Bunte Schultüten, aufgeregte Kinder, nervöse Eltern: Der erste Schultag ist etwas Besonderes - auch für die 48 Neulinge an der Grundschule Uhlbach.
Stuttgart - Es ist ein sonniger Tag im Stuttgarter Stadtteil Uhlbach, an dem 48 Sechs- und Siebenjährige die ersten Schulstunden ihres Lebens bestreiten. Auf dem Hof der Grundschule haben die Eltern der Zweitklässler traditionsgemäß ein kleines Büfett aufgebaut, die neuen Schüler und ihre Mütter und Väter sollen sich hier gleich wohlfühlen.
Piratenschiffe, Prinzessinnen und Rennautos zieren die bunten Schulranzen und die Schultüten vieler Kinder. Blumige Röcke und schicke Lackschuhe werden an diesem großen Tag einer breiteren Öffentlichkeit als bisher vorgeführt. Schulranzen mit Beinen sieht man von weitem in die Aula spazieren - bezopfte Mädchenköpfe und zerzauste Bubenfrisuren verschwinden zum Teil noch vollkommen hinter den großen Schultaschen auf den kleinen Rücken.
Besucher stehen bis nach draußen
Sicherheitshalber mit einer Hand an Mutters Hosenbein werfen einige Erstklässler verstohlene Blicke auf die zukünftigen Klassenkameraden, mit manchen Freunden aus dem Kindergarten gibt es ein Wiedersehen. "Wir sind auch ein bisschen aufgeregt, wie alles ablaufen wird. Unsere Tochter ist schon gespannt auf ihre Lehrerin und das Klassenzimmer", erzählt eine Mutter. Doch noch bevor die Kinder in die Zimmer gehen, in denen sie im kommenden Schuljahr viele Stunden über Schreibheften und Matheaufgaben sitzen werden, gibt es eine große Begrüßungsfeier in der Aula der Grundschule in Uhlbach.
Kurz vor zehn Uhr ist es dort so voll, dass nicht mehr alle Eltern und Großeltern der Erstklässler einen Platz finden, Besucher stehen bis nach draußen. Ältere Schüler der Grundschule trällern das Schullied für die Neuen. "Wir werden fit, Schritt für Schritt, komm mach auch mit" und "Bei unserer Schule wollen wir was bewegen" singen sie so stimmgewaltig, wie es geht.
Der Rektorin Eve-Marie Hörtig gelingt es, mit einer kurzen Geschichte alle Blicke auf sich zu ziehen. In der Schule habe sie kürzlich eine Kiste mit vielen bunten Wollknäueln gefunden. "Jedes Knäuel war anders, manches Garn war dick, andere flauschig weich, blau, grün oder rot. Ganz unten in der Kiste war ein kleiner Teppich, zusammen gewebt aus all diesen Wollgarnen. Genau so seid ihr: Jeder von euch ist für sich etwas ganz Besonderes, und zusammen ergebt ihr einen einzigartigen neuen bunten Teppich, eine vielfältige Schulklasse", sagt die Schulleiterin.
Motiviert und wissbegierig
Aus der kindlichen Zuschauerstarre - halboffene Münder, todernste Gesichter und gebannte Blicke - erweckt die Rektorin ihre neuen Schüler erst wieder mit einer Frage: "Was wollt ihr denn in der Schule lernen?" Schon gehen einige Hände in die Höhe, so viel wissen die Erstklässler bereits: Man muss sich hier mit Handzeichen melden.
Englisch will einer lernen, Spanisch gar ein anderer. Schreiben und lesen könne sie schon, beteuert ein Mädchen mit einer lila Schultüte. Die Erstklässler werden dann in ihre Klassenzimmer geführt. Ihre zukünftigen Klassenkameraden, die Schüler der zweiten Klasse - in der Eingangsstufe gemeinsam mit den neuen Schülern im Unterricht - rufen alle mit Namensschildern aus.
Vier erste Klassen gibt es dieses Jahr an der Grundschule Uhlbach: Füchse, Hasen, Kaulquappen und Raupen nennen sie sich. Und es gibt schon Aussicht auf "Verwandlung" im zweiten Schuljahr nächsten Sommer: zum Frosch, Schmetterling oder "großen Fuchs" kann man dann werden.