Erste Gemeinschaftsschule mit Abi-Zug Großer Zulauf für gymnasiale Oberstufe in Stuttgart
Zum neuen Schuljahr können an der Stuttgarter Schickhardt-Gemeinschaftsschule die ersten Schüler den direkten Weg zum Abitur wählen. Das Modell kommt gut an.
Zum neuen Schuljahr können an der Stuttgarter Schickhardt-Gemeinschaftsschule die ersten Schüler den direkten Weg zum Abitur wählen. Das Modell kommt gut an.
Stuttgart - Im kommenden Schuljahr richtet die Schickhardt-Gemeinschaftsschule im Stuttgarter Süden eine gymnasiale Oberstufe ein. Es ist die erste dieser Schulart in Stuttgart. Und es fanden sich auf Anhieb genügend Bewerber für den neuen Weg zum Abitur. „Wir sind extrem glücklich“, sagt Schulleiterin Sandra Vöhringer. 74 Bewerberinnen und Bewerber hätten sich für Klassenstufe elf gemeldet. 60 müssen es mindestens sein. Dabei habe die Schule erst im Januar 2021 die Genehmigung für die gymnasiale Oberstufe erhalten, die nach Klasse zehn in drei Jahren zum Abitur führt. Man habe kaum Werbung dafür machen können. Allerdings sei der digitale Infoabend gut besucht gewesen.
Besonders freut die Schulleiterin, dass unter den Bewerbern 43 aus ihrer eigenen Schule seien – nicht nur aus dem Zug mit erweitertem Niveau, also Gymnasialniveau, sondern auch 14 Kinder mit guten Realschulzeugnissen. „Die haben das erst gar nicht auf dem Schirm gehabt“, berichtet die Rektorin. Die übrigen Bewerber kämen überwiegend aus anderen Gemeinschaftsschulen (GMS), aber auch je eine Handvoll aus Realschulen und allgemeinbildenden Gymnasien. Auch Bewerber aus dem Kreis Ludwigsburg und dem Rems-Murr-Kreis seien dabei. „Wir haben vorläufige Bestätigungen verschickt“, sagt Vöhringer. Die meisten Bewerber hätten zum Halbjahr „tolle Zeugnisse“ vorgewiesen – „bei den anderen muss man noch schauen“. Verbindliche Zu- oder Absagen erhalten die Bewerber bis 27. Juli – nach Prüfung ihrer Zeugnisse. Denn wer in die gymnasiale Oberstufe einer GMS aufgenommen werden will, muss dieselben Voraussetzungen erfüllen wie beim Wechsel an ein allgemeinbildendes Gymnasium.
Das heißt, GMS-Schüler müssen schon vorher durchgängig auf dem erweiterten Niveau gelernt haben und die Versetzungsordnung erfüllen. Realschulabsolventen müssen mindestens in zwei der Fächer Deutsch, Mathe, Englisch die Note „gut“, im dritten Fach mindestens „befriedigend“ und in allen maßgeblichen Fächern mindestens einen Schnitt von 3,0 haben. Die zweite Fremdsprache kann auf der gymnasialen Oberstufe ab Klasse elf nachgeholt werden.
„Wir können bis zu 90 Kinder aufnehmen“, sagt Vöhringer. Schon jetzt ist sie sich sicher: „Im übernächsten Jahr wird es eng werden.“ Denn bis dahin werden auch die zwei letzten der insgesamt acht GMS in Stuttgart die Klassenstufe zehn erreicht haben. Und bis dahin werde sich auch die GMS als Alternative zu G9 herumgesprochen haben. Wenn sie dann Bewerber mangels Platz abweisen müsste, „das wär schon bitter“, meint die Pädagogin. Sie hofft, „dass sich in Stuttgart was tun wird“, etwa ein zweiter GMS-Standort mit gymnasialer Oberstufe. Bürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) meint hierzu: „Die Anmeldezahlen an der Schickhardt-Gemeinschaftsschule sind ja erfreulich. Wenn sich der Trend so weiter fortsetzt, kann man darüber nachdenken, eine weitere gymnasiale Oberstufe in Stuttgart einzurichten.“
Allerdings scheint die GMS als Alternative zum schnellen G8 zunehmend auch bei Schülern beliebt zu sein, die schon vor der Oberstufe mit dem Tempo und den Anforderungen im G8 überfordert sind. „Wir haben für alle Klassenstufen extrem viele Anfragen“, berichtet Sandra Vöhringer – „seit Wochen.“ Etwa für Klassenstufe neun. Da habe man an der Schickhardt-GMS vier kleine Klassen, in denen noch Platz sei. Die aktuellen drei siebten Klassen seien randvoll. Es sei aber möglich, im nächsten Schuljahr eine zusätzliche achte Klasse aufzumachen: „Wir mischen dann neu.“ Das habe auch Vorteile für die Schüler. Somit könnten diese ihre Rolle neu finden. Insgesamt könne man in allen Klassenstufen noch Schüler aufnehmen. „Im Vergleich zum letzten Schuljahr spürt man deutlich mehr Bewegung“, sagt Vöhringer. Dazu könne beigetragen haben, dass viele Schüler keinen Platz mehr auf der Realschule bekämen.