Erlebnistag in Kaisersbach Hilfe für Jugendliche: Freunde weg, Eltern getrennt – Trauer hat viele Gesichter

Der Verlust von Freundschaft kann bei Jugendlichen genauso Trauer auslösen wie der Tod eines geliebten Menschen (Symbolfoto). Foto: imago

Trauer ist noch immer ein Tabu – gerade für Kinder und Jugendliche. Verschiedene Schorndorfer Einrichtungen, die diese Thematik kennen, haben deshalb nun einen Erlebnistag organisiert.

Rems-Murr: Simone Käser (sk)

Trauer gehört zum Leben. Ob es die Trauer um einen geliebten Menschen, um eine verlorene Freundschaft oder bei einem Scheidungskind der Schmerz um das nicht mehr intakte Familienleben ist – Trauer hat viele Gesichter. „Gerade im Jugendalter gibt es ganz verschiedene Situationen, die mit Verlust oder Veränderung verbunden sein können. Erfahrungen wie ein Schulwechsel oder ein Umzug können Trauer auslösen, auch wenn sie im Alltag oft weniger sichtbar sind. Unser Ziel ist es, Jugendlichen einen Raum zu geben, in dem solche Gefühle Platz haben dürfen“, sagt Simone Halle-Bosch.

 

Die Mitarbeiterin der Stadt Schorndorf, Sachgebietsleiterin für Familie und Prävention sowie Leiterin des Familienzentrums – Fachbereich Familie und Soziales, hat deshalb gemeinsam mit dem Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Pusteblume, der Hospizstiftung Rems-Murr-Kreis und den Trauergruppen „Kelebek“ der Stadt Schorndorf einen besonderen Tag ins Leben gerufen – den Erlebnistag „Explore Trauer“. Er richtet sich an interessierte Jugendliche aus Schorndorf oder einem anderen Wohnort, ist ab zwölf Jahren und findet am Samstag, 21. März, von 11 bis 16 Uhr in der Waldakademie Mönchhof in Kaisersbach statt.

Ziel ist es, einen niederschwelligen Zugang zum Thema Trauer für Jugendliche zu ermöglichen

„Die Idee hinter dem Tag ist es, jungen Menschen einen offenen und niedrigschwelligen Zugang zum Thema Trauer zu ermöglichen. Trauer ist in unserer Gesellschaft noch immer ein Tabuthema, gerade für Kinder und Jugendliche. Gleichzeitig gehört sie zum Leben dazu“, erklärt Simone Halle-Bosch und fügt hinzu, dass die Intention sei, mit dem Tag neugierige, offene und interessierte junge Menschen zu ermutigen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und darüber ins Gespräch zu kommen.

Wichtig ist es ihr, dabei zu betonen, dass Trauer bewusst nicht nur im Zusammenhang mit dem Tod verstanden wird – alle Gefühle erhalten ihren Raum. „Der Tag ist als eine Art Entdeckungsreise gestaltet. Die Jugendlichen verbringen gemeinsam Zeit in der Natur, können sich kreativ ausdrücken, miteinander ins Gespräch kommen, lachen, nachdenken und Gemeinschaft erleben. Es geht dabei nicht um eine klassische Trauergruppe, sondern um einen geschützten Rahmen, in dem alles da sein darf, was die Jugendlichen gerade bewegt.“

Simone Halle-Bosch ist am neuen Angebot, dem Erlebnistag „Explore Trauer“, beteiligt. Foto: privat (Stadt Schorndorf)

Der Erlebnistag „Explore Trauer“ findet in diesem Jahr zum ersten Mal statt. Er sei nur dank großzügiger Spenden umsetzbar gewesen, so die Sachgebietsleiterin. „Mit dem Angebot möchten wir sowohl Jugendliche ansprechen, die sich grundsätzlich mit dem Thema beschäftigen möchten, als auch diejenigen, die merken, dass sie gerade in einer schwierigen Phase sind“, sagt Simone Halle-Bosch und fügt hinzu, dass eine Anmeldung deshalb auch noch ganz spontan bis Freitag, 20. März, um 12 Uhr möglich sei.

Auch Gaby Hammer vom Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Pusteblume (links) sowie Jaqueline Fröhlich und Gabriele Schmidt-Klering von der Trauergruppe Kelebek sind an dem Erlebnistag „Explore Trauer“ beteiligt. Foto: privat

„Jugendliche können auch gerne zu zweit kommen, zum Beispiel gemeinsam mit einer Freundin oder einem Freund“, erklärt Simone Halle-Bosch. Sie betont, dass das neue Angebot ausdrücklich nicht für Jugendliche gedacht sei, die sich in einer akuten Trauersituation befinden. „Dafür gibt es die bestehenden Trauergruppen wie ,Kelebek’. Dort treffen sich Kinder und Jugendliche einmal im Monat mit Gleichaltrigen, um gemeinsam und begleitet ihre Trauer aktiv zu verarbeiten. In diesen Gruppen sind aktuell auch wieder Plätze frei.“

Die Fachleute aus dem Rems-Murr-Kreis sind sich einig: Wenn ein Mensch aus dem nahen Umfeld eines Kindes stirbt, gerät die Familie in eine schwere Lebenssituation. Neben der eigenen Trauer haben Erwachsene aber auch die Sorge, ob das Kind die Trauer gut verarbeitet. In dieser schweren Zeit kann es hilfreich sein, wenn es neben der Familie noch weitere Orte gibt, an denen sich Kinder und Jugendliche wohl und geborgen fühlen.

In den Trauergruppen gehen Fachleute sensibel auf die schwierige Situation ein

So ein Ort sollen die Trauergruppen sein. „Wir Trauerbegleiterinnen sehen die Trauer der Betroffenen und reagieren sensibel darauf. Durch vielfältige Angebote in den Gruppen erhalten die Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit, sich mit den Gefühlen der Trauer und mit der neuen, veränderten Lebenssituation auseinanderzusetzen. Neben der trauerpädagogischen Arbeit ist es uns wichtig, dass sich alle in der Gruppe wohlfühlen, und auch fröhlich sein können“, erklärt Gabriele Schmidt-Klering, die gemeinsam mit Jaqueline Fröhlich die Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche anbietet.

„Der Tod einer nahestehenden Person ist für Kinder ein Ereignis, das ihr Leben verändert und für immer prägt. In der Kindertrauergruppe ,Kelebek’ haben die Kinder die Möglichkeit, sich in einer kleinen Gruppe mit ihren Gefühlen der Trauer auseinanderzusetzen“, sagt Gabriele Schmidt-Klering. Mit dem Verlust leben zu lernen, sei mühsam, weiß die Trauerbegleiterin aus Erfahrung. Die individuelle Begleitung könne dabei helfen, die Trauer zu bewältigen, und dabei unterstützen, einen neuen Lebensplan zu entwerfen.

Erlebnistag „Explore Trauer“ und Trauerbegleitung

Info
Anmeldungen zum Erlebnistag sind noch bis Freitag, 20. März, 12 Uhr, unter familienzentrum@schorndorf.de oder kinder@hospiz-remsmurr.de möglich. Auch die Trauergruppen können kontaktiert werden. Jaqueline Fröhlich unter 07181/992502 und Gabriele Schmidt-Klering unter 07181/992502 sowie beide auch per Mail unter kindertrauer-schorndorf@web.de. Die Teilnahme ist kostenfrei.

 

Weitere Themen