Die beiden Kommunen im Kreis Böblingen wollen bei Windkraft einen gemeinsamen Weg gehen. Teile des Heimsheimer Gemeinderats fordern wiederholt einen Bürgerentscheid.
Ohne den erkrankten Bürgermeister Jürgen Troll hat der Heimsheimer Gemeinderat beschlossen, den nächsten Schritt in Sachen Windkraft zu gehen. Mit einer Mehrheit von sieben Ja- bei fünf Nein-Stimmen votierte das Gremium dafür, ein Verfahren einzuleiten, bei dem mögliche Projektierer für Windkraftanlagen ihr Interesse bekunden können. Dies geschieht gemeinsam mit der Nachbarkommune Weissach, deren Windvorrangflächen an die von Heimsheim grenzen. War dieser Schritt im Heimsheimer Gemeinderat durchaus umstritten, zeigte das Gremium aber Einigkeit bei der Zustimmung zum interkommunal ausgehandelten Kriterienkatalog für die Auswahl eines möglichen Projektierers.
Nicht einverstanden mit dem Vorgehen zeigte sich Gaby Wulff (Bürger für Heimsheim BfH). Sie sprach von Aktionismus und dass es falsch sei, diesem Schritt jetzt zuzustimmen, weil man damit schon Wohlwollen signalisiere. Vielmehr sei jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Bürgerentscheid über Windkraft. „Was von unserer Fläche reinfällt, ist gesunder aktiver Wald. Wir wollen wissen, wie die Bevölkerung dazu steht“, sagte Gaby Wulff. Auch kenne man noch nicht die konkreten Pläne der Nachbarorte, etwa von Weil der Stadt. Sie befürchte eine Umzingelung durch bis zu 15 Windräder.
Antrag auf Bürgerentscheid schon im Mai 2024
Bereits im Mai 2024 hatte Wulff mit ihrer Fraktion einen Antrag für einen Bürgerentscheid zur Windkraft gestellt. Auf Antrag der CDU-Fraktion hatte der Rat damals aber dafür votiert, eine Entscheidung zu vertagen, bis Informationen des Interessenbekundungsverfahrens vorliegen. Nun hält Gaby Wulff den richtigen Zeitpunkt für gekommen. „Uns war und ist es wichtig, die Bürger mitzunehmen und einzubinden“, sagte sie. Zwar könne man auch noch warten, bis die Ergebnisse aus dem Interessenbekundungsverfahren vorliegen. Doch sie ärgere sich darüber, dass sie jetzt vom ersten stellvertretenden Bürgermeister Ralf Rüth (CDU) aufgefordert wurde, noch einmal einen schriftlichen Antrag zu stellen. „Uns läuft die Zeit davon, irgendwann muss man die Leute doch mal mit ins Boot holen.“
Ralf Rüth versicherte auf Nachfrage gegenüber unserer Zeitung, dass „wir nichts über die Köpfe der Bürger hinweg entscheiden werden“. Man nehme die Bürger sehr ernst. „Wenn wir aus der Bevölkerung breiten Widerstand spüren, dann sind wir die letzten, die das durchdrücken“, so der Stadtrat. Er selbst habe aber bisher keine entsprechenden Stimmen gehört. Die Platzierung von Windrädern im kommunalen Wald sehe er allerdings auch kritisch. Er betonte, dass es eine Veranstaltung geben werde, bei der die Windkraft vorgestellt wird.
Stadträtin Hannah Hensler (SPD) setzt auf das gemeinsame Projekt mit Weissach. „Denn wenn Weissach das ohne uns macht, haben wir keinen Einfluss darauf“, meinte sie. „Es ist wichtig, dass wir hier weiterkommen.“ Auch die Beteiligung der Bürger sei wichtig. Das betonte Michael Teichmann (Freie Wähler). Man solle die Bevölkerung zu Informationsveranstaltungen einladen.
Der recht umfangreiche Kriterienkatalog, der von Heimsheimer und Weissacher Gemeinderäten in einem Workshop formuliert wurde, setzt vor allem auf den Schutz der Bevölkerung vor übermäßiger Belastung durch Windräder. Die Anlagen müssen deshalb mindestens 1000 Meter von der Wohnbebauung entfernt sein, und es dürfen nicht mehr als vier Windräder auf den beiden Windvorranggebieten errichtet werden. Die betreffende gemeindeübergreifende Waldfläche, auf denen die Anlagen installiert werden könnten, liegen im Westen der Gemeinde Weissach und im Norden von Heimsheim und entsprechen den sogenannten Windvorranggebieten BB-32 und WE-19.
Ein Freiburger Dienstleister begleitet Weissach
Auch in Weissach wurde über die nächsten Schritte in Sachen Windkraft entschieden: In seiner letzten Sitzung vor den Sommerferien hat der Gemeinderat der Heckengäugemeinde den gemeinsamen Kriterienkatalog einstimmig verabschiedet. Der Belastungsschutz stehe für die Kommunen im Vordergrund, heißt es seitens der Gemeinde Weissach. Begleitet wird das nun eigentlich anstehende Vergabeverfahren von einem auf nachhaltige Energieprojekte spezialisierten Dienstleister aus Freiburg.
Die Stadt Weissach hatte geplant, mit der Ausschreibung für das Windkraftprojekt bereits in den Sommermonaten zu starten. Abhängig war die weitere Planung jedoch vom parallel geführten Entscheid in Heimsheim. Nun, wo beide Kommunen grünes Licht gegeben haben, soll die Ausschreibung für das Interessenbekundungsverfahren für Projektierer eingeleitet werden. Mögliche Investoren sollen dann im Gemeinderat ihre Vorstellungen erläutern und mit „Zahlen, Daten und Fakten“ belegen, wie der Heimsheimer Stadtrat Dennis Waldherr (CDU) betonte. „Erst dadurch bekommen wir die nötigen Informationen, auf deren Grundlage wir dann entscheiden können“, erklärte er. Noch sei nichts in Stein gemeißelt.