Erinnerung an Reisser-Brand vor zehn Jahren 100 Meter Hohe Rauchsäule über Böblingen
Im Juni 2014 kam es bei Reisser in Böblingen zu einem Großbrand in einer Lagerhalle. So geht es der Firma zehn Jahre danach.
Im Juni 2014 kam es bei Reisser in Böblingen zu einem Großbrand in einer Lagerhalle. So geht es der Firma zehn Jahre danach.
Am Nachmittag des 11. Juni 2014 steht eine kilometerweit sichtbare und rund 100 Meter hohe Rauchwolke über der Böblinger Hulb. Der durchdringende Lärm von Feuerwehrsirenen liegt in der Luft, Hubschrauber kreisen über dem Gebiet, immer wieder ertönen laute Schläge, als in der Halle gelagerte Gasflaschen explodieren.
Rund um das Gebäude des Sanitärgroßhändlers Reisser sind rund 450 Einsatzkräfte damit beschäftigt, die bis zu 20 Meter hohen Flammen unter Kontrolle zu bringen, den Verkehr zu regeln und Schaulustige von der Gefahrenzone fernzuhalten. Hunderte Feuerwehrleute und rund 100 Fahrzeuge sind im Einsatz – darunter Drehleitern und anderes Spezialgerät. Unterstützung für die Böblinger und Dagersheimer Wehr kommt unter anderem aus Aidlingen, Herrenberg, Gärtringen, Ehningen, Holzgerlingen, Dagersheim, Sindelfingen und sogar von der Flughafenfeuerwehr sowie der Sindelfinger Werkfeuerwehr.
Auch an den Tagen danach können die Helfer nicht aufatmen. Der Brand ereignet sich an einem Mittwoch – und erst am darauffolgenden Montag, 17. Juni, löscht die Feuerwehr das letzte verbleibende Brandnest auf dem Gelände. Wo zuvor eine Halle mit 8700 Quadratmetern Lagerfläche stand, ragen jetzt nur noch Trümmer und von der Hitze verbogene Metallträger in die Höhe. Die Bilder wecken bei vielen böse Erinnerungen an Krieg und Bombenangriffe. „Das war wahrscheinlich der größte Brand in der Nachkriegsgeschichte“, sagt Guido Plischek heute, schon damals Kreisbrandmeister .
„Der Brand vor zehn Jahren war ein einschneidendes Ereignis für unser Unternehmen – und gleichzeitig eine Chance für einen Neuanfang“, blickt Guntram Wildermuth-Reißer, Vorstandsvorsitzender der Reisser AG, auf das Ereignis zurück. Bereits ein Jahr nach dem Brand sei man bereits mit „überdurchschnittlichem Engagement und strategischen Investitionen“ den Bau des neuen Logistikzentrums angegangen. Dieser Komplex ist 38 000 Quadratmeter groß, das entspricht achteinhalb Fußballfeldern.
Die Reisser AG nutzt den Neuanfang aber nicht allein dazu, ihre Fläche zu vergrößern. Das Unternehmen investiert zudem kräftig in Modernisierung. „Wir sind im Kern ein Logistik-Unternehmen“, sagt Guntram Wildermuth-Reißer. Der Betrieb habe seine Lagertechnik nach dem Brand digitalisiert und teilweise voll automatisiert.
Vor drei Jahren feierte das Böblinger Traditionsunternehmen dann sein 150-jähriges Bestehen. In die pandemiebedingt ohnehin leicht gedämpfte Freude über das Firmenjubiläum mischte sich damals auch Trauer: Am 24. Mai 2021 war der Seniorchef Helmut Reißer im Alter von 88 Jahren verstorben. Im Jahr 1952 war der Sohn von Firmengründer Adolf Reißer als Lehrling in das Unternehmen eingetreten. Insgesamt 65 Jahre lang hatte er dort gearbeitet, davon 63 Jahre als Geschäftsführer.
Im Jahr 2017 übernahm sein Schwiegersohn Guntram Wildermuth-Reißer die Leitung. „Zuvor wurde die Reisser AG sehr personenbezogen geführt, der Senior hatte das letzte Wort“, erinnert sich der Schwiegersohn, der nun selbst bald in sein sechstes Lebensjahrzehnt eintritt.
Unter Wildermuth-Reißers Leitung hat das Unternehmen Reisser 2018 auf 2400 Quadratmetern eine neue Designbadausstellung in der Firmenzentrale Böblingen eingeweiht. Der Großhändler beschäftigt aktuell fast 2000 Mitarbeitende an mehr als 58 Standorten hauptsächlich im Südwesten Deutschlands.
Neben Investitionen in neue Standorte – darunter in Heilbronn, Frankfurt und Radolfzell – setze man derzeit insbesondere auf Digitalisierung wie etwa durch die Einführung von SAP.
„Wie Phönix aus der Asche“ beschreibt die Firma ihre Geschichte seit dem großen Brand im Jahr 2014. Und an dieser schreibt nun bereits die fünfte Generation mit: Jessica Reißer, die Tochter von Guntram Wildermuth-Reißer und Evelyn Reißer, will als Teil der Geschäftsführung selbst einige wichtige Weichen für die Zukunft des Familienunternehmens stellen.