Erste Lachnacht in Aichwald Welch Poesie steckt im Wort Hornhauthobel

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Bei der ersten Lachnacht in der Schurwaldhalle begeistern fünf Kabarettisten und Comedians das Publikum. Auf humorvolle Weise nehmen sie politische und gesellschaftliche Entwicklungen, aber auch sich selbst ins Visier.

Gesten- und pointenreich geht Roberto Capitoni auf die Mentalitätsunterschiede zwischen Italienern und Schwaben ein. Foto: /Horst Rudel
Gesten- und pointenreich geht Roberto Capitoni auf die Mentalitätsunterschiede zwischen Italienern und Schwaben ein. Foto: /Horst Rudel

Aichwald - So, auch zum Lachen gekommen?“, fragt ein Besucher der Schurwaldhalle in Aichwald-Schanbach einen Bekannten. „Ja“, antwortet der scherzhaft, „wir haben ja sonst nix zu lachen.“ Die beiden ansonsten offenbar spaßverhinderten Zeitgenossen dürften ihren Nachholbedarf an diesem Samstagabend bei der ersten Aichwalder Lachnacht ausgiebig gestillt haben, denn die rund 300 Besucher fühlten sich von den vier Kabarettisten und Comedians Kerim Pamuk, Roberto Capitoni, Vera Deckers, Matthias Brodowy und dem Moderator Frederic Hormuth bestens unterhalten.

Um es vorwegzunehmen: Es wurde tatsächlich sehr viel gelacht an diesem Abend, aber auch sehr viel gelernt. Etwa darüber, wie aus dem einst türkischen Macho Kerim Pamuk im Geburtsvorbereitungskurs mit seiner Frau ein Softie gemacht wurde. Wie er gemeinsam mit zwanzig anderen Männern minutenlang zur Entspannung seiner schwangeren „Königin die Äpfel geschüttelt“, sprich deren Hinterbacken „geschaukelt“ hat. Oder wie er, geprägt vom deutschen Gesundheitswahn den landsmännischen Imbissbudenbesitzer fragt, ob dessen Döner der Verdauung zuträgliche Ballaststoffe enthalte. Die Gegenfrage kommt prompt: „Willst du essen oder sch . . . ?“

Großzügiger Italiener, sparsamer Schwabe

Roberto Capitoni kennt sich besser mit der inneren Zerrissenheit aus, halb Italiener, halb Deutscher zu sein. Da fühle man sich schnell wie ein „Vegetarier, der im Schlachthof arbeitet“. Denn groß seien die Mentalitätsunterschiede zwischen Italienern und Deutschen im Speziellen und zwischen Italienern und Schwaben im Besonderen. Einerseits die angeborene Großzügigkeit des Südländers, der seine Angebetete mit exklusivem Geschmeide verwöhnt. Andererseits der sparsame Schwabe, der nach der Devise „lieber zehn Minuta g’schämt, als a teures G’schenk g’macht“ lebt. Früh, sehr früh schon sei er schwäbisch sozialisiert worden, erzählt Roberto Capitoni: Mit einem Bausparvertrag habe man den überfälligen kleinen Roberto einst bei dessen Geburt aus dem Mutterleib gelockt.

Vera Deckers, die einst als Psychologin gearbeitet hat, kämpft mit dem Älterwerden und dem heutigen Optimierungs- und Fitnesswahn. Mitunter ist ihr die sich immer schneller drehende Welt fremd, in der die Verpackung wichtiger ist als der Inhalt. Sie stamme noch aus einer Zeit, in der man sich „Follower mit Pfefferspray“ vom Hals gehalten hat. In der Männer mit Vollbart noch echte urwüchsige Kerle waren, die im Forst mit der Axt in den Händen Bäume gefällt haben. Heute müsse man die „Bürschchen“ mit der Hipster-Matte im Gesicht fragen: „Na, darfst Du überhaupt schon alleine in den Wald?“

Matthias Brodowy macht sich Gedanken darüber, wie Sprache wirkt, etwa darüber, welch „pure Poesie“ in dem Wort Hornhauthobel steckt. Er reflektiert, wie widersprüchlich es war, dass ein Mann wie Sepp Blatter, der ehemalige Präsident des Weltfußballverbands Fifa, einst eine Ethikkommission ins Leben gerufen hat („Finde den Fehler“). Denn Fifa und Ethik, das sei so, „als würde die Frau des Papstes zur Gleichstellungsbeauftragten der Taliban gewählt“. Neulich habe ihn sein Bankberater angerufen, um ihm mitzuteilen, dass er sein Konto um 6000 Euro überzogen habe. Matthias Brodowys Konter: „Deswegen rufen Sie mich an? Letzte Woche war ich mit 400 im Plus. Habe ich da etwa Sie angerufen?“

Begeistertes Publikum

Der Moderator Frederic Hormuth ist verzweifelt über den zunehmenden Druck in unserer Leistungsgesellschaft, über den stetig wachsenden Work-Life-Balance-Wahn: „Burnout ist das neue Seepferdchen“, sagt er. Und er echauffiert sich über das „Bullshit reden, wenn man von etwas keine Ahnung hat“. Doch Hormuth weiß, wie es sich anfühlt, wenn vor der Bühne Begeisterung herrscht. Ihm und seinen Kollegen ist sie entgegengeschlagen bei der ersten Aichwalder Lachnacht – es muss ja nicht die einzige bleiben.