Erkenbrechtsweiler Im Backhäusle soll der Teig wieder gehen

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Das Backhäusle der Albgemeinde Erkenbrechtsweiler soll wieder zum Treffpunkt für Jung und Alt werden. Mit neuen Öfen und einem neuen Konzept will die Gemeinde nicht nur die Tradition des Brotbackens wiederbeleben.

Werner Huber wirft einen prüfenden Blick in den altersschwachen Ofen Foto: Horst Rudel 6 Bilder
Werner Huber wirft einen prüfenden Blick in den altersschwachen Ofen Foto: Horst Rudel

Erkenbrechtsweiler - Vielleicht hat es am Segen von oben gelegen – die im Jahr 1993 wegen Undichtigkeit ausgemusterten Ziegel auf dem Backhaus-Dach sind durch die Pfannen des alten, zum Bürgerhaus umgebauten Pfarrhauses ersetzt worden– wahrscheinlicher aber am fundierten Projektantrag: Die Modernisierung des im Jahr 1849 errichteten Erkenbrechtsweiler Backhäusle wird mit 24 000 Euro aus dem Fördertopf der Europäischen Union zur Stärkung des ländlichen Raums angefacht.

Das Geld wird im Rahmen des Förderprogramms „Liaison Entre Actions de Développement de l’Économie Rurale“, abgekürzt: Leader, ausgeschüttet. Erkenbrechtsweiler ist als einzige Gemeinde im Landkreis Esslingen Teil der Leader-Förderkulisse, die sich über die Mittlere Schwäbische Alb erstreckt. Den Rest der auf knapp 100 000 Euro geschätzten Gesamtkosten will die 2200 Einwohner zählende Albgemeinde selbst stemmen.

„Wir standen vor der Entscheidung, Geld in die Hand zu nehmen oder das Feuer im Backhaus ausgehen zu lassen“, sagt Werner Huber, der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde. Langfristig verspricht sich der Gemeinderat von der Investition in drei neue Öfen, dass die Tradition des Brotbackens an die nächste Generation weitergereicht wird und das Backhaus wieder zu dem wird, was es Zeit seines Bestehens mehr als 150 Jahre lang gewesen ist: ein zentraler Treffpunkt von Jung und Alt und ein fester Bestandteil des Erkenbrechtsweiler Dorflebens.

Scheitholz ersetzt die Krähle

Um das zu erreichen, sollen die Zugangsschwellen gesenkt werden. So werden die neuen Holzbacköfen künftig nicht mehr mit den traditionellen, Krähle genannten Reisigbündeln befeuert, sondern können mit Scheitholz auf die richtige Backtemperatur gebracht werden. Das Holz müssen die Nutzer nicht einmal zwingend selbst mitbringen. Die Gemeinde hat ein Konzept erarbeitet, wonach das Holz bei einer Anmietung des Ofens am Backtag zum Selbstkostenpreis gleich mitgekauft werden kann. Dafür wird direkt am Häuschen ein Lagerplatz eingerichtet. Ein dritter, strombetriebener Backofen soll es den künftigen Nutzern schließlich ermöglichen, auch kleinere Mengen an Backwaren energie- und zeitsparend herzustellen.

„Damit hoffen wir vor allem, junge Familien anzusprechen, aber auch ältere Menschen, denen das Backen an den großen Öfen zu beschwerlich ist“, sagt Huber. Beide potenzielle Nutzergruppen haben zuletzt einen Bogen um das Backhäusle gemacht. „Spärlich“, nennt die Hauptamtsleiterin der Gemeinde, Anke Martini, denn auch die aktuelle Nutzung der Einrichtung. Das war in der Zeit, die im Rückblick gerne als die gute alte Zeit verklärt wird, noch anders. Weil es bei der Vergabe der Backzeiten immer wieder Streit gab, ist die Gemeinde im Jahr 1922 dazu übergegangen, die Backvergabe durch tägliches Losen zu bestimmen. Vor besonderen Festtage, wie der traditionell am 3. Sonntag im Oktober gefeierten Kirbe, war der Andrang besonders groß.

Erlass nur zögernd umgesetzt

Die Chronik berichtet noch bis in die 1950er Jahre hinein von großen Menschenmengen, die sich am Mittwoch zuvor vor dem Backhaus versammelten und in zwei langen Reihen auf den 11-Uhr-Schlagen vom Turm der benachbarten Dorfkirche warteten. Dann ging der Backmeister oder die Backfrau durch die Reihen und jeder durfte ein Los ziehen. Gleich in der Nacht auf Donnerstag fing das große Backen an und die beiden je bis zu 30 Laib Brot fassenden Öfen sind drei Tage lang rund um die Uhr in Betrieb gewesen.

Dabei hatte sich die Gemeinde lange geziert, den schon in den 1830er Jahren ergangenen Erlass zum Bau eines kommunalen Backhauses nachzukommen. Weil das Brandrisiko, das von den vielen privaten Backhäusern ausging, angesichts der strohgedecken Häuser zu groß war, sollten die durch „Commun-Backöfen“ ersetzt werden. Sowohl die Gemeinden, als auch die Frauen, denen das Brotbacken oblag, waren wenig begeistert. Die einen, weil sie den Bau der Backhäuser selbst zahlen mussten, und die anderen, weil sie ihre Backwaren quer durchs Dorf transportieren und den neugierigen Blicken der Nachbarn aussetzen mussten.