Kalte Luft und trockene Heizungsluft – beides nicht optimal für die Nase. Foto: KI/Midjourney/Montage: Ruckaberle
Was braucht die Nase im Winter? Stephan Horn, Oberarzt am Stuttgarter Marienhospital klärt auf – und gibt Tipps, wie man gut durch die Erkältungszeit kommt.
Es kennt vermutlich jeder: Sobald es kalt ist, geht das Geschniefe los. Die Nase läuft und läuft. Doch warum ist das eigentlich so? „Im Winter kommt es saisonal zu einem häufigeren Auftreten von viralen Infektionen der oberen Atemwege“, sagt Stephan Horn, Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie sowie Oberarzt am Marienhospital in Stuttgart. Das liege unter anderem daran, dass wir uns vermehrt in geschlossenen Räumen aufhalten: „Hier ist die Viruskonzentration deutlich höher als an der frischen Luft“, so Horn weiter. Und diese Keime, darunter auch Erkältungsviren, atmen wir dann ein – und werden im schlimmsten Fall krank.
Dazu komme, dass in Sachen Luft sowohl draußen wie drinnen, Bedingungen herrschen, die für die Nase nicht gerade optimal sind: Beim Einatmen kalter Luft, die zudem wenig Feuchtigkeit enthält, sowie beim Einatmen trockener Heizungsluft reagiere die Nase daher reflexartig: „Die Gefäße der Nasenschleimhaut erweitern sich und spezielle Nervenfasern werden aktiviert“, erklärt der Mediziner. „Diese Steigerung der Durchblutung führt auch zur im Winter typischen roten Nase.“
Schleim ist unangenehm, aber wichtig
Somit macht die Nasenschleimhaut, die „Teil des angeborenen Immunsystems ist“, wie Horn erläutert, eigentlich nur ihre Arbeit: Erwärmung und Befeuchtung der Atemluft sowie die Filtration von Partikeln und Krankheitserregern gehören nämlich zu ihren Hauptaufgaben. Auch wenn es unangenehm ist, dafür braucht es zudem Schleim: „Die Nase besitzt ein dichtes Gefäßnetz sowie so genannte Becherzellen, die Schleim produzieren, und Flimmerhärchen, so genannte Zilien, die den Schleim in Richtung Rachen transportieren.“
Stephan Horn ist Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie sowie Oberarzt am Marienhospital in Stuttgart. Foto: Marienhospital/Kai Abresch
Schleim ist generell ein wichtiger Schutzschild des Körpers. Wenn die Nase läuft, ist das zwar lästig, das Organ schützt uns so jedoch vor Keimen – und hilft dem Körper dabei, diese auch schneller wieder loszuwerden, wenn sie dann doch eingedrungen sind: „Die gesteigerte Durchblutung und Schleimsekretion haben wie gesagt das Ziel, die unteren Atemwege vor kalter, trockener Luft zu schützen. Wir nehmen dies als laufende Nase wahr“, fasst Horn die Vorgänge zusammen.
Wenn die Nase läuft, ist das eine Abwehrreaktion
Der Körper versuche also die trockene Luft anzufeuchten, zudem die Viruslast in der Nase zu „verdünnen“ und die Viren bei einem lokalen Infekt in der Nase, die bei all diesen Vorgängen auch noch anschwillt, einzudämmen: „All das verstärkt Triefnasen.“ Generell gelte aber: „Das Naselaufen ist primär keine Schwäche, sondern Ausdruck einer funktionierenden Abwehr.“
Und wie kommt es, dass der Schleim zuweilen die Farbe ändert, mal also klar oder weißlich, dann aber auch gelblich oder grünlich erscheint? „Durch das Eindicken des Nasensekrets und durch Invasion von Immunzellen kann das Sekret im Verlauf eines viralen Infekts gelblich oder grünlich erscheinen“, so Horn. Sorgen machen müsse man sich deswegen nicht: „Das ist kein Zeichen einer bakteriellen Infektion, sondern ganz natürlich.“
Was tun, wenn die Nase läuft?
