Ermittlungen in Stuttgart Zweiter Haftbefehl nach Überfall vor dem Stadion

Von Wolf-Dieter Obst 

Ein 54-Jähriger ist vor einem halben Jahr am Rande einer Corona-Demo von einem Pulk von mutmaßlich linksautonomen Gewalttätern ins Koma geprügelt worden. Die Kripo meldet einen weiteren Ermittlungserfolg.

Tatort Mercedesstraße am 16. Mai: Polizei und Rettungsdienst kümmern sich um die Opfer des Überfalls. Foto: /Andreas Rosar/ Fotoagentur Stuttgart
Tatort Mercedesstraße am 16. Mai: Polizei und Rettungsdienst kümmern sich um die Opfer des Überfalls. Foto: /Andreas Rosar/ Fotoagentur Stuttgart

Stuttgart - Knapp sechs Monate nach dem Angriff auf drei Mitglieder einer rechten Daimler-Arbeitnehmervertretung auf dem Weg zu einem Corona-Demo gibt es nun einen zweiten Haftbefehl: Ein 25-Jähriger landete wegen gefährlicher Körperverletzung und Landfriedensbruchs hinter Gitter. Er wird einer linksextremen Szene zugerechnet, aus deren Reihen die Polizei jene Täter vermutet, die im Mai einen 54-Jährigen ins Koma getreten und lebensgefährlich verletzt hatten. Ein 21-Jähriger aus Ludwigsburg sitzt seit Anfang Juli als Hauptverdächtiger wegen versuchten Totschlags in Untersuchungshaft.

Der Angriff am 16. Mai hatte sich vor dem Beginn einer Querdenken-Demo auf dem Cannstatter Wasen abgespielt. Ein Pulk schwarz gekleideter und maskierter Täter griff auf der Mercedesstraße vor dem Stadion drei 38, 45 und 54 Jahre alte Männer an, die auf dem Weg zu der Demonstration waren. Offenbar ein gezielter Angriff: Die Opfer gehören der rechten Gruppierung Zentrum Automobil an, die im Daimler-Konzern sechs Sitze im Betriebsrat erobern konnte und sich als „Opposition zu den gekauften Einheitsgewerkschaften“ sieht.

Razzia im Juli mit einem falschen Treffer

„Der jetzt Festgenommene soll im Umfeld der Tat mit einem Reizstoffsprühgerät mehrere Personen angegriffen haben“, sagt Polizeisprecher Johannes Freiherr von Gillhaußen am Montag. Die Ermittlungsgruppe Arena der Stuttgarter Kripo sei auf den 25-Jährigen nach langen Ermittlungen gestoßen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten gefährliche Körperverletzung und Landfriedensbruch vor. Am vergangenen Mittwoch klickten die Handschellen. Der Verdächtige war zuletzt ohne festen Wohnsitz.

Die Sonderermittler haben damit insgesamt neun Tatverdächtige registriert. Eine Razzia in der linksautonomen Szene am 2. Juli hatte sich gegen Beschuldigte im Alter von 19 bis 28 Jahren in Stuttgart, Ludwigsburg, Remseck, Fellbach, Waiblingen, Tübingen und Karlsruhe gerichtet. Nicht erhärtet hatte sich dagegen der Verdacht gegen einen Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten und stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Linkspartei, Tobias Pflüger. Der Mitarbeiter hatte ein handfestes Alibi – er war zu Tatzeit auf einer Demo in Sindelfingen.

Opfer offenbar wieder über den Berg

Das 54-jährige Opfer, das tagelang im Koma lag und auf der Intensivstation des Katharinenhospitals behandelt werden musste, ist nach Angaben der rechtspopulistischen Betriebsratsgruppierung Zentrum Automobil auf dem Weg der Besserung. Laut Ankündigung der Organisation wollen sich die drei Überfallenen demnächst mit einer Grußbotschaft auf den Internetkanälen zu den Vorgängen äußern.




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