Eröffnung des Parkhauses am Bahnhof Wendlingen hat ein neues Aushängeschild
Nach rund zwei Jahren Bauzeit wird das Parkhaus am Bahnhof in Wendlingen eröffnet. Dank seiner Bauweise aus Holz gilt das Projekt deutschlandweit als Vorzeigebau.
Nach rund zwei Jahren Bauzeit wird das Parkhaus am Bahnhof in Wendlingen eröffnet. Dank seiner Bauweise aus Holz gilt das Projekt deutschlandweit als Vorzeigebau.
Die Stadt Wendlingen hat beim Bauen neue Maßstäbe gesetzt: Nach rund zwei Jahren Bauzeit wurde das Parkhaus am Bahnhof feierlich eingeweiht. „Das Parkhaus am Bahnhof ist das neue Aushängeschild und Eingangstor der Stadt“, sagte Wendlingens Bürgermeister Steffen Weigel. Die Besonderheit: Das fünfstöckige Gebäude besteht fast komplett aus Holz und gilt damit deutschlandweit als Vorzeigeprojekt. Obendrein ist der 11-Millionen-Euro-Bau, der seit Dezember 2023 als offizielles Projekt der Internationalen Bauausstellung IBA’27 Stuttgart firmiert und auch vom Land gefördert wird, neben einem Forschungshochhaus an der Universität in Hohenheim das einzige weitere IBA-Projekt, das dieses Jahr fertig wird. ,„Ich hätte nicht gedacht, dass eines der ersten fertigen IBA-Projekte ein Parkhaus ist“, bekannte Andreas Hofer. Doch vielleicht sei das ja gerade sinnhaft in einer Automobilregion wie rund um Stuttgart, so der IBA-Intendant. Der Schweizer betonte, wie wertvoll dabei der Baustoff Holz sei: „Das ganze Material ist nicht verloren, sondern kann weiterverwendet werden.“ Bei der Planung und Umsetzung des Parkhauses seien alle Beteiligten bis an die Grenzen des Machbaren gegangen: „Die Behörden haben alle Spielräume ausgeschöpft und gezeigt, was im Rahmen der IBA möglich ist. Ursprünglich hatten wir nicht daran gedacht, ein Parkhaus als IBA’27-Projekt aufzunehmen. Das Wendlinger Holzparkhaus ist aber ein pragmatisches Beispiel für den Umgang mit Mobilitätsfragen.“
Gestartet wurde das Projekt im Juli 2022 – damals noch mit geschätzten Gesamtkosten von rund 10,3 Millionen Euro. Ursprünglich war die Stadt lediglich von rund 8,9 Millionen Euro Baukosten für das Leuchtturmprojekt ausgegangen. Wendlingens Stadtbaumeister Axel Girod gibt als Grund für die Kostensteigerung die Coronakrise und den Ukrainekrieg an: „Das hat viele ausgebremst, zum Beispiel sind die Preise für Stahl und Bitumen durch die Decke gegangen.“
Notwendig geworden war der Bau des Parkhauses, da die Stadt auf der Suche nach Stellplatzflächen als Ersatz für den vormaligen Behrparkplatz auf der Ostseite des Bahnhofs war – besagtes Areal wurde an die Volksbank Mittlerer Neckar veräußert, die dort aktuell ihre neue Verwaltungszentrale errichtet. Zeitgleich mussten Parkierungslösungen für das Otto-Quartier auf der Westseite des Bahnhofs her – die Weiterentwicklung des ehemaligen Industriegeländes am westlichen Stadtrand ist bereits seit über einem Jahrzehnt ein großes Thema in Wendlingen, entstehen soll dort ein attraktives Stadtviertel mit einem Mix im Verhältnis 70:30 aus Gewerbe und Wohnen. Zwar steht Hauptinvestor CG Elementum bislang eher auf der Bremse, Bestandteil des städtebaulichen Vertrags zwischen Stadt und CG ist aber, dass das neue Parkhaus eine Lärmschutzfunktion für das künftige Otto-Quartier erfüllen muss.
Begleitet wurde das innovative Bauvorhaben über alle Leistungsphasen hinweg vom Stuttgarter Architekturbüro Herrmann + Bosch. Die ovale Form des Parkhauses, das an das Kolosseum in Rom erinnert, liegt im Zuschnitt des Grundstücks begründet. Eine Tiefgarage war von vornherein nicht vorgesehen – sie wäre teuer und würde aufgrund ihrer Beton-Bauweise immense CO2-Emissionen verursachen.
