Erneuerbare Energie im Rems-Murr-Kreis Flaute bei der Windkraft

Von  

Der Rems-Murr-Kreis erreicht die selbst gesetzten Klimaschutzziele nicht. „Schuld“ ist die Flaute bei der Windkraft. Statt mindestens 23 hält die Verwaltung perspektivisch nur noch maximal sechs Windräder für realistisch.

Die FDP in Persona von Jochen Haußmann schlägt vor, auf Windkraftnutzung im Kreis zu verzichten und sich stattdessen lieber  außerorts zu engagieren. Foto: dpa
Die FDP in Persona von Jochen Haußmann schlägt vor, auf Windkraftnutzung im Kreis zu verzichten und sich stattdessen lieber außerorts zu engagieren. Foto: dpa

Waiblingen - Der Rems-Murr-Kreis kommt bei seinen vor vier Jahren gesteckten Klimaschutzzielen nur langsam voran. Zwar hat die heimische Produktion von Strom aus erneuerbaren Energiequellen laut einem Bericht der Landkreisverwaltung zwischen den Jahren 2008 und 2015 um rund 175 Prozent zugenommen. Die für das vergangene Jahr gesteckten Werte werden aber nur zu 78 Prozent erreicht, und die bis 2025 anvisierte Marke, die eine weitere Verdopplung nötig macht, scheint kaum mehr realistisch.

Der Grund dafür ist, dass die Nutzung von Windenergie wohl kaum in dem Maße möglich sein wird, wie das bei der Erstellung des Klimaschutzkonzeptes angenommen worden war. Bis 2025 sollten demnach 112 000 Megawattstunden Strom aus Windkraftanlagen eingespeist werden, wozu beim heutigen Stand der Technik 23 Windräder errichtet werden müssten. Aufgrund der aktuellen Genehmigungsauflagen sieht das Landratsamt auf dem Gebiet des Rems-Murr-Kreises mittlerweile aber lediglich sechs Windanlagen mit einer Leistung von 19,5 Megawatt als realistisch an. Bisher gibt es nur für den Standort Goldboden auf einer Hochebene bei Manolzweiler, einen konkreter Bauantrag .

Fotovoltaik bei 62 Prozent

Auch die Sonnenenergienutzung hat noch nicht das erwartete Maß erreicht. Die für 2015 gesetzte Marke, 137 000 Megawattstunden, wurde nur zu rund 62 Prozent erreicht. Bei der Stromproduktion durch Biomasse hingegen übertreffen die aktuellen Zahlen, 65 000 Megawattstunden, bereits die erst für 2025 gesteckten Ziele. Ein weiterer massiver Ausbau erscheint indes wegen des vergleichsweise hohen Flächenverbrauchs als fragwürdig.

Für Jochen Haußmann, dessen FDP-Fraktion ebenso wie die Grünen einen Sachstandsbericht gefordert hatte, sind die Erkenntnisse ein klares Indiz dafür, dass sich der Kreis bei seinen Klimaschutzzielen „neu orientieren“ müsse. In einer „windarmen Region“ auf Windkraft zu setzen sei nicht sinnvoll, sagt der Mann, der sich schon im Landtagswahlkampf als Windkraftgegner profiliert hatte. Sein Vorschlag: außerhalb des Kreises in solche Anlagen zu investieren und somit die CO2-Einsparung gewissermaßen zu importieren – oder die gesetzten Zielmarken nach unten zu korrigieren.

Damit indes stieß er im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistags auf wenig Zustimmung. „Ohne Zielmarken kommt man nicht voran“, sagte Klaus Riedel von der SPD. Zwar lege der Bericht nahe, dass im Kreis nicht so viele Windkraftanlagen möglich seien, wie ursprünglich gedacht, aber „die Windkraft ist ein Mosaikstein, auf den wir nicht verzichten können“. Auch Willy Härtner (Grüne) plädierte dafür, alle vorhandenen Potenziale auszunutzen und neue Technologien, etwa bei der Fotovoltaik oder der Stromspeicherung, in das Konzept einzubeziehen.

Sorgen der Bürger einbeziehen

Man müsse den Mut haben, sich einzugestehen, dass nicht alles in der Zeit zu erreichen sei, die man sich vorgenommen habe, sagte hingegen der CDU-Kreisrat und Großerlacher Bürgermeister Christoph Jäger. Dies auch, weil man sich mit den Sorgen der Bürger auseinandersetzen müsse. Dennoch dürfe man sich von dem Klimaschutzkonzept nicht einfach verabschieden. „Wenn wir unser Ziel fünf Jahre später erreichen, dann ist das auch noch toll.“

Der Landrat Richard Siegel wies darauf hin, dass der Kreis zwei Rollen gerecht werden müsse: Zum einen verfolge man eigene ehrgeizige Ziele, zum anderen müsse man insbesondere bei der Windkraft als staatliche Genehmigungsbehörde abwägen. „Uns ist da ein enger Rechtsrahmen gesetzt, der wenig Ermessensfreiräume zulässt“, betonte der Bau-, Umwelt- und Verkehrsdezernent Peter Zaar. Dass man in Sachen Ausgewogenheit dabei nicht ganz daneben liege, legten die Reaktionen nahe, die regelmäßig im Landratsamt eingingen: „Die einen werfen uns vor, wir würden die Sache verschleppen, die anderen, dass wir alles ungeprüft durchwinken.“




Veranstaltungen

Unsere Empfehlung für Sie