Anschluss der Gäubahn an Flughafen Debatte über den letzten S-21-Abschnitt

Der Flughafen Stuttgart soll aus dem Süden des Landes besser erreicht werden können. Dazu soll die Züge der Gäubahn an den Airport fahren. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Der Flughafen Stuttgart soll aus dem Süden des Landes besser erreicht werden können. Dazu soll die Züge der Gäubahn an den Airport fahren. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Das Regierungspräsidium Stuttgart erörtert von Montag an die Einwände gegen den Anschluss der Gäubahn an den Landesflughafen. Wann er gebaut werden kann, ist völlig offen.

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Stuttgart - Das Bahnprojekt Stuttgart 21 soll Ende 2025 ans Netz gehen. Allerdings nicht komplett. Für den zwischen den Projektpartnern vereinbarte Anschluss der Gäubahn an den Landesflughafen nennt die Deutsche Bahn AG außer der am Montag, 26. April, startenden Erörterung der Einwände keine Daten. Dabei versucht sie seit 19 Jahren, das Baurecht für den Abzweig der Gäubahn von der bestehenden Strecke bei Stuttgart-Rohr zur den Gleisen der S-Bahn in Richtung Flughafen und dort für einen Halt direkt an den Terminals zu erreichen. Dazu soll ein drittes Gleis installiert werden.

Zuletzt hatte die Bahn beim Regierungspräsidium Stuttgart (RP) auf die Erörterung gedrängt. Durch den S-21-Finanzierungsvertrag ist sie zum Anschluss des Flughafens verpflichtet, der Airport hat dafür bereits einen dreistelligen Millionenbetrag überwiesen. . Die Behörde hat im Kongresszentrum der Landesmesse auf den Fildern vier Tage für die Debatte veranschlagt, gesprochen werden soll bei einschließlich Donnerstag jeweils von 9 bis 18 Uhr, Einlass in die Halle ist von 8 Uhr an. Dabei gelten wegen der Coronapandemie besondere Hygienemaßnahmen. Wer teilnehmen wollte, sollte sich bis zum 9. April anmelden. Kurzentschlossene will das RP nicht abweisen, die Teilnahme kann aber nicht garantiert werden, die „räumliche Kapazität“ müsse gegeben sein. Maske (FFP2/KN95/N95) ist Pflicht, Sitzplätze werden zugewiesen. Eine Verköstigung auf der Messe ist nicht möglich, die Restaurants haben geschlossen.

3200 Unterschriften gegen die Pläne

Den Erörterungstermin leitet Gertrud Bühler, beim Regierungspräsidium ist sie für Wirtschaft und Infrastruktur zuständig. Mit Stuttgart 21 ist Bühler vertraut, bisherige Erörterungen führte sie umsichtig und mit der gebotenen Neutralität, die Teilnehmer kamen ausführlich zu Wort.

3200 Unterschriften gegen die Pläne liegen dem RP vor, davon finden sich rund 2000 auf Listen. Es gibt viele Betroffenheiten. Anwohner der S-Bahnstrecke fürchten Lärm und Erschütterungen, andere die Folgen eines Bodenlagers, dass die Bahn temporär auf ihren Flächen oder in ihrer Nachbarschaft errichten will. Auch die Auswirkungen des geplanten Mischverkehrs auf das System S-Bahn werden kritisch gesehen. Am Montag soll zunächst die Planung der Bahn vorgestellt werden, dann geht es um Immissionen, Umwelt, Natur und Landschaft. Am Dienstag stehen die Punkte Eigentum und Landwirtschaft auf der Tagesordnung, am Mittwoch der Brandschutz und das Rettungskonzept sowie der Bauablauf und damit die geplante lange Vollsperrung der S-Bahntrasse. Am Donnerstag werden Varianten betrachtet. Dazu gehört eine Tunnelplanung aus dem Bundesverkehrsministerium. Die Röhren, zehn Kilometer lang, sollen von Böblingen bis zum Flughafen reichen, würden wohl eine Milliarde Euro kosten und im Rahmen des Deutschlandtakts gebaut werden können. Sie werden von Verkehrsstaatssekretär Steffen Bilger (CDU) propagiert. Ob der Bund die Finanzierung übernimmt ist allerdings offen.

Entscheidung dauert Monate

Die S-21-Gegner lehnen dieses Großbauvorhaben genauso ab wie die Mischnutzung der S-Bahntrasse. Sie plädieren dafür, dass die Gäubahn wie heute über die Panoramastrecke durch Stuttgart zum Hauptbahnhof fährt und dort weiterhin oberirdisch hält. Die alte und mutmaßlich neue Koalition im Land könnte noch eine Variante ermöglichen: Den Bau eines Zusatzhalts am Tiefbahnhof, in den womöglich auch Gäubahnzüge einfahren könnten. Noch sind diese Pläne vage. Das RP wird nach der Erörterung einen Bericht erstellen, was in der Regel Monate dauert. Er geht an das Eisenbahn-Bundesamt (Eba), das letztlich entscheidet.

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