Erlebnis Hesse-Bahn nach Calw „Busfahren ist nicht mein Ding“ – Calw endlich bequem erreichbar

Nicht nur Wanderfreunde haben mit der Hesse-Bahn eine gute Möglichkeit, ohne Auto nach Calw zu gelangen. Foto: Lightworkart

Mit der Hermann-Hesse-Bahn rückt der Nordschwarzwald näher an Stuttgart heran. Eine komfortable Verbindung lockt nun Ausflügler in die malerische Hesse-Stadt.

Mit der Inbetriebnahme der Hermann-Hesse-Bahn, die künftig auch mit Halbstundentakt zwischen Calw und Renningen verkehren wird, wurde nicht nur für Menschen aus Calw und Umgebung die Möglichkeit geschaffen, mit nur einem Umstieg in weniger als einer Stunde mit nur einem Umstieg aus der Geburtsstadt des Literaturnobelpreisträgers Hermann Hesse ins Zentrum der Landeshauptstadt zu kommen. Auch für Menschen aus dem Großraum Stuttgart, die bei ihren Touren auf die Nutzung von Bus und Bahn setzen, gibt es damit eine bequeme, verlässliche und auch landschaftlich attraktive Verbindung bis in die malerische Fachwerkstadt Calw. Von dort aus gibt es zahlreiche Wanderwege und Fahrradrouten, um den Nordschwarzwald zu erkunden.

 

Dass Calw ein interessantes Ausflugs- und Naherholungsziel für Leute aus Stuttgart und Umgebung ist, war zuletzt am Pfingstwochenende zu erleben. Zahlreiche Einzelpersonen, Paare und kleine Gruppen fuhren mit der Hermann-Hesse-Bahn bis nach Calw und gingen von dort aus auf Erkundungstour. Ein Wermutstropfen für die aus Stuttgart anreisenden Besucher: Wegen Arbeiten an der Bahnstrecke war das Teilstück zwischen Leonberg und Weil der Stadt gesperrt. Ein Umstieg auf den Bus war deshalb erforderlich. „Das hatte ich mir so nicht vorgestellt“, sagte Andreas Helmtaler verärgert über den nötigen Fahrzeugwechsel, da er nach einer Operation derzeit nicht so gut zu Fuß sei. „Aber die Anbindung hat sehr gut geklappt“, hob er trotz des für ihn unerfreulichen Umstiegs hervor. Und er gab sich versöhnlich: „Dann muss ich die Strecke in Kürze halt nochmals fahren – dann aber hoffentlich ganz auf der Schiene.“

Lob: In der Hesse-Bahn gibt es Toiletten

Linus Maier aus Stuttgart ist ebenfalls mit der Bahn von Stuttgart ins Nagoldtal gefahren, für ihn hat der erforderliche Umstieg zwischendurch auf den Bus das Reiseerlebnis nicht getrübt. „Ich habe mir das Deutschlandticket zugelegt und hatte schon länger vor, mal auf dieser Strecke nach Calw zu fahren“, sagt Maier, der auf dieser Strecke künftig öfter unterwegs sein möchte. Es sei eine tolle Bahnstrecke, und man komme auf diese Weise sehr einfach in den Schwarzwald.

Auch Fahrräder können in der Hesse-Bahn mitgenommen werden. Foto: Ralf Recklies

Positiv ist ihm bei der Fahrt aufgefallen, dass die auf der Strecke zwischen Weil der Stadt und Calw eingesetzten Züge über eine Toilette verfügen. Der einst in der Textilbranche tätige Maier kennt Calw aus früheren Zeiten. Ab und an hatte er geschäftlich in der südlich der Kernstadt gelegenen Baumwollspinnerei Schmid zu tun. Gerne hat er dann auch einen Stopp direkt in Calw eingelegt.

Auch für Helmut Rebholz aus Stuttgart ist Calw kein unbekanntes Pflaster. Von 1961 bis 1963 war er in der dortigen Kaserne stationiert, wie er erzählt – und ist schon damals auf der Strecke der einstmals königlich württembergischen Schwarzwaldbahn auf der Schiene angereist, „mit dem Schienenbus“.

Die Anreise ab Weil der Stadt – „bis dahin sind wir mit dem Auto gefahren“ – hat Helmut Rebholz mit seiner Frau Brigitte genossen. Man habe tolle Ausblicke und die Anreise sei unkompliziert: „Bequemer geht’s nicht“, sagt Brigitte Rebholz. Und ihr Mann ergänzt: „So konnten wir jetzt auch mal die berühmten Fledermaustunnel kennenlernen.“ Bedauerlich für Brigitte Rebholz als Hesse-Liebhaberin war die Tatsache, dass das Hesse-Museum derzeit renoviert wird und daher noch bis Juli nächsten Jahres geschlossen ist, wie sie am Ende ihres Calw-Besuchs resümiert. Überhaupt, so ihr Eindruck, seien wenig Lokale geöffnet gewesen. Da gebe es noch Luft nach oben. Gleichwohl sei eine Reise nach Calw aber lohnenswert – „es ist einfach eine schöne Stadt“, so das Fazit des Paars. Spätestens 2027 wollen sie daher nach der Eröffnung des Hesse-Museums erneut nach Calw kommen.

Auf den Markt nach Calw – das wird nun einfacher

Auch für Gerhard und Ilona Maaß war es das erste Mal, dass sie mit der neuen Bahn nach Calw gefahren sind. Und auch sicher nicht zum letzten Mal. Schon früher seien sie gerne samstags nach Calw gekommen, um dort auf den Markt zu gehen – das werde mit der Bahn nun vielleicht noch einfacher. Insgesamt sei es ein tolles Angebot, um aus Richtung Stuttgart Calw zu erreichen.

Die Hermann-Hesse-Bahn in Calw: der Schwarzwald ist per Zug gut erreichbar. Foto: Lightworkart

Dass bei den Ausflügen in die Hesse-Stadt noch „nicht alles ganz reibungslos klappe“, nimmt Martin Scheiter gelassen, auch wenn er bei seinen Fahrten schon die eine oder andere Störung erlebt hat. „Das wird im nun beginnenden Betrieb mit Halbstundentakt hoffentlich besser“, sagt er optimistisch.

„Es gibt wunderbare Routen, die man zu Fuß machen kann“

Vor allem zum Wandern war er in den vergangenen Wochen bereits mehrfach, alleine oder mit Freunden, in Calw, „denn es gibt von hier aus viele wunderbare Routen, die man zu Fuß machen kann. Auch im Sommer, wenn die Sonne brennt, da die Wege viel durch den Wald führen“, sagt der begeisterte Wanderer. Calw und Umgebung habe er trotz des landschaftlichen Reizes bisher eher links liegen gelassen. Der Grund: die Anreise ohne eigenes Auto war mit mehreren Umstiegen und einer Busnutzung verbunden. „Und Busfahren ist einfach nicht mein Ding“, erklärt Scheiter achselzuckend. Was ihn als häufigen Bahnfahrer besonders: „Dass die Strecke in den VVS-Verbund integriert worden ist.“

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