Bescheidenheit Kinkels – durchaus ungewöhnliche Eigenschaften in der Spitzenpolitik. „Klaus Kinkel war ein Großer“, sagte der Ministerpräsident zum Abschluss, „auch weil er die Größe hatte, sich nicht groß zu machen.“