Erneuerbare Energien Reicht der Solarboom im Südwesten für die Klimaziele?

Bundesweit boomt der Ausbau von Solaranlagen. Foto: picture alliance/dpa/Marijan Murat

Auch in Baden-Württemberg ist die Zahl der Photovoltaikanlagen im vergangenen Jahr massiv gestiegen. Doch kommt die Landesregierung damit ihren Klimazielen näher?

Entscheider/Institutionen: Annika Grah (ang)

2023 war ein Boomjahr für erneuerbare Energien auch im Südwesten: Rund 140 000 neue Anlagen kamen im vergangenen Jahr hinzu – mit einer Leistung von rund 1860 Megawatt. Das teilte das Umweltministerium am Freitag mit. Der Ausbau entspricht einem Plus von 130 Prozent gegenüber 2022. Eine gute Nachricht?

 

Klimasachverständigenrat sieht Ausbau auf Zielpfad

Der Klimasachverständigenrat, der der Landesregierung bei der Klimapolitik auf die Finger schaut, meint Ja: Im September kamen die Experten zu dem Schluss, dass sich der Solarausbau mit der hohen Entwicklungsdynamik auf dem richtigen Pfad für die Klimaziele für 2040 befinde. Dann soll das Land nach den Plänen der Landesregierung klimaneutral sein. Die Herausforderung werde aber sein, dieses Niveau zu halten.

Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) sieht das Land nicht am Ziel: „Um unsere Klimaschutzziele zu erreichen und die Strompreise dauerhaft günstig zu halten, müssen wir die Photovoltaik weiter ausbauen“, sagt Walker.

Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz ist angesichts der vorliegenden Zahlen zuversichtlich. Ihm gebe allerdings zu denken, dass Freiflächen und sogar einige Dachanlagen nicht ans Netz angeschlossen werden könnten, weil dies die zusätzlichen Strommengen nicht aufnehmen könne. Es brauche effiziente, pragmatische und kostengünstige Lösungen. „Im Sinne der Wirtschaftlichkeit ist es notwendig, die Gesamtkosten zu senken – beispielsweise, indem Freileitungen gegenüber Erdkabeln im Übertragungsnetz bevorzugt werden.“

Branchenvertreter halten den Ausbau hingegen für nicht ausreichend. Neuen Analysen des Solar Clusters zufolge sind pro Jahr rund 4000 Megawatt nötig, um die im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Ziele einzuhalten, heißt es vom Branchenverband. Die neuen Zahlen deckten sich mit denen anderer Institutionen und Experten. So gehe etwa der Netzentwicklungsplan der vier Übertragungsnetzbetreiber von 2800 bis 3500 Megawatt erforderlichem Solarzubau pro Jahr allein in Baden-Württemberg aus. Dafür müssten weitere rechtliche Hürden abgebaut werden – etwa für die Zertifizierungen für mittelgroße Anlagen, fordert der Geschäftsführer des Branchenverbandes, Andreas Schlumberger.

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