Ermittlungen der Polizei in Stuttgart Antisemitische Schmiererei: „Merkel ist Jüdin“ in Stuttgart entdeckt

Von  

Mindestens ein Dutzend mal ist in der Stadt ein Graffito angebracht worden, das ein Experte der Landesregierung als eindeutig antisemitisch einstuft. Der Staatsschutz der Polizei ermittelt.

Ein Graffito verbreitet in der Stadt antisemitische Botschaften. Foto: Imago
Ein Graffito verbreitet in der Stadt antisemitische Botschaften. Foto: Imago

Stuttgart - Viele Graffiti verunstalten Gebäude, Unterführungen und Mauern im öffentlichen Raum. Meist werden sie als lästige Schmiererei und Sachbeschädigung angesehen, selten lösen die Inhalte größere Diskussionen aus. Nicht so im vorliegenden Falle. Der Schriftzug „Merkel ist Jüdin“ ist an mehreren Stellen in der Stadt aufgetaucht, und mehrere Leser unserer Zeitung haben sich wegen dieses offenkundig antisemitischen, an Verschwörungsmythen angelehnten Spruches gemeldet. Es wurde Anzeige erstattet, und auch der Antisemitismusbeauftragte der Landesregierung, Michael Blume, wurde verständigt. er ordnet die Graffiti „eindeutig als antisemitisch ein“, sagte Blume auf Nachfrage.

Die Urheber greifen gezielt die Bundeskanzlerin an

Michael Blume hat den Eindruck, der oder die Urheber würden gezielt die Bundeskanzlerin Angela Merkel angreifen, „indem sie sie in die Nähe des Mythos um eine jüdische Weltverschwörung“ rückten. Ähnliche Muster seien aktuell auch im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie gegenüber anderen prominenten Persönlichkeiten im Umlauf. So würden der Berliner Virologe Christian Drosten, der als Experte für Coronaviren gilt, und der amerikanische Unternehmer Bill Gates als Juden bezeichnet. „Das geschieht aber nicht aus reiner Unwissenheit, sondern um Gates und Drosten bewusst zu diffamieren und aus der Vorstellung heraus, dass sie die Menschheit durch Impfungen kontrollieren wollen würden“, erläutert Blume. Das Judentum werde dabei immer wieder mit einer Weltverschwörung in Verbindung gebracht. Auf diese Weise würde der uralte antisemitische Mythos in unsere Zeit getragen. Besonders „unsäglich“ stuft es der Antisemitismusbeauftragte ein, dass der Schriftzug auch noch am israelitischen Friedhof an der Mauer – dieser ist ein Teil des Hoppenlaufriedhofs – angebracht sei.

Die Polizei ermittelt. Die Staatsschutzabteilung sei eingeschaltet, sagte eine Sprecherin der Polizei. Diese werde immer eingeschaltet, wenn es um Schmierereien mit politischen und weltanschaulich bedenklichen Inhalten gehe. Es seien im Stadtgebiet etwa ein Dutzend dieser Merkel-Schmierereien aufgetaucht.




Unsere Empfehlung für Sie