Region Stuttgart Wird Renningen Windrad-Hochburg?
Der Verband Region Stuttgart hat in einem Planentwurf Vorranggebiete für Windkraftanlagen bestimmt. Für Renningen sind vier Flächen vorgesehen. Wird der Ort zum Schwerpunkt?
Der Verband Region Stuttgart hat in einem Planentwurf Vorranggebiete für Windkraftanlagen bestimmt. Für Renningen sind vier Flächen vorgesehen. Wird der Ort zum Schwerpunkt?
In der Renninger Gemeinderatssitzung war es kürzlich so voll wie selten. Zahlreiche Bürger hatten sich eingefunden, um die Beratungen des Gremiums zu verfolgen. Schließlich stand ein Punkt zur Windkraft auf der Tagesordnung – genauer: der Entwurf des Verbands Region Stuttgart, der mögliche sogenannte Vorranggebiete für Windkraftlagen aufzeigt.
Es handelt sich um fest umrissene Gebiete, in denen Windräder stehen können und auch sollen. Umgekehrt dürfen auf Flächen außerhalb dieser Gebiete keine Windräder stehen.
32 dieser Vorranggebiete sind für den Landkreis Böblingen vorgesehen. Vier davon liegen komplett oder teilweise auf Renninger Gemarkung. Am besten für einen Windpark eignet sich aus Sicht der Stadtverwaltung die Vorrangfläche im Hardtwald im Norden von Renningen. Die Stadt würde das Gebiet sogar gerne noch vergrößern. In der Nähe liegt der Flugplatz Malmsheim. Dort landen seit Jahrzehnten die Fallschirmspringer der Bundeswehr, was zu Konflikten mit Blick auf einen Windpark führen könnte. Verteidigungsministerium und Land planen bereits, den Standort aufzugeben und nach Geislingen zu verlegen. Deshalb will die Stadt beantragen, mit Aufgabe des Flugplatzes die Vorrangfläche nach Süden mit ausreichend Abstand zum Bosch-Campus zu erweitern. Auch der im Entwurf freie Korridor zur Perouser Allee westlich der K 1013 (zwischen Malmsheim und Perouse) soll nach Willen der Stadt wegfallen.
Kommt ein Windpark im Hardtwald nicht zustande – zum Beispiel, weil der Flugplatz noch militärisch genutzt wird, – wäre laut Stadtverwaltung das Gebiet um den Moorwald und Bergwald im Süden von Renningen der größte Alternativstandort in städtischer Hand.
Auf der Vorrangfläche nördlich von Malmsheim wäre nach Ansicht der Stadt ein interkommunaler Windpark mit Weil der Stadt möglich. Das Gebiet liegt überwiegend auf der Gemarkung Merklingen, betrifft aber auch den Renninger Walddistrikt Schönlau. Einen weiteren möglichen Standort nördlich der B 295 möchte die Stadt vergrößern: Das Gebiet ist kleinteilig und nur eingeschränkt in der öffentlichen Hand und solle deshalb in den Bereich Lerchenberg erweitert werden.
Es gehe um die Energie der Zukunft, sagte Bürgermeister Wolfgang Faißt (Frei Wähler) und betonte die Dringlichkeit, mögliche Standorte für Windkraftanlagen auszuweisen. „Wir müssen und wollen Vorrangflächen definieren, damit eine Steuerung möglich ist und kein Wildwuchs auf unserer Gemarkung eintritt.“
Das hat es mit der Befürchtung auf sich: Der Verband Region Stuttgart ist – wie die übrigen Regionalverbände im Land – gesetzlich dazu verpflichtet, mindestens 1,8 Prozent der Regionsfläche als solche Vorranggebiete auszuweisen. Dazu wurde eine Fortschreibung des Regionalplans eingeleitet, bis September 2025 soll dieser beschlossen sein. Wenn der Verband Region Stuttgart es nicht schafft, die 1,8 Prozent der Fläche bis zu den gesetzlichen Fristen auszuweisen, hätte das eine „Super-Privilegierung“ zur Folge. Windräder wären dann auf allen freien Flächen zulässig, wo keine anderen Ausschlusskriterien greifen. Für die Kommunen würde das bedeuten, ihre Möglichkeiten zur Steuerung zu verlieren. Aktuell befindet sich der Verband mitten in einem öffentlichen Beteiligungsverfahren. Bis zum 2. Februar können die Kommunen Stellung zum Planentwurf nehmen.
Die Fraktionen im Gemeinderat zeigten sich schon in ihren Haushaltsreden positiv eingestellt gegenüber dem Thema Windkraft. Es sei wichtig, die Zügel in der Hand zu halten, betonte Dennis Metzulat (SPD). „Was würde passieren, wenn man dem Regionalplan nicht zustimmt? Der Handlungsraum würde komplett verloren gehen.“ Und so war es wenig überraschend, dass die Gemeinderäte einstimmig ihr Einverständnis zu den Vorranggebieten und den Erweiterungswünschen der Stadt gaben.
Dass die Flächen Vorranggebiete für Windkraft sind, heißt aber nicht, dass sich überall die Rotoren drehen werden. Dadurch, dass es sich zu großen Teilen um städtische Fläche handelt, hat die Kommune in der Hand, ob dort Windräder entstehen und wie viele Anlagen an welchen Standorten genau platziert werden, erläuterte der erste Beigeordnete Peter Müller. Dabei sollen auch die Bürger einbezogen werden.