Erlebnis im Kreis Ludwigsburg Aus Weinfass fließt plötzlich Blut – so knifflig ist ein Krimi-Dinner

Die drei „Mordsweiber“ haben sich gesucht und gefunden (von links): Stefanie Keller, Michaela Veigel und Jessica Walter. Foto: privat

Essen genießen, dabei über Gruseliges rätseln und sein Schauspieltalent entdecken – drei Frauen aus dem Kreis Ludwigsburg haben mit „Blutroter Jahrgang“ ein „Dinner-Krimi“ entwickelt.

Das Entsetzen ist groß im preisgekrönten Weingut von Lisa Laible im beschaulichen Dorf Weinhausen. Schlimm genug, dass aus dem Fass mit dem prämierten Riesling auf einmal Roséwein kommt. Die Ursache dieser wundersamen Verwandlung ist noch viel gruseliger: Im Weinfass ist Lisa Laible verblutet, was zur Farbveränderung im Rebensaft führte.

 

Den drei Frauen, die da an einem Holztisch im realen Weingut von Gerd Keller in Hohenhaslach mit Blick auf den Keller mit den Holzfässern sitzen, sieht man nicht an, welche düsteren Geschichten sie sich bei ihren regelmäßigen Montagabend-Treffs ausdenken. Im Gegenteil: Michaela Veigel, Stefanie Keller und Jessica Walter lachen gern und viel.

„Ich wurde angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, mal ein Krimifrühstück anzubieten“, erinnert sich Stefanie Keller, die viel als Märchenerzählerin in der Region unterwegs ist. Das war für sie Anlass, ein Dreieck krimibegeisterter Frauen zu schließen, von denen sich vorher immer nur zwei direkt kannten. Es stellte sich heraus, dass das Trio hervorragend funktioniert.

Keller denkt sich die spannenden Geschichten aus, Michaela Veigel, Organisatorin von Escape-Touren, legt auch mal eine falsche Fährte in den Krimi-Handlungssträngen, und Mediengestalterin Jessica Walter stellt alles bereit, was für Ermittlungen wichtig sein kann: von Webseiten mit Kinoprogrammen bis zu Zeitungen mit wichtigen Meldungen.

Trio entwickelt Geschichten gemeinsam

Wenn man den Veranstaltungssaal betritt, fallen sofort die weißen Säckchen an 13 Stühlen an den Tischen ins Auge. Wer dort sitzt, wird später im Krimi als Schauspieler agieren. „Man weiß nie, wer kommt und wer welche Rolle spielen muss“, sagen Jessica Walter und Michaela Veigel lachend. In der festgelegten Tischordnung sitzen maximal zwei „Schauspieler“ an einem Tisch, die anderen – bis jetzt war die Höchstzahl etwa 40 – sind als Gruppe beim Lösen kniffliger Fragen und bei der Ermittlung des Mörders oder der Mörderin gefragt.

Bei dem Krimi geht es auch düster zu. Foto: Imago/YAY Images

Was aber, wenn jemand partout nicht nach vorn zum Schauspiel kommen will? „Das passiert erstaunlich selten“, berichtet Michaela Veigel. Oft seien es gerade die Schüchternen, die voll in ihrer Rolle aufgehen und mit veränderter Stimme oder anderer Dialektfärbung sprechen würden. Wenn aber jemand absolut nicht spielen wolle, könne natürlich jemand anders den Part übernehmen.

Im Säckchen findet sich außer einem Accessoire und dem Namen der Person ein Drehbuch für jeden Akteur. Darin eine kurze Charakterisierung der Person, ferner die Nummer und die Handlung der unter den knapp 30 Szenen, in der er oder sie gefragt sein wird. Zu guter Letzt der Sprechtext. Vier Rollen sind fest vergeben: Jessica Walter spielt die Hauptkommissarin, Stefanie Keller eine Doppelrolle als Investigativ-Journalistin und Assistentin der Kommissarin. Michaela Veigel schließlich verkörpert die Dorftratschtante Beate Häberle. Dorfpolizist Schorsch und Lebemann Tony Night zum Beispiel aber werden von Akteuren aus dem Publikum dargestellt.

Es gibt mehrere Verdächtige

Noch eine Besonderheit: Der Mörder oder die Mörderin weiß am Beginn selbst nicht, dass er oder sie schuldig ist. Bis jetzt ist es immer einer Rate-Gruppe gelungen, den Mörder herauszufinden. Einfach machen es die drei „Mordsweiber“ dabei nicht: Bis zum Schluss sind fünf Personen in der engeren Verdächtigengruppe.

Kam es schon mal vor, dass Besucher den Mörder oder die Mörderin vorher anderen verraten haben? „Im Gegenteil“, berichtet Jessica Walter. Es seien einige Male Besucher zweimal da gewesen und hätten beim zweiten Besuch Freunde und Bekannte mitgebracht. „Die haben sich beim Rätseln zurückgehalten“, erzählt sie. „Wir hatten aber sicherheitshalber auch ein Auge drauf.“

Es muss übrigens nicht unbedingt ein Dinner sein für das Krimi-Event. „In Kornwestheim haben wir unlängst in einer Cocktailbar gespielt“, erinnert sich Stefanie Keller. Bei der nächsten Veranstaltung im Weingut Keller am 20. Juni wird es aber ein opulentes Drei-Gänge-Menü vom „Maultaschenkönig“ geben. Weitere Infos und Termine gibt es auf www.Mordsweiberhoch3.de.

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