Erste Wahl nach 1945 Generalprobe für die neue Demokratie

Reif für die Demokratie? Stuttgart nach dem Zweiten Weltkrieg. Foto: IMAGO/piemags

Vor 80 Jahren durften die Deutschen erstmals nach der Kapitulation des Naziregimes wieder wählen.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Armin Käfer (kä)

Die Generalprobe für eine neue Demokratie in Deutschland fand noch in der Trümmerlandschaft statt, die Hitlers Diktatur hinterlassen hatte: Im amerikanischen Sektor durften die Deutschen Anfang 1946 erstmals wieder wählen. In den Genuss dieser neuen Chance einer politischen Selbstbestimmung kamen auch die Einwohner des noch unfertigen Landes Württemberg-Baden.

 

Los ging es am 20. Januar in 17 von 39 Landkreisen Hessens. Am 27. Januar durften die Bürger auch im Südwesten und in Bayern wählen – zunächst allerdings nur die Menschen in Gemeinden mit weniger als 20 000 Einwohnern. Von der Wahl ausgeschlossen waren die meisten Flüchtlinge aus dem Osten des untergegangenen Deutschen Reiches sowie NSDAP-Mitglieder, die Hitlers Partei vor 1937 beigetreten waren. Sämtlichen NSDAP-Mitgliedern war es untersagt, für das Amt eines Gemeinderats zu kandidieren. Wahlberechtigt waren die Deutschen damals erst mit 21, in Baden erst mit 25 Jahren.

Vier Parteien hatte die Besatzungsmacht zur Wahl zugelassen: CDU und SPD sowie die Kommunistische Partei und die Deutsche Volkspartei, aus der später die FDP hervorgehen sollte. Im Landkreis Mosbach kandidierten Kommunisten und Sozialdemokraten auf einer gemeinsamen Wahlliste. In Württemberg durften die Wähler schon Kumulieren und Panaschieren. In Baden konnten sie nur über unveränderte Kandidatenlisten abstimmen. Das Ergebnis der Wahlpremiere auf kommunaler Ebene prägte die politische Kultur für die nächsten Jahrzehnte: Die CDU errang 62 Prozent aller Gemeinderatsmandate. Auf die SPD entfielen 28,3 Prozent der Sitze, auf die DVP 4,1 Prozent. Und die KPD hatte zwar 5,9 Prozent der Stimmen (und damit mehr als die DVP), sie konnte aber nur 2,3 Prozent der Ratsmandate besetzen.

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