Ernte im Rems-Murr-Kreis Erdbeerbauern erwarten ein „Bomba-Gesälz“

2025 ist ein gutes Erdbeer-Jahr – Qualität und Quantität stimmen, die Früchte haben ein „tolles Aroma“, sagen die Anbauer. Foto: Ingrid Sachsenmaier

Die Erdbeer-Ernte im Remstal ist außergewöhnlich – die Früchte haben viel Aroma. Das Wetter spielt mit, es ist (noch) nicht zu warm und oft bedeckt. Doch am Wochenende wird es heiß.

Die Erdbeer-Ernte ist in vollem Gange. Die Erdbeere ist mit Abstand die beliebteste Frucht der Deutschen, liegt sogar vor dem Apfel. Für 79 Prozent, also jeden vierten, ist die Erdbeere die absolute Lieblingsfrucht. Dieses Jahr kommen ihre Fans auf ihre Kosten und – zumindest im Remstal – die Erdbeer-Anbauer regelrecht ins Schwärmen. Sie sparen nicht mit Superlativen: „Noch schöner geht nicht.“ Für Landwirte ist so ein Lob eher ungewöhnlich. Die Meinung und Freude von Mathias Kilburger in Weinstadt-Beutelsbach, Philipp Bauerle in Fellbach-Schmiden und Joachim Mergenthaler in Waiblingen-Hegnach fällt unisono aus: „Dieses Jahr ist bis jetzt ein tolles Erdbeerjahr. Die Früchte sind super aromatisch. Es gab keinen Frost, und das Wetter ist ideal.“

 

Philipp Bauerle ist mitten drin in der Ernte. Nachdem er „drei bis vier Tage später als sonst“ mit der Ernte begonnen hat und die erste Sorte Clery mittlerweile fast abgeerntet ist, kommen jetzt die ersten Früchte von Sinfonie, „deren Früchte etwas kleiner sind“, auf den Markt. Philipp Bauerle freut sich über die „wunderbar aromatischen Früchte“, nachdem in der vergangenen Saison die roten Früchte eher enttäuscht haben beim Geschmack. Bei Bauerle können, und das ist im Remstal mittlerweile die Ausnahme, wieder Selbstpflücker ans Werk, gegenüber der Feldscheune zwischen Schmiden und Cannstatt. Er habe keine Probleme mit den „Selbstpflückern“, sagt Bauerle.

Kollegen verlangen Eintritt ins Selbst-Pflückerfeld

Einige Kollegen sehen das anders: In Rheinland-Pfalz verlangen mehrere sogar Eintritt ins Selbstpflückerfeld, und auch Joachim Mergenthaler aus Hegnach sieht das Selbstpflücken kritisch. „Die Leute hauen sich den Bauch voll, pflücken nur die großen Beeren, lassen die kleinen hängen und nehmen dann am Ende nur eine Schale, die sie bezahlen, mit“, erinnert er sich einige Jahre zurück. Bei Bauerle zahlen Selbstpflücker fürs Kilo aktuell fünf Eure, ab 2,5 Kilo sind es 4,40 und ab 5 Kilo jeweils vier Euro. Im Hofladen kostet die 500-Gramm-Schale derzeit 3,90 Euro, bei Abnahme von drei Schalen kostet ein Pfund 3,30 Euro. Dennoch rät er, mit dem Einmachen von Marmelade noch etwas abzuwarten.

Die Erdbeere sei ein „Mimöschen“ beschreibt Bauerle die Lieblingsfrucht der Deutschen, wenn es zu feucht ist, fault sie, Bodenfrost mag sie nicht und zu große Hitze auch nicht, dann wird sie matschig und „übergärig“. So wie das Wetter aktuell ist, sei es „ideal“. Nicht zu warm und bedeckt, „so könnte es bleiben“. Wind sei per se nicht schlecht, „dann gibt es weiniger Pilzbefall“. Philipp Bauerle legt zwischen den Reihen Stroh aus und zum Verfrühen der Ernte nimmt er Vlies. Bald kommt schon die nächste Frucht, „in zwei Wochen haben wir die ersten Kirschen, und dann kommen schon bald Himbeeren“.

Anbauer macht den Kunden den Mund wässrig

Mathias Kilburger ist bis jetzt „höchst zufrieden mit der Erntemenge und der Qualität.“ Die Nachfrage nach Erdbeeren sei sehr groß, freut er sich. Er vermarktet die Früchte in seinem Hofladen in Beutelsbach und auf dem Großmarkt. Angebaut wird „klassisch im Freiland“, bewässern müsse er die Kulturen immer, sagt er, unabhängig von den trockenen Wochen, die jetzt der Regen abgelöst hat. Die Sorte Clery sei bei ihm „am Abklingen“. Lambada, „die süßeste und weichste“, und Sibilla sind jetzt dran. Mit ihrem dunklen Fruchtfleisch und dem Aroma ergäben sie ein „Bomba-Gsälz“, macht er den Freunden von Erdbeermarmelade den Mund wässrig. Bis Ende Juni wird es bei ihm die „Königin der Früchte“ geben.

Es geht auf die Haupternte zu, sagt Joachim Mergenthaler aus Hegnach, der ebenfalls schon im April die ersten Kunden an seinem Stand an der Straße nach Hegnach mit Erdbeeren versorgt hat. Asia und Rumba heißen die Sorten, die bei ihm die Erntehelfer gerade pflücken. Der Erdbeeranbau sei reine Handarbeit, sagt Joachim Mergenthaler. Er verlangt 3,90 Euro für die 500 Gramm-Schale, bei zwei Schalen sinkt der Preis um zehn Cent pro Schale und bei drei liegt er bei 3,70 Euro. An Erntehelfern fehle es ihm nicht, sagt Mergenthaler. Auch seine Kollegen Bauerle und Kilburger klagen in dieser Hinsicht nicht.

Und dennoch geben immer mehr Landwirte den Anbau von Erdbeeren auf. In Fellbach bleibt eigentlich nur noch Philipp Bauerle; Matzka, Harald Kauffmann und seit diesem Jahr auch Gemüse Welz haben keine Erdbeerplantagen mehr.

Eigentlich eine Nuss

Botanik
Die Erdbeere gehört zu der Familie der Rosengewächse und gilt als die „Königin“ der Beerenfrüchte. Botanisch gesehen ist die Erdbeere aber gar keine „Beere“, sondern eine Nuss (Sammelfrucht). Der rot gefärbte Fruchtkörper ist eine Scheinfrucht und die gelblichen Punkte sind die eigentlichen Früchte (Nüsschen).

Historie
In Deutschland wurde die Gartenerdbeere erstmals Ende des 19. Jahrhunderts gezüchtet. Schon lange Zeit vorher kannte und schätzte man ihre „kleine“ Schwester“, die aromatische Walderdbeere. Sie wurde schon in der Steinzeit gesammelt.

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