Am bundesweit ersten Mobility-Hub der Bahn in Stuttgart-Vaihingen können Pendler seit 2021 ihr Fortbewegungsmittel umsatteln: Zur Auswahl stehen E-Roller, die Bahn, Fahrräder und Autos. Doch wie viele tun das? Beobachtungen zur Stoßzeit.
Die meisten Pendler, die an diesem Werktagmorgen die Straße zum Bahnhof Vaihingen entlangeilen, bemerken nicht, welch Innovation sie da gerade passieren. „Der Mobility-Hub Vaihingen dient als intermodale Schnittstelle zwischen Bahnhof und Sharing-Mobilität“, steht auf einem grünen Schild. Doch fürs Kleingedruckte haben die Passanten keine Zeit. Und selbst wenn: Würden sie auf Anhieb verstehen, was gemeint ist?
Eröffnet wurde der erste Mobility-Hub der Deutschen Bahn am Bahnhof Stuttgart-Vaihingen im November 2021. Er war ein Pilotprojekt, das inzwischen zur Dauereinrichtung geworden ist. Südöstlich der Stadtbahngleise ist die Fahrbahn über mehrere Meter mit grünen Fünfecken übersät, am Rand stehen E-Scooter, die meisten säuberlich aufgereiht, zudem drei Flinkster-Autos und nur vier Regioräder. Platz wäre für mehr. Ist das ein Zeichen, dass das Umsteige-Angebot gut genutzt wird?
Viele kommen zu Fuß an den Bahnhof Vaihingen
Eine Stunde zur morgendlichen Stoßzeit am Vaihinger Bahnhof zeichnet jedenfalls ein anderes Bild. Die meisten, die hier auf eigenen Rädern, Rollern oder vor allem zu Fuß unterwegs sind, lassen die Schnittstelle links liegen, docken nicht an. Doch dann, um 8.17 Uhr, düst ein Mann auf einem E-Scooter heran, stellt das Gefährt ordnungsgemäß in den Ständer am Mobility-Hub und springt die Treppen hoch zur Stadtbahn. Im Verlauf der Stunde wird er ein Einzelfall bleiben.
Für private Räder mangelt es sichtbar an Platz. /Judith A. SägesserEinmal noch ist Bewegung am Hub, allerdings zeigt sich schnell, dass die Schnittstelle hier nicht funktioniert, obwohl jemand ein Rad abgestellt hat. Es ist das Privatrad einer Dame, deren Bahn in einer Minute nach Plieningen abfährt. Es parkt jetzt neben den einsamen vier Regiorädern. Doch das ist so nicht im Sinne des Erfinders. Wer sich ein bisschen Zeit für den Mobility-Hub nimmt, der findet nämlich auch den Hinweis, dass an diesem besonderen Ort nur Sharing-Fahrzeuge stehen dürfen.
In Stuttgart-Vaihingen fehlt etwas
Fragt man die Bahn, werde ihr erster Mobility-Hub am Bahnhof in Vaihingen „gut angenommen“, wie eine Sprecherin mitteilt. Die Software zeige, „dass durch den Mobility-äHub die Anzahl der Umstiege auf Sharing-Fahrzeuge ab dem Bahnhof angestiegen ist“. Welche Sharing-Fahrzeuge besonders beliebt sind, könne man aber „aus Datenschutzgründen“ nicht sagen, so die Bahn-Sprecherin.
Was in Vaihingen fehlt, erkennt man auf einen Blick: Abstellplätze für private Räder. Ein kostenloses Fahrradparkhaus würde sicher viele Pendler freuen. In Echterdingen steuert man gerade für Leute mit Privatrad nach. Die Radständer am Mobility-Hub an der Stadionstraße, der hier Mobilitätspunkt heißt, seien mehr als ausgelastet. Die Stadt habe bereits mobile Bügel ergänzt, prüfe aber weitere Flächen, so ein Sprecher.
Damit Mobility-Hubs ihre volle Wirkung entfalten, müssten sie mehr als Ergänzungen an Haltestellen sein, erläutert das Zukunftsinstitut in Frankfurt am Main. Sie müssten als „Nachfolger der Tankstelle“ gedacht werden; Orte, an denen man Strom laden kann, arbeiten oder Geld abheben. In Vaihingen steht am Hub nicht einmal eine Sitzbank, er säumt einfach ein paar Meter Straße.
Am Charlottenplatz in Stuttgart wird zurzeit ebenfalls ein Mobility-Hub gebaut, beim abgebrochenen Breuninger-Parkhaus. Nicht von der Bahn, sondern von Breuninger . Womöglich kommt das, was dort geplant ist, den Visionen des Zukunftsinstituts näher: neben 480 Auto- und 150 Radstellplätzen sind dort weitere Sharing-Fahrzeuge, Ladestationen, eine Radreparaturwerkstatt, ein Café, ein Restaurant und ein Supermarkt vorgesehen.