Erörterung der Pläne trotz Pandemie Kritik an Stuttgart-21-Verfahren für die Gäubahn

Wie kommt die Gäubahn zum neuen Hauptbahnhof? Im Bahnprojekt Stuttgart 21 gibt es dazu klare Vorstellungen. Doch nun ist eine neue Lösung im Gespräch. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Wie kommt die Gäubahn zum neuen Hauptbahnhof? Im Bahnprojekt Stuttgart 21 gibt es dazu klare Vorstellungen. Doch nun ist eine neue Lösung im Gespräch. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Vier Tage lang will das Regierungspräsidium auf Antrag der Bahn im Messe-Kongresszentrum Einwände zu einem S-21-Abschnitt erörtern. Das halten Kritiker wegen der Coronalage für gar keine gute Idee.

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Stuttgart - Am kommenden Montag startet im Messe-Kongresszentrum auf den Fildern die Erörterung von Einwänden gegen die Führung der Gäubahn beim Projekt Stuttgart 21. An der Festlegung des Terminplans (bis Donnerstag Beratung jeweils von 9 bis 18 Uhr) durch das Regierungspräsidium (RP) gibt es harsche Kritik. Tobias Lieber, Anwalt der Schutzgemeinschaft Filder, hat seine Absage erklärt. „Ich finde es in der jetzigen Situation – und wenige Wochen bevor die allermeisten an einer solchen Veranstaltung mit Impfschutz teilnehmen könnten – unverantwortlich, ein derartiges Risiko einzugehen. Und dann noch für ein Projekt, das die Politik sowieso schon aufgegeben hat“, so Lieber.

Das Aktionsbündnis gegen S 21 hat die Absetzung der Anhörung beantragt. Auch, weil die von der Bahn vorgelegten Unterlagen für eine Alternativplanung „völlig unzureichend“ seien, so Dieter Reicherter für die Gegner. Sollte das RP die S-21-Pläne gutheißen, werde die Schutzgemeinschaft klagen, so deren stellvertretender Vorsitzender Frank Distel. Sie fordert, die bisherige Strecke beizubehalten.

Verfahren auch in Pandemie möglich

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) erklärte am Freitag, nicht an der Erörterung teilzunehmen. „Wir halten die Präsenzveranstaltung für unverantwortlich“, sagte Regionalgeschäftsführer Gerhard Pfeifer. Die Landesregierung hat Erörterungen in der jüngsten Coronaverordnung explizit zugelassen.

Im Verfahren geht es darum, dass Züge aus Zürich und Singen nicht mehr über die Panoramastrecke durch den Stuttgarter Westen in die Stadt, sondern mit S 21 von Rohr aus über die Gleise der S-Bahn zum Flughafen fahren. Von dort aus gelangen sie durch den Fildertunnel in den Hauptbahnhof. Allerdings wird diese Lösung nicht bis zum S-21-Start Ende 2025 fertig. Die Gäubahn endet wohl über Jahre in Stuttgart-Vaihingen. Dort ist der Umstieg auf S- und Stadtbahnen möglich.

Pofalla wartet auf Finanzierungszusage

Gegen die Mitnutzung der S-Bahn-Gleise auf den Fildern und den zwangsweisen Umstieg in Vaihingen gibt es Einwände, genauso gegen die Initiative des Berliner Verkehrsstaatssekretärs Steffen Bilger (CDU). Er plädiert für den Neubau eines Tunnels für die Gäubahn von Böblingen zum Flughafen; damit würde der Mischverkehr auf der S-Bahn-Strecke obsolet. Dieser Tunnel wäre Teil der Ausbauten für den Deutschlandtakt der Bahn, nicht von S 21. Auf die fehlende verbindliche Finanzierungszusage für den milliardenteuren Gäubahn-Ausbau hat Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla hingewiesen. Erst wenn sie vorliege, könnten die S-21-Partner darüber reden, die bisherigen Pläne zu verwerfen. Die Bahn ist durch den S-21-Finanzierungsvertrag zum Flughafenanschluss verpflichtet.

Der Fahrgastverband Pro Bahn appelliert, den Gäubahn-Anschluss in die City zu erhalten. Das sei oberirdisch mit geringem Aufwand neben S 21 möglich. Edwin Dutler von Pro Bahn in der Schweiz warnte am Freitag: „Wenn der Umstieg in Vaihingen kommt, werden wir als Kundenorganisation den Schweizern empfehlen, Stuttgart zu umfahren. Wir machen kein Kabarett, es gibt schließlich Alternativen.“

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