Ernüchternde Umfrage CDU will mehr auf Frauen hören

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Bei einer Umfrage haben Frauen der CDU vielfach schlechte Noten gegeben. Nun will die Landespartei ihre Politik stärker nach ihnen ausrichten und sie mehr einbinden.

Die CDU und die Frauen – trotz Kanzlerin eine schwierige Beziehung. Foto: dpa
Die CDU und die Frauen – trotz Kanzlerin eine schwierige Beziehung. Foto: dpa

Stuttgart - Die Südwest-CDU will ihre Politik stärker an den Wünschen von Frauen ausrichten und die Position von Frauen in der Partei stärken. Diesen Schluss zieht der Landesvorsitzende Thomas Strobl aus internen Erhebungen, nach denen die Union insbesondere bei Wählerinnen erhebliche Akzeptanzprobleme hat. In den nächsten Wochen will Strobl ein Konzept erarbeiten lassen, wie die CDU inhaltlich und organisatorisch darauf reagieren kann. Es soll bis zur traditionellen Tagung der Funktions- und Mandatsträger zu Jahresbeginn 2013 vorliegen.

Anlässlich des von der Landes-CDU ausgerufenen „Jahres der Frau“ hatte die Partei gleich auf drei Wegen die politischen Bedürfnisse von Frauen eruieren lassen: Bei Umfragen auf der Straße, im Internet und am Telefon – nur letztere war repräsentativ – wurden insgesamt 3500 Teilnehmer erreicht. Es sei das erste Mal, dass eine Partei so umfassend die Präferenzen der Bevölkerung zu erheben versuche, sagte der Politologe Oscar Gabriel, der die Umfrage wissenschaftlich begleitet hat.

Kompetenzwerte „erschütternd niedrig“

Die der CDU zugeschriebene Kompetenz sei „zum Teil erschütternd niedrig“, bilanzierte Gabriel. Besonders überrascht zeigte er sich über das Abschneiden der Partei bei den Themen Prosperität und Sicherheit: Bei den befragten Männern liege sie immerhin gleichauf mit den Grünen, bei den Frauen bleibe sie deutlich hinter diesen zurück. Ansonsten seien die Unterschiede in der Einschätzung von Männern und Frauen „geringer, als man vermuten könnte“, sagte Gabriel. Nur die Anrechnung von Erziehungs- und Pflegezeiten auf die Rente, die Ganztagsschule und eine Frauenquote in Politik und Wirtschaft sei den Frauen deutlich wichtiger.

Große Defizite hat die CDU nach der Umfrage besonders bei Umweltthemen; daraus ergeben sich die schlechten Noten von Frauen für ihre Wirtschaftspolitik. Als erste Konsequenz kündigte der Parteichef Thomas Strobl an, Themen wie Ökologie, Teilhabe und Gleichberechtigung stärker mit wirtschaftspolitischen Themen zu verbinden. Strobl sprach von einem „ernüchternden Ergebnis“ der Erhebung. Die CDU müsse aufpassen, „dass sie nicht zum Opfer ihres eigenen wirtschaftlichen Erfolgs wird“.

Partei soll Befunde breit diskutieren

Die Umfrageergebnisse sollen in der Südwest-CDU nun ausführlich diskutiert werden. Dazu ist in den Orts- und Kreisverbänden ein „breit angelegter Prozess unter der Überschrift CDU-Akademie“ geplant. Ziel sei auch, mehr Frauen für die Mitarbeit in der Partei zu gewinnen, sagte Strobl. Mehr Frauen könnten „unsere Politik wieder näher ab die Lebenswirklichkeit der Menschen in Baden-Württemberg bringen“, sagte nach Parteiangaben die Landesvorsitzende der Frauenunion, die Bundestagsabgeordnete Annette Widmann-Mauz. Die Landtagsabgeordnete Katrin Schütz hob hervor, dass besonders häufig der Ausbau der Kinderbetreuung, aber auch Respekt und Anerkennung für Familienarbeit gefordert worden sei. Ihr Kollege Claus Paal sagte, als Wirtschaftspolitiker hätten ihn die Ergebnisse zum Thema Wirtschaft, Wohlstand und Sicherheit besonders interessiert. Man müsse nun „die genauen Gründe ermitteln“, warum Frauen der CDU hierbei weniger Kompetenz zuschrieben als Männer.