Ernährung in der Corona-Krise Wieso ein Süßigkeiten-Verbot nichts bringt

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Schokolade und Co. sind in der Corona-Krise, in der wir zwangsläufig mehr Zeit zuhause verbringen, noch verlockender als sonst. Wieso man sich Süßigkeiten und Fast Food jetzt trotzdem nicht verbieten sollte.

Wer in der Corona-Krise zu Süßigkeiten und Co. greift, muss kein schlechtes Gewissen haben. (Symbolfoto) Foto: imago/Panthermedia/jirkaejc
Wer in der Corona-Krise zu Süßigkeiten und Co. greift, muss kein schlechtes Gewissen haben. (Symbolfoto) Foto: imago/Panthermedia/jirkaejc

Stuttgart - Die Anfang März noch gut sitzende Jeans zwickt nach den wochenlangen Corona-Beschränkungen bei einigen. Durch Homeoffice und die Schließung von Fitnessstudios und weiteren Einrichtungen, spielt sich das derzeitige Leben zum Großteil in den eigenen vier Wänden ab. Bei einem Griff zur Süßigkeiten-Schublade bleibt es oft nicht. Das weiß auch der Stuttgarter Diätassistent Sven Bach.

„Man sollte sich ‚Süßigkeiteninseln’ bauen, verbieten bringt nichts“, sagt Bach. Denn wer Lust auf Naschsachen wie Schokolade hat und sich ständig maßregelt, den packt früher oder später der Heißhunger. Der Ernährungsexperte empfiehlt daher, mit Struktur an die Essenplanung zu gehen und sich im Vorfeld zu überlegen, was den Tag über verzehrt werden soll. Das gelte auch fernab von Corona. Dabei könne es hilfreich sein, sich Mahlzeiten zu überlegen, auf die man hinarbeitet, wie zum Beispiel ein Stück Kuchen oder zwei Kugeln Eis am Nachmittag. Aber auch klassische Snacks empfiehlt er, etwa Nüsse, Gemüse oder gekochte Eier. Joghurt mit 3,8 Prozent Fett, kombiniert mit Obst oder eine 30 Gramm große Portion 70-prozentiger Schokolade mit einer Tasse oder Kaffee können zwischen den Hauptmahlzeiten gute Alternativen sein.

Emotionales Essen sollte hinterfragt werden

Wer immer wieder, ohne großen Hunger, zu Snacks greift, sammelt im Laufe des Tages einige Kalorien. Der Umstand nicht unter der Beobachtung der Kollegen zu stehen, begünstige das häufige Snacken im Homeoffice laut Bach noch. Der Ernährungswissenschaftler und Autor Uwe Knop sieht dieses Problem hingegen nicht. Wichtig sei es, zu essen, wenn man wirklich Hunger hat.

Beim emotionalen Essen sollte nicht zu stark übertrieben werden, das gelte im Büro wie im Homeoffice. „Süßigkeiten sind kein Problem, sondern ein normales Lebensmittel“, so Knop. „Es kommt immer darauf an, wann esse ich etwas, warum und wie viel.“ Wer an sich selbst jedoch bemerke, bei Langeweile oder Stress immer zu Süßigkeiten und Co. zu greifen, sollte sich hinterfragen, wieso dies der Fall ist. Denn dann versuche man, mit Essen psychische Zustände zu beeinflussen. Dabei sei es wichtig, ehrlich mit sich selbst zu sein und die Ursache anzugehen.

Laut Uwe Knop kann man den Kreislauf unterbinden, indem man darauf verzichtet, in diesen Situationen zu essen und stattdessen auf Ablenkungen baut. Dabei kann, aber muss es sich nicht um Sport handeln. Spazieren, Tätigkeiten im Haushalt oder telefonieren können ebenso hilfreich sein, um gegen emotionales Essen vorzugehen.

Auch Fast-Food kann ab und zu auf den Tisch

Wer mit Struktur an die Essensplanung geht, kann nach Ansicht des Ernährungsexperten Sven Bach auch mal einen Fast-Food-Tag in der Woche einbauen. Dies sei auch für Kinder erfreulich, die mit Blick auf den Burger am nächsten Tag vielleicht durchaus Gefallen an dem am Vortag aufgetischten „gesunden Mittagessen“ finden.

Uwe Knop vermutet, dass wir uns durch die neuen Umstände wieder bewusster mit den Lebensmitteln, der Zubereitung und somit mit dem eigenen Essverhalten auseinandersetzen. Ein durchaus positiver Effekt der Krise, findet der Ernährungswissenschaftler. „Vielleicht merkt der ein oder andere, dass in ihm ein Hobbykoch geschlummert hat.“

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