Erkenbrechtsweiler Neuer Schwung für das Erlebniszentrum

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Die Standortgemeinden machen Druck. Jetzt hat ein Berliner Büro das Sagen am Heidengraben. Die keltische Geschichte soll erfahrbar werden.

Bisher zeugt nur ein Informationspavillon von den Plänen, am Heidengraben bei Erkenbrechtsweiler  ein Kelten-Erlebniszentrum zu errichten. Foto: Horst Rudel
Bisher zeugt nur ein Informationspavillon von den Plänen, am Heidengraben bei Erkenbrechtsweiler ein Kelten-Erlebniszentrum zu errichten. Foto: Horst Rudel

Erkenbrechtsweiler - Im Bemühen, am Heidengraben auf der Schwäbischen Alb ein Erlebniszentrum auf die Beine zu stellen, wechseln die drei Standortgemeinden Erkenbrechtsweiler, Grabenstetten und Hülben (beide Kreis Reutlingen) im Galopp die Pferde. Künftig wird das Berliner Büro KLV das Projekt bis zur Umsetzungsreife betreuen. Gleichzeitig sollen die Zügel angezogen werden, denn von Galopp kann schon lange keine Rede mehr sein. „Wir haben schon genügend Zeit verplempert“, sagt der Hülbener Bürgermeister, Siegmund Ganser selbstkritisch.

Kreisrunde Elemente sollen das keltische Erbe aufgreifen

Die beiden Büros, die bisher mit der Planung des Zentrums am Burrenhof befasst waren, können das 4,5-Millionen-Projekt nicht stemmen. Zu dieser Überzeugung sind die Bürgermeister der drei Heidengrabengemeinden gekommen, nachdem es nun ans Eingemachte geht. „Wir brauchen ein Betreiberkonzept, eine Machbarkeitsstudie und eine Besucherprognose“, stellt Ganser die To-do-Liste für die nächsten Monate auf. Zudem soll das Beratungs- und Kreativbüro aus Berlin die Projektsteuerung in die Hand nehmen. Die lokalen Büros, mit denen die Projektpartner bisher zusammengearbeitet haben, könnten dann wieder zum Zug kommen, wenn es um die Ausgestaltung des Zentrums geht.

Unweit des Gasthofs Burrenhof, an der Schnittstelle der drei Gemarkungsgrenzen, wollen die Heidengraben-Gemeinden mit drei halb in den Boden eingelassene kreisrunden Elementen das keltische Erbe der Region aufgreifen. Eines der Elemente ist einer Hüle nachempfunden, einer typischen, in erloschenen Vulkankegeln entstandenen Wasserstelle auf der Schwäbischen Alb. Das zweite erinnert an ein keltisches Hügelgrab, das dritte dient sich als Versammlungsplatz an.

Handelsbeziehungen reichen bis in den Mittelmeerraum

Im Innern des zentralen, begehbaren Grabhügels soll ein 360-Grad-Panorama die Welt wieder auferstehen lassen, wie es sie vor rund 2500 Jahren auf der Vorderen Alb gegeben hat. Damals haben die Kelten dort die seinerzeit größte keltische Siedlung auf dem europäischen Festland errichtet. Geschützt von einer jetzt noch sichtbaren Wallanlage, dem Heidengraben, haben in der Blütezeit der Besiedlung des 17 Quadratkilometer großen Geländes wohl bis zu 10 000 Menschen gelebt.

In dem von den Archäologen nachträglich als Elsachstadt bezeichneten Siedlungszentrum sind Keramik, Schmuck, Werkzeug und Münzen gefunden worden, die das Fenster öffnen zum Leben in den ersten Jahrhunderten vor der Zeitrechnung. Zahlreiche Fragmente von Amphoren, als Transportbehälter für Importwaren wie Wein und Öl benutzt, weisen auf weitreichende Handelsbeziehungen der Heidengraben-Kelten sogar bis ins Mittelmeergebiet hin.

Der Erlebnispfad wird sieben Kilometer lang

Seit acht Jahren tragen sich die Gemeinden mit der Idee, das reiche keltische Erbe am Heidengraben erlebbar zu machen. Rund um das zentrale Zentrum soll ein Kelten-Erlebnispfad das Gelände touristisch erschließen. Zumindest dieser Pfad, an dessen auf sieben Kilometer verteilten zehn Stationen multimediale Einblicke in die Keltenzeit möglich sein werden, soll planmäßig im kommenden Jahr eröffnet werden. Gleichzeitig soll der Bebauungsplan auf den Weg gebracht werden. Spätestens im Jahr 2021, so hofft Siegmund Ganser nun, könnte dann die Gesamtanlage eröffnet werden.

Bis dahin müssen die drei Gemeinden auch die Kosten gestemmt haben. Sicher ist bisher lediglich der Eigenanteil von 1,15 Millionen Euro. Die geplanten zwei Millionen Euro an öffentlichen Zuschüssen und vor allem auch die rund 1,3 Millionen Euro an Sponsoren- und Spendengeldern gibt es bisher nur auf dem Papier. Weniger Sorgen macht sich Ganser dagegen wegen des möglicherweise notwendigen Zielabweichungsverfahren, das der Verband Region Stuttgart einleiten könnte, um die Rechtmäßigkeit der Planung im regionalen Grünzug auf den Prüfstand zu stellen.