Erinnerungen an VfB vs. Celtic 2003 „Ein Schotte ist erst betrunken, wenn er nicht mehr liegen kann“

Erst lautstark in der Stadt, dann bei der Feier nach dem Spiel im Club Proton: Celtic-Fans 2003 in Stuttgart. Foto: Rudel

Am Donnerstag spielt der VfB gegen Celtic Glasgow. Dieses Duell gab es schon einmal. 2003 überschwemmten Tausende Schotten die Stadt, die darauf nicht vorbereitet war.

Kriminalität, Sicherheit und Justiz: Jürgen Bock (jbo)

Fanmärsche über gesperrte Straßen, Tausende Gästefans, Treffpunkte für Fußballanhänger in der Stadt – all das ist heute bei großen Turnieren oder wichtigen internationalen Spielen Alltag. Auch in Stuttgart, wo es nicht zuletzt dank WM 2006 und EM 2024 reichlich Erfahrung gibt. Doch 2003, da sah die Fußballwelt noch etwas anders aus. Und das, was die Stadt da erlebte, beschäftigte viele Menschen noch lange.

 

An diesem Donnerstag empfängt der VfB Stuttgart in der Europa League Celtic Glasgow. Fast auf den Tag genau vor 23 Jahren hat es dieses Duell schon einmal gegeben. Am 27. Februar 2003 standen sich beide Mannschaften im Rückspiel des Uefa-Cup-Achtelfinales gegenüber. Im damaligen Gottlieb-Daimler-Stadion hatte der VfB das schlechtere Ende für sich, gewann zwar nach frühem Rückstand noch mit 3:2, das reichte jedoch nach der 1:3-Niederlage im Hinspiel nicht fürs Weiterkommen. Die VfB-Spieler hießen Kuranyi, Hleb, Soldo, Balakov, Hinkel oder Hildebrand.

Der Schlossplatz nach dem Schotten-Besuch 2003 Foto: Rudel

Im Stadion bot sich damals ein ungewohntes Bild: Praktisch die gesamte Untertürkheimer Kurve befand sich fest in schottischer Hand. Geschätzt wurden 10.000 Celtic-Fans, in der Stadt wahrscheinlich noch mehr. Eine friedliche Invasion, die Stuttgart so noch nicht gesehen hatte. Laut, freundlich, trinkfest – bereits beim Hinspiel hatten sich beide Fangruppen gut verstanden. Die VfB-Fans hängten in der Cannstatter Kurve gar ein riesiges Willkommensplakat für die Gäste auf.

Das große Fußballfest überforderte die Stadt allerdings in mancherlei Hinsicht. Tausende Schotten feierten vor und nach dem Spiel auf dem Schlossplatz. Die riesigen Mengen Bier, die dabei in durstigen Kehlen verschwanden, mussten auch wieder hinaus. Angesichts fehlender Toiletten erleichterten sich die Celtic-Anhänger am Königsbau und auf dem Rasen. Zudem blieben wahre Müllberge zurück.

Alles in Grün und Weiß

Stadt und öffentlicher Nahverkehr waren voll sanges- und trinkfreudiger Besucher. Alles versank in Grün und Weiß, den Trikotfarben der Gäste. Auf der Fahrt zum Stadion hatte dann so mancher längst die Orientierung verloren. So wie der Schotte, der in der Stadtbahn von zwei Landsleuten gestützt werden musste, um nicht umzukippen. Der dabei aber bester Laune und noch in der Lage war, eine Erklärung abzugeben: „Ein Schotte ist erst betrunken, wenn er nicht mehr selbstständig liegen kann.“

Als der Tornado namens Celtic über Stuttgart gefegt war, musste man sich erst einmal schütteln. Und aus den Erfahrungen für die Zukunft lernen. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten bevölkerten immer wieder Zigtausend Fußballfans die Innenstadt. Auch schottische Anhänger waren mehrmals zu Gast, etwa die Glasgow Rangers in der Champions League oder die Nationalmannschaft erst vor zwei Jahren bei der EM. Und sie sind überwiegend in guter Erinnerung geblieben.

Ob es diesmal nach dem Spiel zur großen Celtic-Siegesfeier kommen wird, ist noch offen, aber doch deutlich unwahrscheinlicher als 2003. Schließlich hat der VfB das Hinspiel in der vergangenen Woche mit 4:1 für sich entschieden. Der guten Laune und dem Durst vieler Gäste dürfte das keinen Abbruch tun, zumal bei besten Aussichten auf sonniges Frühlingswetter. Bleibt zu hoffen, dass Stuttgarts Wirte vorbereitet sind. Und genügend Toiletten bereitstehen.

2003 übrigens hat Celtic das Finale erreicht – und mit 2:3 gegen den FC Porto verloren. Porto? Da war doch was. Auf diesen Verein könnte jetzt der VfB im Achtelfinale treffen, sofern er Glasgow aus dem Wettbewerb wirft.

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