Mit der Materialwahl Holz erfüllt das Parkhaus gleich drei wesentliche Aspekte für mehr Nachhaltigkeit: Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, und wird das Parkhaus irgendwann nicht mehr benötigt, lässt es sich – auch dank einer Geschosshöhe von 2,30 Metern – problemlos in Gewerbeflächen oder Wohnungen umwandeln. Der dritte Aspekt ist die Wiederverwendbarkeit des Materials – praktisch alle Elemente des Parkhauses können an anderer Stelle wieder eingebaut werden. Betrieben wird das Parkhaus, das am kommenden Dienstag offiziell in Betrieb gehen wird, von der Firma Avantpark mit Sitz in Unterföhring. Das Parksystem funktioniert über eine Erfassung der Kennzeichen, die Abrechnung erfolgt per App beziehungsweise durch Bezahlung am Automaten.
Abgesehen von allen baulichen Innovationen soll das neue Parkhaus laut Bürgermeister Steffen Weigel der wichtigste Baustein der Mobilitätsstation am Bahnhof werden. „Der Bahnhof hat als Verkehrsdrehscheibe deutlich an Bedeutung gewonnen“, so der Verwaltungschef mit Blick auf die Inbetriebnahme des IRE 200 nach Ulm.
Die Stadt bedauere, dass die Belegung der Neubaustrecke nach Inbetriebnahme des Bahnhofs Stuttgart 21 eine Weiterführung des IRE nicht zulasse: „Dennoch sind wir überzeugt, dass Wendlingen weiter ein wichtiger Umsteigebahnhof sein wird – deswegen war uns die Schaffung ausreichender Pkw-Stellplätze in unmittelbarer Nachbarschaft zum Zentralen Omnibusbahnhof und dem Zugbahnhof wichtig.“ Die rund 11 Millionen Euro Gesamtkosten seien eine erhebliche Investition für die Stadt, so Weigel weiter, das Parkhaus sei aber auch ein wichtiger Baustein zur Umlenkung des Verkehrs: „Damit kann aller überörtlicher Pkw-Verkehr in Richtung Bahnhof Wendlingen auf der westlichen Gleisseite abgewickelt werden, und der Parksuchverkehr auf der gegenüberliegenden Wendlinger Seite wird damit deutlich reduziert.“
Zahlen
In dem neuen Parkhaus gibt es 347 Stellplätze. Das Nutzungsrecht für 104 davon liegt beim Hauptinvestor des Otto-Quartiers, der Firma CG Elementum. Sie sollen etwa für das benachbarte Hotel, das sich im Planungsstatus befindet, genutzt werden. Darüber hinaus gibt es zehn Ladepunkte für Elektrofahrzeuge, 220 Fahrradabstellplätze, acht Stellplätze für Lastenfahrräder, Akkuschließfächer und eine Reparaturstation.
Kosten
Die Kosten gibt die Stadt mit rund elf Millionen Euro an. Allerdings fehlen laut Wendlingens Stadtbaumeister Axel Giro von einigen Gewerken noch die Abschlussrechnungen. Nicht ganz fertig sind indes die Außenanlagen. „Diese Arbeiten werden sich noch einige Wochen ziehen“, kündigt Girod an. Auch die Radler müssen sich etwas gedulden, da es bei der Ausstattung für das Fahrradparkhaus zu Lieferungsverzögerungen kam.
Material
Verbaut wurden rund 2500 Kubikmeter Holz, was etwa 100 Lkw-Ladungen entspricht, 84 500 Schrauben und 255 000 Nägel. Die Träger der einzelnen Stockwerke sind 16 Meter lang, ein Meter hoch und haben ein Gewicht von jeweils zweieinhalb Tonnen. Die Decken im Parkhaus haben eine Stärke von zwölf Zentimetern und bestehen aus dreilagig verleimtem Brettschichtholz. Bis auf die Treppenhäuser mit ihren Brandschutztüren und den Aufzugschächten sind alle Gebäudeteile aus Holz konzipiert. Das Gebäude hat den Brandschutzfaktor F 60, das heißt, dass das Holzparkhaus etwa 60 Minuten lang einem Brand standhalten würde.