Eröffnung Microsoft erklärt Berlin zum Hotspot der Gründerszene

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Ausgerechnet Berlin hat sich der Weltkonzern Microsoft ausgesucht, um mal was ganz neues zu probieren: Der US-Konzern hat in Berlin seine Hauptstadtrepräsentanz als Begegnungsort und als Brutkasten für junge Unternehmen eröffnet.

Microsoft-Chef Ballmer spricht der Gründerszene laut und leidenschaftlich Mut zu. Foto: dpa
Microsoft-Chef Ballmer spricht der Gründerszene laut und leidenschaftlich Mut zu. Foto: dpa

Stuttgart - Ausgerechnet Berlin hat sich der Weltkonzern Microsoft ausgesucht, um mal was ganz neues zu probieren: Mitten in der Hauptstadt, an der Touristenautobahn Unter den Linden, eröffnete der Konzern am Donnerstag sein weltweit erstes öffentliches Microsoft-Center. Das Signal ist eindeutig: Berlin gilt in den Augen der globalen IT-Wirtschaft zur Zeit als eines der wichtigen kreativen Zentren. „Berlin steht unter den digitalen Metropoen Europas ganz weit vorn“, sagte der scheidende Microsoft-Chef Steve Ballmer bei der Eröffnung. Christian Ilek, Deutschlandchef des Unternehmens, sagte, Berlin sei inzwischen „hipper als London.“ Die neue Niederlassung zeige, welche Bedeutung sein Unternehmen dem deutschen Markt beimesse.

Wie die Gründerszene der IT-Wirtschaft aussieht, war am Donnerstagmorgen auch gleich zu betrachten: mehr als 90 Prozent der Gäste waren männlich und unter 50 – Frauen sah man fast ausschließlich an der Rezeption des Empfangs im Atrium.

Mischung aus Repräsentanz und Ort für den Normalverbraucher

Das Haus ist eine Mischung aus einer klassischen Repräsentanz eines Unternehmens für Lobbyarbeit, einem Ort für Otto Normalverbraucher und einem Brutkasten für junge Startup-Unternehmen. Offen für alle ist die so genannte „digital eatery“, eine Art Restaurant mit Lounge im Erdgeschoss, in der Besucher bei einem Becher Kaffee neue Produkte ausprobieren können. Deutschland-Chef Ilek sagte, Microsoft wolle sich hier „anfassbar machen“ und einen Ort für Erlebnisse und Begegnungen schaffen. Die Anmutung erinnert an einen Apple-Store, allerdings wird hier nichts verkauft. „Sie können hier auch Konkurrenzprodukte aufladen und sich in der Zwischenzeit mal unsere Produkte anschauen.“, sagte Ilek. In den oberen Geschossen geht es weniger um Erlebnisse als um Austausch, Kontakte und Einflussnahme: hier liegen Räume für den Kundenkontakt und vor allem für Gespräche mit Politik und Wirtschaft sowie die Büros der Microsoft-Mitarbeiter.

Viel weiter oben, im fünften Stockwerk , liegt das eigentliche Herz der Repräsentanz, der Accelerator. Hier werden jeweils vier Monate lang neun junge Unternehmen mit Wissen, Geld und Kontakten dabei unterstützt, aus ihrer Idee ein Geschäftsmodell mit Aussicht auf Erfolg zu machen.

Es sei ein Märchen, dass der Erfolg über Nacht komme

Bei der Eröffnungspressekonferenz am Vormittag sprach Ballmer der Gründerszene lang, laut und leidenschaftlich Mut zu: Es sei ein Märchen zu glauben, dass der Erfolg über Nacht komme, sagte Ballmer. Es sei nicht wahr, dass die meisten Unternehmen von einem Tag auf den anderen wüchsen und ein Vermögen verdienten. „Schaut Twitter an – die sind jetzt sieben Jahre dabei und verdienen immer noch kein Geld“, sagte Ballmer.

Der erste Schritt bestehe darin, eine Idee für ein Produkt zu haben, das für viele Menschen von Bedeutung sein könne oder das Problem vieler Menschen löse. Aber damit sei es nicht getan. „Ihr müsst unglaublich leidenschaftlich sein“, sagte Ballmer. Wer Erfolg wolle müsse hart arbeiten und vor allem hartnäckig sein. Bis eine kritische Masse erreicht sei, könne es schon mal zehn Jahre dauern.

Die neun Startups, die vom kommenden Montag an in Berlin von Microsoft gefördert werden, setzten sich in einem Auswahlverfahren gegen mehr als 350 andere Bewerber aus den Bereichen Internet, Mobile, Cloud und Software durch. Microsoft ist nicht das einzige Unternehmen, das auf diese Weise für Jungunternehmen in Berlin fördert. Microsoft betreibt weltweit weitere solcher Coaching-Zentren, beispielsweise in Bangalore.