ExklusivErmittlungen gegen Leonberger Firma Verdacht auf Betrug bei Solarparkprojekt

Die Rechnung mit der Sonne geht für Anleger nicht immer auf. Foto: dpa
Die Rechnung mit der Sonne geht für Anleger nicht immer auf. Foto: dpa

Gemeinsam warben die Leonberger Firma Eurosolid und die Stuttgarter Versicherung für Investitionen in Solaranlagen. Nun wird gegen Verantwortliche von Eurosolid wegen Betrugs ermittelt. Ende 2017 kam es sogar zu einer Razzia.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)
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Stuttgart - Gegen zwei Geschäftspartner der Stuttgarter Versicherung a. G. („Die Stuttgarter“) wird wegen des Verdachts auf Betrug und andere Delikte ermittelt. Entsprechende Informationen unserer Zeitung bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Im Zusammenhang mit Solaranlagen, die von der Versicherung finanziert worden sind, führe die Behörde ein Verfahren wegen Betrugs gegen Verantwortliche der Leonberger Firma Eurosolid. Auch der Geschäftsführer Ulrich B. ist darunter. Ende vorigen Jahres habe es dabei Durchsuchungen von Räumen in Leonberg und in Mecklenburg-Vorpommern gegeben, wo sich einer der Solarparks befindet, sagte der Sprecher. Zugleich bestätigte er ein Verfahren gegen einen weiteren Geschäftspartner der Versicherung, Uwe K. aus der Nähe von Würzburg. Dabei gehe es aber nicht um die Solaranlagen, an deren Bau er beteiligt war, sondern um verschiedene Vorgänge bei Immobiliengesellschaften. Neben Betrug würden auch Untreue und Insolvenzdelikte geprüft. Gegen Verantwortliche der Stuttgarter Versicherung wird laut der Staatsanwaltschaft nicht ermittelt.

Auslöser des Verfahrens ist eine Strafanzeige im Auftrag von Geldanlegern, die Anteile an dem Solarpark erworben hatten. Entwickelt und betreut wurde dieser von Eurosolid Energy, gebaut von der Firma Fleckenstein Solar und finanziert von der Stuttgarter Versicherung. Die Investitionssumme pro Anlage betrug etwa 50 000 Euro, einige Investoren erwarben gleich zwei. Die Versicherung offerierte ein zinsgünstiges Darlehen über zwanzig Jahre, kombiniert mit einer Rentenversicherung und einem Bausparvertrag. Der Kredit sollte mit den Erträgen aus der Anlage sowie mit Steuervorteilen getilgt werden. In der Stuttgarter Versicherung sahen viele Anleger einen Garanten für die Seriosität des Angebots. Deren Vizevorstandschef Wolfgang Fischer hatte es bei einer gemeinsamen Veranstaltung mit Ulrich B. in den höchsten Tönen gelobt: „Das klingt toll und das ist toll.“ Die Kunden bekämen „Sicherheit für ihr Geld“, Beschwerden gebe es keine.

Kunden sehen sich vor Ruin

Das hat sich gründlich geändert. Für Dutzende von Kunden geht die Rechnung längst nicht mehr auf: Die Erträge blieben hinter den Erwartungen, klagen sie, die Anlagen seien überteuert und hätten technische Mängel. Einige der Investoren stehen deshalb offenbar vor dem finanziellen Ruin. Vor dem Stuttgarter Landgericht laufen diverse Zivilprozesse, in denen Anleger versuchen, die Firma Eurosolid, vor allem aber die Stuttgarter Versicherung als finanzkräftigsten Akteur in Anspruch zu nehmen. Allein 170 Betroffene werden von einer Leipziger Anwaltskanzlei vertreten, weitere von Würzburger Kollegen.

Bereits im Sommer 2016 haben die Leipziger Anwälte im Auftrag eines Mandanten Strafanzeige gegen Verantwortliche von Eurosolid und der Stuttgarter Versicherung erstattet. Ihr Vorwurf: Betrug und andere Delikte. Die Initiatoren hätten die Anleger mit Einspeisevergütungen geködert, die um bis zu 30 Prozent über dem tatsächlich erzielbaren Ertrag gelegen hätten. Dazu seien Modellrechnungen bewusst manipuliert worden. Nach längerer Prüfung nahm die Stuttgarter Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Ulrich B. und weitere Eurosolid-Verantwortliche auf, die Ende 2017 zu der Razzia führten.

Firma weist Vorwürfe zurück

Weder Eurosolid noch Ulrich B. reagierten aktuell auf Anfragen unserer Zeitung. Bereits 2016 hatten sie die Vorwürfe von einem Rechtsanwalt zurückweisen lassen: Die Firma habe niemanden getäuscht oder betrogen, Garantien und Ertragszusagen seien nicht erfolgt. Es handele sich um eine unternehmerische Betätigung, deren „wirtschaftliches Risiko“ sich realisiert habe. Die Anlagen seien nicht überteuert, sondern zu marktüblichen Preisen verkauft worden. Die Ertragsprognosen stammten von der Firma Fleckenstein Solar, auf deren Angaben sich Eurosolid verlassen habe.

Gegen den Fleckenstein-Geschäftsführer Uwe K. wird im Zusammenhang mit dem Solarpark offenbar nicht ermittelt. Laut der Staatsanwaltschaft ist er aber einer von mehreren Beschuldigten in einem umfangreichen Verfahren, das man 2017 von den Kollegen in Ellwangen übernommen habe. Dabei gehe es um Betrug, Untreue und Insolvenzdelikte „im Zusammenhang mit mehr als 20 ineinander verflochtenen Immobiliengesellschaften“. Uwe K. sagte auf Anfrage, er wisse nichts von Ermittlungen gegen sich. Im Zusammenhang mit Eurosolid sei er zu diversen Themen als Zeuge befragt worden. Das früher enge Verhältnis zwischen den Geschäftspartnern Ulrich B. und Uwe K. gilt heute als angespannt.

Versicherung: keine gemeinsamen Projekte

Ein Sprecher der Stuttgarter Versicherung bestätigte Geschäftskontakte zu beiden Personen. Mit Ulrich B. kooperiere man seit den 90er Jahren im Bereich der Immobilienfinanzierung, seit 2009 auch bei der Finanzierung von Fotovoltaikanlagen. Mit Uwe K. arbeite man seit 2011 bei der Immobilienfinanzierung zusammen. „Wir legen großen Wert auf die Feststellung, dass es keine gemeinsamen Aktivitäten gab“, betonte der Sprecher. Weder mit B. noch mit K. habe man „gemeinsam Projekte konzipiert oder umgesetzt“. Von den Ermittlungen gegen beide habe man keine Kenntnis. Offen ließ die Versicherung, ob der Geschäftskontakt fortbestehe oder abgebrochen wurde: Dazu könne man sich „aus rechtlichen Gründen in der Öffentlichkeit nicht äußern“.

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