Erntesaison rund um Leonberg Der Hagel hat es den Bauern schwer gemacht
Wechselhaftes Wetter und Hagel im Juli sorgen bei einigen Landwirten rund um Leonberg für Einbußen bei der Ernte. Viele von ihnen sind inzwischen versichert.
Wechselhaftes Wetter und Hagel im Juli sorgen bei einigen Landwirten rund um Leonberg für Einbußen bei der Ernte. Viele von ihnen sind inzwischen versichert.
Wenn Thomas Kogel morgens mit seinem Mähdrescher zur Ernte losfährt, dann sollte der Tau schon verdunstet sein. „Das Getreide muss trocken sein“, erklärt Kogel, der als Mähdrescherfahrer für den Leonberger Landwirt Hans-Georg Schwarz arbeitet. Regnet es, dann wird es mit der Ernte schwer, das Getreide darf nicht feucht gelagert werden. Keine Früh-, sondern Spätschichten macht Kogel also, wenn das Futtergetreide von den Feldern eingeholt wird. Die Arbeitstage werden aber auch dann unerwartet kurz, wenn ein Schauer vorbeizieht. Zwei Tage müssen Kogel und Kollegen dann warten, bis das Getreide wieder trocken genug ist. In einer Saison, die in diesem Jahr von durchaus wechselhaftem Wetter geprägt ist, immer wieder eine Wartepartie.
Im vergangenen Jahr war es noch die Trockenheit, die den Landwirten zu schaffen gemacht hat. Geregnet hat es dieses Jahr mehr, das freut auch Kogel. Für etwaige Ernteausfälle ist heuer besonders ein anderes Wetterphänomen verantwortlich: Der Hagel. Der hat in den vergangenen Wochen einigen Landwirten das Leben schwer gemacht.
Auch Kogel und seinem Chef Hans-Georg Schwarz. Anfang Juli, da hat es direkt vor dem Start der Ernte gehagelt, berichtet der Mähdrescherfahrer. Beim Getreide hat das, kombiniert mit der anhaltenden Feuchtigkeit, für eine etwas schlechtere Qualität gesorgt. Heißt: Das Getreide hat einen geringeren Proteingehalt und kann nicht, wie sonst, auch zum Brotbacken genutzt werden. Viele kleine Körner bedeuten außerdem mehr Ausputz, also mehr Reste aus der Getreidereinigung, ergänzt Schwarz. Allein durch die Witterungsbedingungen habe er Einbußen von rund acht bis zwölf Prozent gehabt, schätzt er, Ertragsausfall durch den Hagel inklusive.
Davon kann auch Marcus Arzt, Bio-Landwirt aus Heimerdingen, ein Lied singen. Seinen Biohof hat es Anfang Juli schwer getroffen, Spinat, Rucola und Feldsalat zerstört. Auf den Feldern in Schöckingen und Heimerdingen sei es am schlimmsten gewesen, etwas besser sah es in Hirschlanden aus. „Wir waren einen Monat sehr eingeschränkt lieferfähig“, resümiert Arzt. Erst jetzt, einige Wochen später, seien die Pflänzchen wieder soweit nachgewachsen, dass der Betrieb wieder vollumfänglich liefern kann.
„Insgesamt waren die Witterungsbedingungen schon gekennzeichnet von Schaukelwetter“, sagt Arzt. „Das stresst die Menschen, aber es stresst auch die Pflanzen.“ Zwar sei er froh, dass es auch mal geregnet hat – mehr als im vergangenen Jahr. Das wechselhafte Wetter sei für die Bauern aber insofern schwierig, als es eine sichere Planung kaum möglich mache.
Für Landwirt Jörg Langer aus Leonberg sind besonders die nächsten zwei bis drei Wochen entscheidend. Erst dann wird er seine Kartoffeln ernten. Und wie die gewachsen sind, „kann man erst sehen, wenn man geerntet hat“, so der Landwirt. Bereits jetzt gräbt er immer wieder eine Knolle aus, checkt nach Krankheiten oder witterungsbedingten Mängeln. Und schon jetzt kann er sagen: Er wird in diesem Jahr wahrscheinlich einige Wochen früher ernten als gedacht und schätzt deshalb die Einbuße auf rund 25 Prozent. Denn wird das Kartoffelkraut beschädigt, etwa durch Hagel, geht die Kartoffelknolle in die Reife, obwohl sie eigentlich noch nicht groß genug ist. Aber es kommt auch auf die Sorte an. „Manche stecken den Hagel eher weg“, sagt Langer.
Wie sein Kollege Hans-Georg Schwarz ist Langer deshalb schon längst für solche witterungsbedingten Schäden versichert. Denn bei einem Totalausfall würde es bei ihm an die Existenz gehen. Ein grundsätzlich gesteigertes Interesse an der Versicherung der eigenen Ernte vor Hagel, Starkregen, Sturm, Frost oder Trockenheit beobachtet auch Hendrik Garvert von der Vereinigte Hagel, einer Versicherung für Landwirte. „Das merken wir daran, dass die versicherte Fläche ansteigt und vor allem prozentual immer mehr landwirtschaftliche Nutzfläche versichert ist.“ Bei der Vereinigten Hagel sind rund 110 000 Landwirte aus ganz Europa versichert. Nach dem Hagel am 12. Juli hätte das Unternehmen aus dem Raum Leonberg/Ludwigsburg fast 400 Schadenmeldungen erreicht, 18 Sachverständige hätten 3000 Flurstücke begutachtet. „Die geschädigte Versicherungssumme betrug in dieser Region rund 10 Millionen Euro“, so Garvert.
Für Hans-Georg Schwarz und seinen Mähdrescherfahrer Thomas Kogel steht derweil noch die Maisernte im September und Oktober an. Dem Mais würde die viele Feuchtigkeit tendenziell gefallen, sagt Schwarz. Trotzdem wird er in den kommenden Wochen wahrscheinlich öfter gen Himmel schauen. Trotz allem, so sagt er, gehört das Bangen um das Wetter zum Geschäft. „Das hat es immer stückweise gegeben.“