Erntedank im Schreiber-Garten Leerer Acker, volle Bäuche

Von Leonie Schüler 

Das Team vom Schreiber-Garten hat pünktlich zum Erntedankfest den Redaktionsacker abgeerntet. Aus allem, was das Feld noch hergab, haben wir ein herrliches Essen zubereitet.

Feldfrüchte in  allen Farben: Wir kochen mit Kürbis, Mangold, Süßkartoffeln, Möhren, Kartoffeln und Grünkohl. Foto: privat
Feldfrüchte in allen Farben: Wir kochen mit Kürbis, Mangold, Süßkartoffeln, Möhren, Kartoffeln und Grünkohl. Foto: privat

Filder - Von der üppigen Gemüsevielfalt, die sich im Sommer noch auf unserem Redaktionsacker geboten hat, ist nicht mehr viel übrig. Dort, wo die Kartoffelpflanzen standen und uns über Wochen hinweg beim Käfertöten viele Nerven gekostet haben, ist nur noch braune Erde zu sehen. Die Ernte ist längst eingeholt. Auch Rote Bete, Kohlrabi, Lauch, Brokkoli und vieles andere sind vom Feld geholt und in unseren Kochtöpfen gelandet. Doch zwischen all den Brachflächen verstecken sich noch manche Feldfrüchte. Wir haben uns das Erntedankfest, das viele Christen in Deutschland am ersten Oktoberwochenende feiern, zum Anlass genommen, um auf unserem Acker Kahlschlag zu machen und ein Festessen zuzubereiten getreu dem Motto: Wir kochen, was der Garten hergibt.

Da sind zum einen Möhren, deren orangenen Köpfchen aus der Erde blinzeln. Sie sind gar nicht so leicht aus dem Boden zu ziehen, ohne abzubrechen. Mit etwas Angießen klappt es aber gut, auch wenn die Ernte dadurch zu einer matschigen Angelegenheit wird. Besonders gespannt sind wir auf die Süßkartoffeln, die nicht Bauer Klaus Brodbeck, sondern wir selbst gepflanzt haben. Ihre Blätter haben sich weit ausgebreitet, doch ob die Wurzeln unter der Erde etwas geworden sind, blieb bis dato spannend. Doch schon nach wenigem Buddeln blitzen leuchtend lila Feldfrüchte hervor. Dicke Knollen sind gewachsen, und davon bestimmt 15 Stück je Pflanze. Wir halten fest: Wir können Süßkartoffel.

Können wir Grünkohl-Zweifler überzeugen?

Was gibt der Acker sonst noch her? Ein wenig Mangold, ein paar Kürbisse. Und natürlich: Grünkohl! Den haben wir schon im Juni geerntet (unsere Sorte brauchte keinen Frost), aber immer blätterweise, sodass stets etwas nachgewachsen ist. Wie kleine Palmen stehen die hochgeschossenen Grünkohlpflanzen nun auf unserem Feld. Die Blätter füllen unseren Erntekorb randvoll. Das Problem dabei: Nicht alle von uns mögen dieses würzige Gemüse. Also beschließen wir, den Grünkohl nicht traditionell mit Pinkel und Kartoffeln zuzubereiten, sondern in einem Auflauf zu verstecken. Dort können wir auch unsere Möhren und Süßkartoffeln gut dazu mischen.

Doch der Auflauf dauert und die Mägen knurren. Also beschließen wir, aus Mangold und Kürbis eine Vorspeise zu kreieren. Auch hier gibt es Skeptiker in unseren Reihen: Sandra Hintermayr möchte erst nur ein mini-bisschen vom Mangold, weil sie sich an den bisher nie herangetraut hat, doch nach dem Probiererle landet schnell noch eine Erwachsenenportion auf ihrem Teller. Rebecca Fritzsches fast zweijährige Tochter bringt es auf den Punkt: „Mehr!“ ruft sie, und wir anderen denken insgeheim dasselbe.

Viele Hände, schnelles Ende

Doch die Hauptspeise dauert noch. Erst einmal müssen wir das Gemüse waschen, und das ist bei selbst angebautem Gemüse ein aufwendiges Geschäft. Denn wir haben viel Ackererde und auch manche Fliegeneier in die Küche mitgebracht. Deshalb heißt es schrubben, bis die Finger schrumpelig sind. Auch das Schnippeln von den Gemüsebergen dauert seine Zeit, doch es gilt: viele Hände, schnelles Ende. Aber auch viele Füße, auf denen wir uns aus Platzgründen manchmal gegenseitig herumstehen.

Während der Auflauf im Ofen langsam Farbe bekommt, haben wir Zeit, die vergangenen fünf Monate, die wir auf dem Feld geackert und geschwitzt haben, Revue passieren zu lassen. Wir sind uns einig: Nicht alles lief rund, manches hätten wir besser machen können – aber das Gemüse, das wir geerntet haben, hat fantastisch geschmeckt. Wir haben viel gelernt und fühlen nun, an Erntedank, tatsächlich auch Dankbarkeit für den reichhaltigen Tisch, an dem wir nicht nur an diesem vergnüglichen Abend sitzen konnten.

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