Erntezeit im Kreis Esslingen Der Regen hat den Kirschen zugesetzt – aber nicht überall

Barbara Groner (Mitte), die Chefin des Lobenroter Hofs in Aichwald, ist dankbar, dass ihre Töchter Karolina (links) und Marta im Sommer mit anpacken. Foto: Roberto Bulgrin

Noch ist die Kirschernte bei den Betrieben im Kreis Esslingen in vollem Gange. Manche Erzeuger haben in den vergangenen Monaten unter den Wetterkapriolen mit Starkregen und kalten Nächten im April zu leiden gehabt.

Region: Corinna Meinke (com)

Rot, süß und saftig sollen sie sein, dann ist der Kirschgenuss perfekt. Für die Obstbauern im Kreis Esslingen ist bei der Kirschernte gerade Halbzeit, denn die frühen Sorten sind bereits verkauft. Noch zwei, drei Wochen lang kann sich die Kundschaft über die heimischen Früchte freuen.

 

Mit rund 200 Bäumen gehört die Kirschenanlage von Barbara Groner zu den großen Betrieben im Kreis Esslingen. Auch dieses Jahr habe sich das Foliendach wieder bewährt, das die Chefin des Lobenroter Hofs in Aichwald zusammen mit ihrem Team zwischen den Kirschbaumreihen aufgespannt hat. Es brauche mindestens fünf Personen, bis die weißen Planen, die das Obst vor Hagel, Sonnenbrand und Starkregen schützen, fest vertäut sind.

Beide Töchter helfen mit

In dichten Trauben hängen die Früchte zwischen den grünen Blättern schwer an den Zweigen, die vom Gewicht nach unten gezogen werden. Kordia heißt die süße Sorte, die von ihrer Kundschaft gerne auch Herzkirsche genannt werde, erzählt Groner, während sie mit ihren Töchtern Karolina und Marta die Anlage begutachtet.

Barbara Groner ist den beiden für ihre Hilfe in der Hochsaison dankbar, denn die Arbeit auf dem Hof sei trotz der sechs Erntehelfer aus Polen kaum zu schaffen. Karolina arbeitet im Esslinger Jägerhaus im Service, während Marta in den Sommermonaten bei ihrem Arbeitgeber – einer Gärtnerei – etwas kürzer treten kann und zuhause beim Schnapsbrennen hilft und die Marmeladenproduktion ankurbelt.

Allerdings geht es auf dem Lobenroter Hof nicht nur um Kirschen, es gibt beispielsweise auch verschiedene Beeren. Während Barbara Groner ihre Stachelbeerbüsche vorführt, pflückt eine Kundin einen ganzen Eimer rote Johannisbeeren, aus denen sie Saft machen möchte. „Ich entferne immer die Hälfte der Blüten, denn das sind immer zu viele“, antwortet Groner auf die Frage, warum ihre Beeren so prächtig gedeihen und so groß werden. Aber auch das Schneiden der Büsche sei wichtig.

Dunkle Hagelnetze schützen auch hier das Obst. Das sei die beste Versicherung, sagt die gebürtige Polin, die vor mehr als 20 Jahren selbst als Erntehelferin auf den Schurwald kam und den inzwischen verstorbenen Obstbauern Winfried Groner heiratete. Weil alles andere zu teuer wäre, leistet sich ihr Betrieb nur für die Erdbeeren und das Getreide eine Versicherung gegen einen Ernteausfall auf dem 40 Hektar großen Betrieb.

Große Verluste in Frickenhausen

„Eigentlich sollten wir dieses Jahr gar nicht ernten“, denn jeder Aufwand treibe den Verlust noch höher, sagt dagegen Martin Weber vom Schneckenhoflädle in Frickenhausen. Die regenreichen letzten Wochen hätten seinen Kirschbeständen mangels Wetterschutz stark zugesetzt. Der Regen ließ das Obst aufplatzen, er müsse viel aussortieren. Lediglich 20 Prozent des üblichen Ertrags blieben dieses Jahr übrig. Zu allem Überfluss habe jetzt auch noch die Kirschessigfliege seine Bäume befallen.

Aussortieren gehört auch auf dem Deizisauer Berghof zum Alltag, berichtet der Inhaber Markus Eberhard, der noch zwei bis drei Wochen lang Kirschen ernten kann. Momentan biete er noch die Kirschsorte Kordia an, die dieses Jahr allerdings etwas kleiner ausgefallen sei. Danach folgt Regina, die sich als regenstabile Sorte bewährt habe. Auf sein Kirschendach habe er diesmal verzichtet, denn der Aufwand für Auf- und Abbau mit drei Arbeitstagen sei sehr groß.

Das Wetter hat auch den Kirschbäumen, die der Stadt Esslingen gehören, zugesetzt. Die Bäume hätten super „angesetzt“, berichtet Matthias Scheider, der Leiter des Grünflächenamtes. Doch dann kam der große Regen, der im Mai fast doppelt so viel Niederschlag brachte wie sonst. Da die Kirschen dicht hängen und es viel Blattmasse gibt, könnten die Früchte kaum trocknen und faulten deshalb. Die Erträge seien dennoch höher als 2023.

Bei Guido Henzler in Raidwangen hat die Kirschblüte auf einem nicht überdachten Feld unter den kalten Aprilnächten gelitten. Die Hauptanlage sei glücklicherweise aber nicht betroffen gewesen, berichtet der Techniker für Obstbau. Fabian Scherbacher aus Lichtenwald bilanziert, dass die Ernte dieses Jahr wieder nicht besonders erfreulich ausfalle – nachdem sie schon im vergangenen heißen Sommer eher durchschnittlich gewesen sei, so der Landwirt.

Was hängen bleibt, dient Vögeln und Insekten als Nahrung

Esslingen
Im Stadtteil Kimmichsweiler unterhält die Stadt Esslingen eine eigene Kirschenanlage. Dort wachsen 40 zum Teil sehr alte Kirschbaumsorten. Sie dienen zur Gewinnung von Veredelungsreißern. Außerdem können dort die unterschiedlichen Eigenschaften der Sorten über Jahre beobachtet werden.

Ernten
Die Nachfrage der Bürgerinnen und Bürger ist laut dem Grünflächenamt auch wegen der instabilen Wetterlage in diesem Jahr nicht sehr hoch. Dabei habe die Stadt eine große Stamm-Abonnentenschaft, die Jahr für Jahr „ihre“ Kirschbäume abernte. Wenn nicht alle Kirchen geerntet werden, dienen die übrig gebliebenen Früchte Vögeln und Insekten als Nahrung.

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