Ernährungsfragen Verzehren Veganer auch mal Wespen?
Richtig essen ist gar nicht so leicht. Doch es gibt einen Trost: Am Ende kommt sowieso alles zusammen.
Richtig essen ist gar nicht so leicht. Doch es gibt einen Trost: Am Ende kommt sowieso alles zusammen.
Stuttgart - Feigen sind ein leckerer und zugleich natürlicher Snack. Zudem sind sie eine beliebte Kochzutat – nicht nur in der orientalischen Küche. Und wie Früchte das so an sich haben, sind sie auch vegan. „Bist du dir da sicher?“, fragt die Kollegin. „Ich hab mal was über Wespen in Feigen gelesen.“ Die darauf folgende investigative GoogleRecherche fördert für strenge Veganer Erschreckendes zutage: Feigen werden von winzigen Wespen bestäubt, die dabei ihr Leben lassen und in den bestäubten Blüten verbleiben. Diese Feigenwespen gehören zu den Erzwespen und sind mit einer Länge von ein bis vier Millimetern deutlich kleiner als die nervtötenden echten Wespen, die im Café um den Bienenstich schwirren.
Aber können Veganer nun Feigen essen oder nicht? Die Krankenkasse IKK Südwest weist in einem Internetbeitrag darauf hin, dass man beim Verzehr von Feigen nicht die toten Wespen als solche zu sich nimmt. Denn diese werden von den Enzymen der Pflanze in ihre Bestandteile zerlegt, welche wiederum irgendwo in das Pflanzengewebe eingebaut werden. Es ist also nicht auszuschließen, dass sich in der Feige, die man gerade verspeist, ein paar Atome befinden, die vorher im Körper einer Feigenwespe Dienst taten. Und wieder vorher vielleicht in einer anderen Pflanze, an der die Wespe geknabbert hat. Und wenn diese Pflanze mit Rindermist gedüngt wurde, befanden sich in ihr mutmaßlich auch Atome aus dem Körper eines Rindviehs – und so weiter. Vielleicht sollten die Dilettanten vom Grünen Punkt sich mal ein Beispiel an der Natur nehmen. Die versteht auf jeden Fall deutlich mehr von Recycling.
So stecken auch in uns Menschen Atome, die zuvor schon etliche andere Positionen innehatten. Die Wissenschaftskomiker von den Science Busters haben mal ausgerechnet, dass jeder von uns statistisch rund 20 Millionen Atome von Jesus in sich trägt – unter der Annahme, dass dieser tatsächlich um die in der Bibel beschriebene Zeit auf Erden weilte. Und seitdem lagen diese Atome auch nicht nur auf der faulen Haut. Sie hatten etliche andere Jobs – vermutlich sowohl im Tier- als auch im Pflanzenreich, weshalb die Trennung zwischen vegan und nichtvegan auf atomarer Ebene eigentlich keinen Sinn ergibt. Am Ende kommt sowieso alles zusammen.
Besonders gute Aufstiegschancen hat man übrigens als Kohlenstoffatom: Wenn ein Mensch oder ein Tier aus Kohlenhydraten oder anderen Nahrungsmitteln Stoffwechselenergie gewinnt, kann man sich mit zwei Sauerstoffatomen verbinden, als Kohlendioxidmolekül ausgeatmet werden und dann unbeschwert über den Dingen schweben. Zumindest so lange, bis man wieder von einer Pflanze aufgenommen und ruckzuck in ein Zuckermolekül eingebaut wird.
Der endlose Kreislauf der Atome hat etwas Beruhigendes. Auch wenn wir am Ende unserer körperlichen Existenz sind, wird nichts verschwendet. Allerdings können wir nie wissen, wo unsere Atome als Nächstes landen. Mit etwas Glück vielleicht in einer wunderschönen Blume, aber wenn es dumm läuft womöglich im Spike-Protein eines Coronavirus. Dann doch lieber in einer Feige – zusammen mit ein paar netten Feigenwespenatomen. Guten Appetit!
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