Nahezu aus jedem Einkaufskorb schaut derzeit eine Schale mit verführerisch roten Erdbeeren heraus. Ob auf dem Wochenmarkt oder im Supermarkt, Erdbeeren haben jetzt schon Hochsaison. Früher als in den vergangenen Jahren können die Früchte auf den heimischen Feldern zwischen Winnenden und Winterbach, Fellbach und Schorndorf gepflückt werden. An den mobilen Erdbeerständen, die jetzt wieder im gesamten Remstal an den Straßenrändern und Ortseingängen zu finden sind, werden zuweilen sogar die Parkmöglichkeiten knapp. So groß ist die Nachfrage.
Das Angebot der „Breschtling-Ständle“, der Schwabe nennt Erbeeren auch Breschtling, wird gerne angenommen. Es hat sich etabliert. Auch, weil die Kunden dort selbst an Sonntagen die beliebten Früchte kaufen können. Meistens liegt das Erdbeerfeld direkt neben den Verkaufsständen, für Nachschub ist also immer gesorgt.
Aktuell wird die Sorty Clery gepflückt
Aktuell wird die Sorte Clery gepflückt. Die Frühsorte besticht durch ihr leuchtend rotes, glänzendes Aussehen und mit einem sehr vollen Aroma. Clery mache immer den Anfang, sagt Philipp Bauerle, Juniorchef bei „Früchtle vom Schmidener Feld“. Der Betrieb baut – vor allem in Schmiden – auf rund acht Hektar Erdbeeren an. Die ersten Früchte waren dieses Jahr schon Anfang Mai reif. Philipp Bauerle deckt die Pflanzen mit Vlies ab und bringt zwischen den Reihen Stroh aus. Das hilft bei der Wärmeregulierung, zudem sind die Erdbeeren durch das Stroh vor aufspritzender Erde geschützt und „nicht dreckig“. So wünschen es sich die Verbraucher, die dieses Jahr „richtig Lust auf Erdbeeren haben“, freut sich Philipp Bauerle.
Auch Sina Schmid vom Hofmarkt Schmid in Beinstein beobachtet das. „Die Leute fragen auch schon nach der Sorte Lambada, die ist der absolute Renner bei unseren Kunden.“ Sie wird als sehr süß beschrieben und offensichtlich auch gut von Allergikern vertragen. Auf dem Wochenmarkt in Waiblingen wurde am Mittwoch bereits die Sorte Joly angeboten. Kielburger in Weinstadt hat sie beispielsweise auf seinen Feldern. Diese Beeren sind spitzkegelig in ihrer Form.
Erdbeerpflanzen geben rund drei Jahre Ertrag. „Der entscheidende Monat ist der September“, sagt Philipp Bauerle. Dann legen die Pflanzen die Blütenstände für das Folgejahr an. Den milden Winter haben die Flachwurzler gut überstanden, und „so wie das Wetter momentan ist, ist es ideal“. Nachts gehen die Temperaturen nicht unter acht bis zehn Grad zurück, auch Dank des ausgebrachten Strohs kommt keine Kälte an sie heran, und tagsüber sind 25 Grad optimal. Bei dem für die kommenden Tage angesagten Starkregen und Hagel wird der Blick der Erdbeeranbauer sorgenvoll. Wirklich schützen kann man die Felder vor diesen Naturgewalten nämlich nicht: „Erdbeeren unter Folie, das mache ich nicht“, sagt Philipp Bauerle. Der Geschmack von Freilandfrüchten sei unübertroffen. Die Verbraucher schmecken diesen Unterschied.
Erdbeeren sind ein arbeitsintensives Obst, das Pflücken ist reine Handarbeit. Lediglich beim Ausbringen von Stroh könne er Maschinen einsetzen, sagt Bauerle. Der Mindestlohn mache sich dieses Jahr bei den Preisen bemerkbar, am vergangenen Wochenende hat an den Verkaufsständen von Bauerle ein Pfund Erdbeeren noch 4,50 Euro gekostet. Beim Hofladen Schmid oder am Verkaufsstand vom Obsthof Crosman an der Auffahrt zu Bundesstraße bei Winterbach wurden für 500 Gramm 4, 90 Euro verlangt.
Bundesweit geht der Anbau von Erdbeeren signifikant zurück
So viel kosten sie auch bei Gemüse Welz in der Markthalle in Fellbach. Sie kommen allerdings noch nicht aus eigenem Anbau. „Unsere Beeren sind noch nicht so weit“, sagt ein Verkäufer. Welz hat die Fläche seiner Erdbeerfelder reduziert, und er ist damit nicht alleine. Bundesweit geht der Anbau von Erdbeeren signifikant zurück, seit 2015 um ein Viertel, so die Statistik.
Die Sonne der vergangenen Tage hat den Erdbeeren im Remstal gutgetan, die Menge der reifen Beeren an einer Pflanze hat zugenommen. In derselben Zeit können die Erntehelfer also mehr Früchte pflücken. Das wirkt sich auf die Preise aus, sie sind im Vergleich zum Samstag um rund 30 Cent gesunken: Am Mittwoch wurden auf dem Wochenmarkt in Waiblingen vom Hofmarkt Schmid 4,50 Euro fürs halbe Kilo verlangt, bei den Früchtle vom Schmidener Feld waren es 4,20 Euro pro Pfund und bei Gemüse Haap in Rommelshausen wurden am Erdbeerstand am Dienstagabend 4,30 Euro für ein Pfund und 12 Euro bei Abnahme von drei Schalen berechnet. Beim Remstalmarkt Mack in Endersbach sind „Erdbeeren aus dem Remstal“ diese Woche sogar im Angebot, die 500-Gramm-Schale gibt’s für 3,88 Euro.
Philipp Bauerle weiß, dass Erdbeeren im Vergleich zu anderem Obst teuer, aber eben auch eine tolle Frucht für Kinder sind. „Ich möchte Kindern und Familien das Erlebnis, Erdbeeren selbst zu pflücken, deshalb auch weiterhin bieten“, sagt er. Voraussichtlich in der kommenden Woche wird Bauerle ein rund ein Hektar großes Selbstpflückerfeld öffnen, „gegenüber von unserer Verkaufsscheune, Richtung Neugereut.“ Für ihn ist dabei noch ein weiterer Aspekt wichtig: „Die Kosten für meine Erntehelfer fallen weg.“ Außer den Kindern sind auch Hausfrauen glücklich über das Angebot. „Breschtling-Gsälz ghört bei ons oifach dazu, aber jetzt send mr die Beere noch zu teuer“, rechnet eine Frau laut vor sich hin, füllt eine Schale Erdbeeren in den Korb und sagt: „Die esset mr heut‘ Obend mit Sahne.“