Erlkönig-Unfall Kind außer Lebensgefahr

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Ein Mercedes-Prototyp ist auf der Steige bei Gammelshausen frontal mit einem Kleinwagen zusammengestoßen. Doch wer war schuld?

Schon kurz nach dem Unfall  mit einem Kleinwagen wird der Erlkönig mit einer Plane vor möglichen Paparazzi geschützt. Foto: Ralf Zwiebler
Schon kurz nach dem Unfall mit einem Kleinwagen wird der Erlkönig mit einer Plane vor möglichen Paparazzi geschützt. Foto: Ralf Zwiebler

Gammelshausen - Das sechsjährige Mädchen, das am Samstagmorgen bei einem Unfall auf der Steige zwischen Gammelshausen und Gruibingen schwer verletzt worden war, schwebt nicht mehr in Lebensgefahr. Der Sprecher der Göppinger Polizeidirektion, Rudolf Bauer, gab nach Rücksprache mit der Uniklinik in Ulm Entwarnung. Dorthin war das Mädchen von einem Rettungshubschrauber gebracht worden, nachdem es bei einem Frontalzusammenstoß im Kleinwagen ihrer Mutter eingeklemmt worden war. Die 34-jährige Frau, die mit schweren Verletzungen in der Klinik am Eichert in Göppingen eingeliefert wurde, befinde sich ebenfalls auf dem Weg der Besserung, sagte Bauer.

Der Konzernsprecher der Firma Daimler, Florian Martens, bedauerte den Unfall. „Für uns hat Priorität, dass es den Verletzten besser geht“, sagte er. Wie berichtet, war die Frau auf der kurvenreichen Strecke frontal mit einem sogenannten Erlkönig, einem mit schwarzer Folie getarnten Mercedes-Prototypen, zusammengestoßen. Dessen Fahrer erlitt leichte Verletzungen. Die Schuldfrage ist bisher noch nicht geklärt.

Furcht vor Paparazzi

Während die Feuerwehr den Kleinwagen der Frau zerlegte, um das Mädchen zu befreien, wurde der Vorserien-Mercedes schon kurz nach der Unfallaufnahme mit einer Plane abgedeckt. Eine gewisse Geheimhaltung sei bei Prototypen branchenüblich, unabhängig davon, ob ein Unfall passiert sei oder ob der Wagen nur einfach auf der Straße abgestellt werde, lässt das Unternehmen wissen. Offenbar geht es darum zu verhindern, dass Fotos der neuen Modelle vorab erscheinen.

Die steile und kurvenreiche Landesstraße zwischen Gruibingen und Gammelshausen wird regelmäßig von Testfahrern gewählt. Dies gehöre zu einer kundennahen Erprobung, sagte der Sprecher. Auch im vorliegenden Fall habe es sich um eine Erprobungsfahrt gehandelt. Eine Kolonnenfahrt sei allerdings nicht geplant gewesen. Dass kurz hinter dem Unfallwagen ein zweiter Erlkönig mit Anhänger folgte, sei „nur ein Zufall“ gewesen. In Gammelshausen werden die Mercedes-Prototypen allerdings meist paarweise beobachtet.

Testpiloten bisher unauffällig

In den vergangenen Jahren waren wiederholt Testfahrzeuge von Mercedes in schwere Unfälle verwickelt. Der bekannteste ereignete sich im Juli 2003, als ein Testfahrer mit Tempo 250 über die A 5 schoss und die Fahrerin eines Kleinwagens derart bedrängt haben soll, dass sie vor Schreck ihr Auto übersteuerte. Sie und ihre zweijährige Tochter kamen ums Leben. In Gammelshausen gibt es bisher allerdings keine Hinweise darauf, dass der Testfahrer zu schnell unterwegs gewesen sein könnte. Unter den Temposündern, die bei den schwerpunktmäßigen Kontrollen der vergangenen Wochen im Kreis und auch auf der Steige geblitzt worden seien, habe sich kein einziger Testpilot des Mercedes-Werks befunden, sagte Bauer.

Zur Klärung der Unfallursache seien beide Unfallfahrzeuge beschlagnahmt worden, sagte der Sprecher der Göppinger Polizei. Mit dem vorläufigen Ergebnis des Gutachtens sei frühestens am Freitagmorgen zu rechnen. Darin sei zu klären, ob der Testfahrer, die Frau oder sogar alle beide auf die falsche Fahrbahn geraten seien.

Außerdem erhofft sich die Polizei von dem Gutachter Aufschlüsse darüber, ob das Kind ordnungsgemäß im Kindersitz gesichert war. Daran hatte es zunächst Zweifel gegeben. Grundsätzlich sei ein Kindersitz im Auto allerdings vorhanden gewesen, sagte der Polizeisprecher.