Erinnerungen eines Taxlers a. D. Nicht nur der Diesel, auch der Fahrgast hat gequalmt

Auch wenn sich die Wagenfarbe ändert, das Schild bleibt. Foto: dpa/ Franziska Kraufmann

In der Zeitung stand ein Artikel über die Farben bei Taxen. Viel wichtiger als die Optik des Wagens, findet unser Kolumnist KNITZ, ist der Mensch, der hinterm Steuer sitzt.

Wer einen Blick in die Vergangenheit der Droschkenkutscherei werfen will, der befahre die Möhringer Landstraße in Stuttgart- Vaihingen. Dort parkt bisweilen ein Mercedes Diesel aus den frühen Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts am Straßenrand. Der schöne Wagen ist schwarz und hat ein Taxischild auf dem Dach.

 

Der Begriff Droschkenkutscherei ist keine Erfindung von KNITZ. In einem früheren Leben gehörte KNITZ selbst zum fahrenden Gewerbe – und wenn sein Gedächtnis nicht komplett irrt, stand in seinem Taxischein der altertümlich anmutende Begriff Droschkenkutscher. Insofern war es auch nicht verwunderlich, wenn man unter Kollegen hören konnte, dass einer „das ganze Wochenende lang auf dem Bock saß“.

Als KNITZ auf dem Bock saß, waren die Taxen nicht mehr schwarz, sondern elfenbeinbeige. Er fuhr einen Mercedes 200 Diesel. Der Wagen war bequem, geräumig, hatte 60 PS, zog also, wie es hieß, keine Wurscht vom Teller. Auch hatte er keine Servolenkung, aber dafür ein Stahlschiebedach, was viel wichtiger war, da es sich um ein Raucherfahrzeug gehandelt hat, mit extragroßen Aschenbechern im Font. Soll heißen: Nicht nur der Diesel hat gequalmt, bei Bedarf auch der Fahrgast. KNITZ kommt darauf zurück.

KNITZ schneidet das Thema an, weil er in der Zeitung einen Artikel über das Taxigewerbe las, in dem es darum ging, dass in immer mehr Bundesländern die Taxler die Farbe ihres Wagens frei wählen können. Als Erkennungsmerkmal mag die Wagenfarbe eine Rolle spielen, doch mindestens so wichtig ist der Mensch hinterm Steuer.

Hier einige Auszüge aus dem Regelkatalog, den KNITZ sich als Chauffeur auferlegt hatte. Dass man dem Fahrgast höflich, freundlich und geduscht begegnete, verstand sich von selbst. Nach Möglichkeit wurde dem Fahrgast die Türe aufgehalten. Auch war KNITZ es, der das Gepäck in den Kofferraum hievte. Dies tat er auch, um Schaden vom Wagen fern zu halten.

Nicht unwichtig: Der Droschkenkutscher sollte halbwegs die Landessprache beherrschen. Der Schwabe KNITZ nimmt für sich in Anspruch, sich Mühe gegeben zu haben, sodass ihn auch Auswärtige verstanden. Apropos Unterhaltung: Ob ein Gespräch stattfand, entschied der Fahrgast. Ein erfahrener Taxler merkt schnell, ob eine Unterhaltung gewünscht ist oder der Fahrgast die Fahrt lieber im Stillen genießen möchte.

Stichwort Stille: Das Radio blieb dezent im Hintergrund und wurde im ersten Dienstwagen von KNITZ ohnehin vom Diesel übertönt. Nur wenn der Fahrgast Musik hören wollte, wurde die Lautstärke aufgedreht. Noch eines: Die wenigsten Fahrgäste wollen von einem verkappten Formel-Eins-Piloten chauffiert werden und mit von Angstschweiß getränkten Klamotten aussteigen.

Später fuhr KNITZ ein Nichtraucherfahrzeug, gut zu erkennen am Symbol einer durchgestrichenen Zigarette an den Scheiben. Den meisten Fahrgästen war das recht, manchen, die knurrten, bot er an, in ein anderes Fahrzeug zu steigen. Nur einmal hatte er einen Fahrgast, der das ums Verrecken nicht akzeptieren wollte und sich während der Fahrt ein Zigarette ansteckte. Selbstverständlich hat KNITZ auch diesem Herrn beim frühzeitigen Aussteigen die Türe aufgehalten.

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