Doch was kann man eigentlich tun, wenn die Nase läuft? „Zunächst sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden“, empfiehlt Horn. Mindestens zwei Liter pro Tag sollten es bei einem Erwachsenen schon sein. Das mache den Schleim weniger zäh. Je flüssiger er sei, umso besser und schneller könne er abtransportiert werden. „Naseschnäuzen hat hier übrigens den gleichen Effekt.“ Das Hochziehen von Sekreten, ist somit eher nicht zu empfehlen. Fürs Schnäuzen gibt Horn folgenden Tipp: „Am besten Papiertaschentücher verwenden. Diese an der Nase nicht zu sehr anpressen und dann gleichmäßig und ebenfalls nicht zu stark schnäuzen.“
Hat man sich den Infekt bereits eingefangen, gibt es kein Zurück: Man muss durch die Erkältung durch. Für gewöhnlich beginnt ein grippaler Infekt zwei bis vier Tage nach der Ansteckung und dauert ungefähr eine Woche. Eine Volksweisheit lautet denn auch: Eine Erkältung kommt drei Tage, bleibt drei Tage und geht drei Tage. Allerdings kann es je nach persönlicher Disposition, etwa der Stärke des Immunsystems des Betroffenen, auch länger gehen, bis die Erkältung ausgestanden ist.
Nasensprays bei Erkältung nicht zu lang nehmen
Klar ist, wer sich schont, unterstützt den Körper bei der Bekämpfung der Viren. Bei trockener Heizungsluft können Luftbefeuchter zum Einsatz kommen. „Zusätzlich hilft Inhalation“, rät Horn. Die Schleimhäute würden dadurch befeuchtet, die Durchblutung gefördert und die Zilien in ihrer Funktion unterstützt. „Dies führt zu einer subjektiven Symptomlinderung und zu einer verbesserten Selbstreinigung der Nase.“
Weiterhin können Spülungen mit isotoner und hypertoner Kochsalzlösung die Nase freier machen: „Nasenduschen morgens und abends unterstützen die mechanische Entfernung von Viren und Entzündungsmediatoren. Und sie verbessern die Zilienbeweglichkeit“, sagt der Infektologe Horn. Hypertone Kochsalzlösung habe zudem einen abschwellenden Effekt. Auch abschwellende Nasensprays könne man zur Beruhigung des gereizten Organs benutzen: „Jedoch nicht zu lang“, so der Oberarzt. Bei mehr als sechs oder sieben Tagen bestehe die Gefahr, dass die Schleimhaut geschädigt wird. Dadurch könne das Naselaufen durch eine so genannte Rebound-Hyperämie erst recht verschlimmert werden.
Nasepopeln ist nicht nur unschicklich, sondern auch ungesund. Foto: Marius Becker/dpa
Händewaschen dämmt Übertragung von Keimen ein
Wer krank ist, sollte zudem Kontakte einschränken. Auch das vorübergehende Tragen einer Maske kann die Übertragung von Keimen eindämmen. Empfehlenswert ist das laut Horn vor allem bei Risikopatienten wie Asthmatikern, insbesondere in geschlossenen Räumen.
Eine gute vorbeugende Wirkung hat das Händewaschen, das nicht nur in der Erkältungszeit wichtig ist: „Gute Händehygiene unterbricht die Übertragung durch Schmierinfektionen.“ Sie wirkt somit auch vorbeugend. „Bei der Vorbeugung ist vor allem eine intakte Schleimhaut als erste Abwehrlinie des Körpers gegen Krankheitserreger entscheidend“, betont Horn. „Diese lässt sich, wie bereits erwähnt, durch ausreichende Feuchtigkeit, funktionierende Zilien und eine intakte Schleimschicht in Schuss halten.“
Nasebohren schädigt die Hautbarriere
Wer ohnehin zu trockener Haut neige, könne die Pflege der Nase mit Meerwassersprays und speziellen Salben unterstützen und so ihre Barrierefunktion stabilisieren. „Nasepopeln, das insbesondere bei Kindern beliebt ist, schädigt diese Barriere jedoch“, warnt Horn. „Man sollte es deshalb nicht nur aus Gründen der Schicklichkeit unterlassen.“ Verzichten sollte man auch aufs Rauchen – vorbeugend und während einer Krankheitsphase ohnehin: „Nikotinkonsum reizt die Atemwege zusätzlich.“
Was zudem helfe: Impfungen, vor allem gegen Influenza, Pneumokokken und RSV – „auch jetzt noch, da die Grippesaison bis Ende März oder Anfang April geht“, rät der Infektologe Horn.
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