Erneuerbare Energien Goldgräberstimmung beim Wasserstoff

Von Jaqueline Fritsch 

Die Bundesregierung treibt die Herstellung von Wasserstoff voran. Die Abnehmer hat sie auch schon im Blick. Stefan Kaufmann aus Stuttgart, der neue Innovationsbeauftragte für grünen Wasserstoff, sagt, es gebe hier einen großen Hype.

Um Pkws geht es bei der Nationalen Wasserstoffstrategie nicht vorrangig. Man habe einen anderen Bereich im Blick, sagt Stefan Kaufmann. Foto: Jaqueline Fritsch
Um Pkws geht es bei der Nationalen Wasserstoffstrategie nicht vorrangig. Man habe einen anderen Bereich im Blick, sagt Stefan Kaufmann. Foto: Jaqueline Fritsch

Stuttgart - Die Bundesregierung will, dass Deutschland in Sachen Wasserstoff ganz vorne mit dabei ist. Deshalb wurde im Juni die Nationale Wasserstoffstrategie veröffentlicht, und das Bundesministerium für Bildung und Forschung ernannte den Stuttgarter Bundestagsabgeordneten Stefan Kaufmann zum Innovationsbeauftragten für grünen Wasserstoff. Es soll sich also etwas tun – und zwar laut Kaufmann „relativ schnell“. So will er, dass bis 2023 in Deutschland Anlagen zur Herstellung von grünem Wasserstoff gebaut werden, die dann in solche Regionen verkauft werden können, wo Strom aus erneuerbaren Energien wie Wind und Wasser gewonnen wird.

„In Deutschland und Europa werden wir es nicht schaffen, in großen Mengen grünen Wasserstoff herzustellen“, sagt Kaufmann, „deshalb werden wir in großem Umfang importieren müssen“. Und dazu seien Partnerschaften mit möglichst vielen Ländern nötig. Diese aufzubauen sei eine seiner ersten Aufgaben als Innovationsbeauftragter. „Ich habe noch nie an einem Thema gearbeitet, das einen solchen Hype ausgelöst hat“, sagt Stefan Kaufmann, „in Sachen Wasserstoff herrscht gerade in vielen Ländern Goldgräberstimmung“. Das habe einen Grund: „Wasserstoff ist der einzige Weg, unsere Klimaziele zu erreichen“, sagt er.

Man will sich zuerst die Großen vornehmen

In der politischen Strategie, den Wasserstoff nun voranzutreiben, spielt die Mobilität – zumindest im Pkw-Bereich – nicht wirklich eine Rolle. „Wasserstoff wird immer ein teures Produkt bleiben“, sagt Stefan Kaufmann, „deshalb müssen wir gucken, wo wir mit dem Einsatz die größten Effekte erreichen“. Die seien in der Großindustrie zu finden, in der Chemie und der Stahlproduktion, überall dort, wo viel CO2 emittiert wird. „Verglichen damit spielt der CO2 -Ausstoß von Pkws eine untergeordnete Rolle“, sagt Kaufmann. In Sachen Mobilität wolle man sich deshalb auch zuerst die Großen vornehmen: Schwerlastfahrzeuge, große Minen-Bagger und Schiffe. In der Wasserstoffstrategie der Bundesregierung heißt es dazu: „Die wasserstoffbasierte Mobilität ist für solche Anwendungen eine Alternative, bei denen der direkte Einsatz von Elektrizität nicht sinnvoll oder technisch nicht machbar ist.“ Rein elektrisch geht also vor. „Wir wollen natürlich die Entwicklung im Pkw-Bereich nicht verhindern“, sagt Kaufmann. Man könne aber nicht alles auf einmal fördern.




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