Stuttgarter Kickers gegen Eintracht Frankfurt – dieses Duell gab es 1987 schon einmal im DFB-Pokal. Die Blauen gewannen 3:1, und es war nicht nur auf dem Rasen ganz viel los in Degerloch. Der Blick ins Archiv zeigt, dass es sehr hoch herging.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Am kommenden Dienstag (18 Uhr/Gazistadion) ist es ein Duell fünfte Liga gegen erste Liga. Als die Stuttgarter Kickers und Eintracht Frankfurt im März 1987 im DFB-Pokal aufeinandertrafen, waren die beiden Clubs deutlich näher beieinander: Die Blauen spielten als Zweitligist nur eine Klasse unter der SGE. Das damalige 3:1 (Kickers-Tore durch Arthur Jeske, Hans Hein und Dirk Kurtenbach) war dennoch eine Überraschung und auf und neben Platz kochten die Emotionen hoch. Wir blicken in das Archiv unserer Redaktion.

Giftspritzen in der Pressekonferenz

„Es ging ordentlich zur Sache während der 90 Minuten in Degerloch. Und trotz des 3:1-Viertelfinalsieges der Kickers gegen Eintracht Frankfurt ging es hinterher in die Verlängerung“, schrieb Reiner Schloz in den Stuttgarter Nachrichten und schilderte das Nachspiel.

Tatort Pressekonferenz: Zweikampf zwischen Kickers-Trainer Dieter Renner und Eintracht-Manager Wolfgang Kraus. Kraus lehnte den von Renner offerierten Kaffee ab. „Zuerst beleidigst du mich 90 Minuten und dann willst du mir einen Kaffee einschenken“, giftete Kraus. „Was ist denn los?“, fragte Renner zurück. „Tu bloß nicht so“, schimpfte Kraus. Renner habe die ganze Hektik ins Spiel gebracht, maulte Kraus, ständig habe er aufs Spielfeld gebrüllt. „Und wenn ich mal was sagen wollte, hat Renner gesagt, ich soll mein Maul halten.“

Renner fuhr aus der Haut: „Keinen Ton habe ich zu dir gesagt. Was willst du Otto eigentlich von mir?“

Kraus ließ nicht locker. Er schimpfte auf Schiedsrichter Hans Scheuerer und den Linienrichter: „Wir haben mit zehn Mann nicht gegen elf, sondern gegen 13 gespielt.“ Was Kraus hauptsächlich erregte: Die Rote Karte nach fünf Minuten gegen Wlodzimierz Smolarek, der gegen Kickers-Verteidiger Dieter Finke nachgetreten hatte.

Als Renner Dampf abgelassen hatte, entschuldigte er sich bei allen, die Otto heißen. „Tut mir leid, dass ich zu Kraus Otto gesagt habe. Denn das ist eigentlich ein schöner Name.“

Glücksgöttin wird verehrt

Sebastian Arlt beschrieb in der Stuttgarter Zeitung die am Abend nach dem Viertelfinalsieg der Blauen stattfindende Auslosung fürs Halbfinale:

Als „Glücksgöttin“ fungiert Monika Koch-Emsermann, Trainerin des damaligen deutschen Frauenfußball-Meisters FSV Frankfurt. Das erste Los. Atemlose Spannung. „Stuttgarter Kickers...“ Viele liegen sich mit hochroten Köpfen in den Armen. Das erste Ziel ist erreicht. Ein Heimspiel. Schlagartig Ruhe. Günter Dengler hat einen Stuhl erklommen. Wenigstens er hat den Überblick. Monika Koch-Emsermanns zweiter Streich: „...gegen Fortuna Düsseldorf“.

Denglers Stuhl wankt, doch der jubelnde Schatzmeister fällt nicht. Der Rest geht im Tohuwabohu unter. Die Kameras surren. Was alle gehofft haben, ist eingetroffen. „Kickers-Kickers“-Sprechchöre. Die überglücklichen Spieler sind sich einig: „Die packen wir.“ Es gibt kein Halten mehr. „Was schicken Sie denn Frau Emsermann?“, wird Präsident Axel Dünnwald-Metzler gefragt. Keine Antwort. Der Präsident ist in Gedanken ganz woanders. Schon in Berlin? Schon im Finale? Dieter Renner keucht mit feuchten Augen: „Unglaublich...“

Als der VfB erstmals Sonntag spielte

In der StZ wird unter der Überschrift „Rabenschwarzer Tag für die Schwarzhändler“ auch im Lokalteil berichtet.

Stuttgart hat am Wochenende zwei Fußball-Großereignisse erlebt: am Samstag spielten die Kickers trotz befürchteter Verkehrsprobleme im eigenen Stadion vor 10 000 Zuschauern im DFB-Pokal-Viertelfinale. Der VfB trat an einem Sonntag zum Bundesligaspiel im Neckarstadion an.

„Verkehrsmäßig lief es besser als erwartet“, zog Polizeieinsatzleiter Siegfried Stumpf eine positive Bilanz. 100 Beamte hatte die Polizei nach Degerloch abgestellt. Lange Gesichter zogen die wenigen Amateur-Schwarzhändler. Bis zum Schluss gab es an den Kassen Stehplatzkarten, kurz nach Spielbeginn kostete ein Sitzplatz auf dem Schwarzmarkt dann sogar nur noch 20 Mark.

Übrigens: Am Tag danach bestritt Lokalrivale VfB Stuttgart zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte ein Bundesliga-Meisterschaftsspiel am Sonntag. Nur rund 20 000 Zuschauer waren zum baden-württembergischen Derby gegen Waldhof Mannheim ins Neckarstadion gekommen. „Am Sonntag ist man mit den Gedanken doch schon wieder im Geschäft“, war das im Schwabenland erwartete und auch tatsächlich am häufigsten genannte Argument. „Der Sonntag gehört den Amateuren, der Familie und den Kindern“, ergänzte der damalige VfB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder.