Ernte-Aktionen im Strohgäu Fleißige Helfer retten Äpfel vor dem Vergammeln

Die Apfelbäume im Land tragen viele Früchte. Foto: dpa-Zentralbild
Die Apfelbäume im Land tragen viele Früchte. Foto: dpa-Zentralbild

Die Apfelbäume biegen sich jetzt unter der Last der Früchte. In den Kommunen im Strohgäu gibt es jede Menge Ernte-Aktionen. Auch für Kinder.

Strohgäu - Die Jüngsten erwartet viel Arbeit, wenn sie vom 18. September an drei Wochen lang durch Gerlingen ziehen und Äpfel ernten. Die Äste der Bäume biegen sich unter dem Gewicht der vielen Früchte, manche sind schon abgebrochen, zahlreiche Äpfel liegen bereits am Boden. Unter der Sonne, die permanent schien, ist das Obst schnell gereift. Es sieht alles danach aus, als könnte dieses Jahr dank der Hitze ein Rekord-Apfeljahr werden.

„Wir haben ein Überangebot“, sagt Lucetta Amos von der Lokalen Agenda Gerlingen. Sie organisiert seit 2008 die Apfel-Sammelaktion: Im Herbst wird sie 368 Kinder aus den örtlichen Kitas und Schulen an ihrer Seite haben, die beim Ernten helfen. Zehn städtische und vier private Grundstücke stehen zur Verfügung. Mit rund 13 erwachsenen Helfern holen die Kinder die Äpfel von den Bäumen und stecken sie in Jutesäcke. Mitarbeiter des Bauhofs bringen sie zu einer Mosterei. Von dort wird der fertige Apfelsaft dann zum Trinken an die beteiligten Kindergärten oder Schulen geliefert. Bislang sind auf diese Weise jedes Jahr ein bis zwei Tonnen Äpfel zusammengekommen. Kürzlich hat Lucetta Amos zur Vorbereitung auf die Sammelaktion mit einigen Freiwilligen auf sieben Grundstücken drei Stunden lang Äpfel lediglich vom Boden aufgelesen – und 314 Kilo geerntet.

Korntal-Münchingen belohnt Bürger

Geht es nach der 62-Jährigen, würde sie auf mehr Wiesen im Ort Äpfel vor dem Vergammeln retten. Doch viele Eigentümer haben offenbar kein Interesse – oder sind schwer auszumachen. Amos berichtet, dass sie schon im Sommer Grundstücksbesitzer fragt, ob sie deren Äpfelbäume abernten dürfe. „Es kam keine Reaktion.“ So sind es für gewöhnlich immer dieselben Bäume, die die Helfer abernten. Ein weiteres Grundstück hätte Amos dieses Jahr zwar mit dazu haben können. Allerdings sei es zugewuchert mit Sträuchern und dichter Wiese, sodass „wir an die tollen Äpfel nur herankommen, wenn wir die Wiese mähen“. Sie finde es schade, dass manche Besitzer ihre Streuobstwiesen verkommen lassen.

Korntal-Münchingen belohnt Bürger, die ihre Streuobstwiesen in Schuss halten. Dazu legte die Stadt 1992 ein Förderprogramm auf. Laut Angelika Lugibihl, Leiterin des Sachgebiets Umwelt-, Klima- und Naturschutz, erhält jeder Grundstückseigentümer für die gute Pflege seiner Wiese fünf Euro pro Baum. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) erntet im Herbst das Obst der Bäume von städtischen Streuobstwiesen. Daraus entsteht Apfelsaft.

Auch Hemmingen achtet darauf, dass die Flächen der Gemeinde gepflegt sind. „Sie sind an Landwirte verpachtet, die in der Regel auch die Äpfel ernten“, sagt Elke Baum vom Bauverwaltungs- und Liegenschaftsamt. Zwei größere Parzellen am Eulenberg-West mit rund 120 Bäumen und beim Schützenhaus mit etwa 100 Bäumen würden indes von der 1. Fasnetgilde Hemminger Strohgäunarren beziehungsweise Drittklässlern abgeerntet. Um die Äpfel der Bäume unterhalb der Sporthallen kümmerten sich der Obst- und Gartenbauverein sowie Privatpersonen. „Diese bewährte Verteilung garantiert, dass das Obst unserer Bäume nicht verkommt“, sagt Baum.

Nahrung für die Drossel

35 Apfelbäume stehen am Eulenberg auf der Fläche des Naturschutzbunds Schwieberdingen-Hemmingen. Die Ernte-Aktion zähle zu den beliebtesten Projekten des Nabu, sagt der Vorsitzende Thomas Gölzer. Aus seiner Sicht können einige Äpfel ruhig hängenbleiben. Was die Kinder nicht ernten, überlasse man der Wacholderdrossel. „Die Vögel freuen sich“, sagt Gölzer.

Die Stadt Ditzingen konnte urlaubsbedingt keine Auskunft geben. Laut Sprecher Steffen-Michael Eigner sind alle städtischen Streuobstwiesen verpachtet.

Wie die Naturschützer will auch Lucetta Amos aus Gerlingen dem Nachwuchs die Natur und die Bedeutung von Streuobstwiesen näherbringen – zumal Kinder zunehmend Stadtkinder würden. „Manche tragen bei der Ernte völlig falsche Kleidung“, stellt Amos fest. Kinder sollten viel öfter in die Natur. „Wir Gerlinger haben doch so viel Glück, dass wir so viel Grün haben“, sagt Amos.

Lucetta Amos braucht noch Freiwillige für die Ernte: 0 71 56 / 2 14 63. Die Ernte des Nabu Schwieberdingen-Hemmingen ist am Samstag, 6. Oktober, 2018. Die Kinder treffen sich um 14 Uhr auf dem Spielplatz an der Helene-Lange-Straße.




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