Erste Hilfe mit Wildpflanzen Die Wald- und Wiesenapotheke

Auf Wiesen und im Wald findet man viele Pflanzen, die Heilwirkung haben. Foto: dpa/Martin Gerten

Bei Verletzungen aller Art kann man sich unterwegs auch aus der Natur bedienen. Wir stellen sieben Pflanzen vor, die für Erste Hilfe taugen.

Gesundheit für Menschen in Stuttgart: Bettina Hartmann (ina)

Stuttgart - Ein Wespenstich beim Badeausflug, eine Verstauchung bei der Bergtour – wer bei derartigen Verletzungen und Wehwehchen keine passende Erste Hilfe zur Hand hat, kann sich auch aus der Natur bedienen. Wunder können sie zwar nicht bewirken, doch viele Pflanzen, die man unterwegs findet, bringen Linderung. „Mit jedem Schritt und Tritt, welchen wir in der herrlichen Gottesnatur machen, begegnen wir immer wieder neuen Pflanzen, die für uns höchst nützlich und Heil bringend sind“, befand Ende des 19. Jahrhunderts schon der Priester und Naturheilkundler Sebastian Kneipp. Diese sieben Pflanzen findet man hierzulande überall.

 

Brennnessel

Sonderlich beliebt ist sie nicht, die meisten nehmen sich vor ihr sogar in Acht. Denn der Kontakt mit der Brennnessel (botanisch: Urtica) kann schmerzhaft sein. Ihre am Stiel und auf der Blattoberfläche sitzenden Härchen, die mit winzigen Widerhaken versehen sind, lösen bei Berührung Quaddeln und Juckreiz aus. Als Gegenmittel hilft übrigens der Saft vom Spitzwegerich, den man auf die betroffene Stelle reibt. Zu Unrecht gilt die Brennnessel als Unkraut. In Wahrheit handelt es sich um eine Heilerin. Als Tee wirkt sie unter anderem harntreibend. Schmerzen beim Wandern plötzlich die Gelenke, kann man mit der Pflanze über die betroffene Stelle streichen – oder man macht aus den Blättern einen Umschlag. Beides wird zunächst brennen. Dann aber breitet sich wohlige Wärme aus. Zudem ist die Pflanze voller Vitalstoffe und daher prima zum Verzehr geeignet. Davor sollten allerdings die Härchen gebrochen werden: die Blätter vorsichtig abzupfen, vom Stiel her einrollen und zwischen den Händen zerreiben. Sie schmecken auch als gesunder Chipsersatz: daheim leicht salzen und ohne Fett in der Pfanne rösten.

Kiefer

Ihr ätherisches Öl macht die Kiefer (botanisch: Pinus) zur begehrten Heilpflanze. Sie wird unter anderem bei Atemwegserkrankungen eingesetzt, da schleimlösend, sowie bei verschiedensten Hautleiden Sportverletzungen, Rückenschmerzen und sogar bei Rheuma, weil die Wirkstoffe die Durchblutung fördern. Das Harz ist ein altbewährtes Heilmittel zur Wundheilung und Schmerzlinderung. Hat man in der freien Natur das Bedürfnis, sich die Hände zu waschen, aber keine Seife dabei, gibt es einen einfachen Trick: ein paar Nadeln mit Wasser zwischen den Händen zerreiben. Das riecht gut, erfrischt und desinfiziert.

Schlehe

Ob Blätter, Blüten, Früchte oder Rinde: Die Schlehe (botanisch: Prunus spinosa) steckt voller Vitamine, Mineralien, Fruchtsäuren und Gerbstoffe. Ihre Wirkstoffe treiben anderem den Harn, hemmen Entzündungen und lösen Krämpfe. Zerriebene oder zerkaute Blätter stillen auf eine Wunde gegeben das Blut. Sie lassen sich von Mai bis September verwenden. Die hübschen blauen und zunächst sehr herben Beeren kann man ab Herbst essen. Wobei sie nach dem ersten Frost milder und besser schmecken. Doch Vorsicht: Ihre Steine sollte man ausspucken, denn sie enthalten Spuren von Blausäure.

Huflattich

Schon der Naturforscher Plinius der Ältere (23–79 n. Chr.) empfahl Huflattich gegen Husten, denn seine ätherischen Öle wirken schleimlösend. Als Soforthilfe eignen sich die zerriebenen oder zerkauten Blätter bei Halsschmerzen und Erkältungen sowie als Auflage bei Insektenstichen. Huflattich (botanisch: Tussilago farfara) blüht schon früh im Jahr – leuchtend gelb. Ist die Blütezeit vorbei, wachsen der Pflanze große Blätter, deren Unterseite weich, ja fast schon flauschig ist. Die Blätter können Naturfreunden in ganz besonderen Notfällen dienen. Daher auch ihr Beiname „Wanderers Klopapier“. Gut, an dieser Stelle vielleicht nicht ganz passend: Die Blütenstiele kann man auch essen. In Salzwasser blanchieren, mit etwas Butter beträufeln und genießen. Der Geschmack erinnert an grünen Spargel. Es gilt allerdings wie bei allen Wildpflanzen: achtsam ernten sowie mit Bedacht sammeln, sprich: nur, wenn genügend vorhanden.

Klee

Nicht nur Vögel schlürfen gern den süßlichen Nektar aus den Kleeblüten, auch Wanderer schätzen sie als süßen Snack. Legt man die zerkauten oder zerriebenen Blüten auf einen Insektenstich, lässt der Juckreiz schnell nach. Weiterhin wird dem Klee (botanisch: Trifolium) unter anderem ein positiver Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System und eine östrogenähnliche Wirkung nachgesagt – weshalb er sich für Frauen in den Wechseljahren eignet. Noch besser: Es wird vermutet, dass Klee eine Anti-Aging-Wirkung hat.

Vogelmiere

Unterwegs plötzlich Schmerzen oder Schwellungen? Das kann die Vogelmiere (botanisch: Stellaria media) bessern. Die zerkleinerten Blätter auf die entsprechende Stelle legen und mit einem Tuch umwickeln und warm halten. Zudem schmeckt sie – etwa als Salat.

Gänseblümchen

Eine Unachtsamkeit – und schon ist es passiert: Man fällt und schürft sich das Knie auf. Was nun? Ein paar Gänseblümchen (botanisch: Bellis perennis) zerkauen oder zerreiben und aufs Knie geben – sie wirken entzündungshemmend. Auch bei Insektenstichen und Verstauchungen hilft der Brei, da er reich an Mineralien, Gerb- und Bitterstoffen ist. Daher wird die Heilpflanze des Jahres 2017 auch Arnika des Nordens genannt. Essen kann man Gänseblümchen auch. Sie machen sich gut in Salaten.

Literatur

Empfehlenswert sind unter anderem „Erste Hilfe mit frischen Wildpflanzen“ von Coco Burckhardt (Ulmer-Verlag, 9,95 Euro), „Die Wildpflanzen-Apotheke“ von Markus Strauß (Knaur-Verlag, 19,99 Euro) und „Der Kosmos-Heilpflanzenführer“ von Ingrid und Peter Schönfelder (Kosmos-Verlag, 35 Euro).

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